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Neue Ausbildungswege werden getestet

Aviatik-Studium für Luftwaffen-Piloten

Im Vorfeld der Neuausrichtung des fliegerischen Diensts, der einen Bachelor-Abschluss vorsieht, testet die Luftwaffe Alternativen zum Studium an den Universitäten der Bundeswehr in Hamburg oder München.

Als Pilotprojekt belegen jeweils zehn angehende Piloten den Studiengang Aviatik and der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur und den Internationalen Studiengang für Luftfahrtsystemtechnik und Management (ILST) an der Fachhochschule in Bremen.

In Winterthur begannen die ausgewählten Studenten mit einem einjährigen Grundstudium, der sogenannten Assessmentstufe, in der die mathematisch- naturwissenschaftlichen Grundlagen gelehrt werden. Zu belegende Module sind beispielsweise Physik, Mathematik, Elektrotechnik und Aerodynamik. Aber auch Luftrecht und Englisch sind verpflichtend.

Mit bestandenem Grundstudium beginnt für die Studenten das zweijährige Hauptstudium. Zuvor musste eine der beiden Vertiefungsrichtungen „Technics & Engineering“ oder „Operation & Management“ gewählt werden. Entsprechend des Studienschwerpunktes wird ein Praktikum innerhalb der Luftfahrtindustrie absolviert, um eine praxisnahe Ausbildung zu gewährleisten. Im sechsten Semester sind in beiden Vertiefungsrichtungen sowohl eine Projekt-, als auch eine fachgerechte Bachelorarbeit anzufertigen. Ziel: „Bachelor of Science in Aviation“.

Die Berufsperspektiven ergeben sich aus den Studieninhalten der entsprechenden Vertiefungsrichtung. In „Technics & Engineering“ werden Lerninhalte wie Wartung, und Reparatur sowie Informatik und Avionik vermittelt. Mögliche Berufsfelder liegen hierbei in der Musterzulassung, Zertifizierung und dem technischen Einkauf der Luftfahrtindustrie sowie der Flugsicherungstechnik.

Weniger technisch interessierte Studenten erlernen in „Operations & Management“ unter anderem Luftverkehrsmanagement, Sicherheits- und Risikomanagement und finden im Bereich Airport- und Security Managements auf Flughäfen, des Dispatchings (Leitungsarbeit) und des Operational Engineerings (Operative Ingenieurwissenschaften) wertvolle Karrierechancen.

Der Studiengang Aviatik ermöglicht eine studienbegleitende Lizenzausbildung zum Linienpiloten oder Fluglotsen. Diese Möglichkeit wurde seitens der Luftwaffe für die fünf angehenden Transportflugzeugführeroffiziere genutzt.

Der erweiterte Horizont der Absolventen, bei dem sie einen umfassenden Blick in die Luftfahrt bekommen, liefert einen wertvollen Beitrag für die künftige Aufgabenerfüllung innerhalb der Luftwaffe.

Dualer Studiengang

Ihre Flugausbildung absolvieren die Jet-Piloten der Luftwaffe weitgehend in den USA, wie hier in der T-38 (Foto: Luftwaffe/Metternich).

Aufbauend auf den Erfahrungen der Studenten in Winterthur und Bremen will die Luftwaffe in Zusammenarbeit mit der Universität der Bundeswehr einen dualen Studiengang konzipieren, der die Ausbildungszeit nicht verlängert. Diese dauert derzeit inklusive Studium rund sechs Jahre, wobei der fliegerische Anteil bis zur Umschulung auf das Einsatzmuster lediglich zwei bis zweieinhalb Jahre umfasst.

Die „fliegerische Vor- und Erstausbildung“ beginnt dabei der 9. Inspektion der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck, wo zunächst ein achtwöchiger US Qualification Course (Sprachlehrgang) stattfindet, gefolgt von fünf Wochen Theorie auf dem Niveau eines PPL. Anschließend muss in Königsbrück das zweiwöchige Flugphysiologische Training und in Nordholz der Überlebenslehrgang See absolviert werden.

Erstmals ins Flugzeug klettern die angehenden Luftfahrzeugführer dann bei der 3. Luftwaffenausbildungsstaffel in Goodyear, Arizona. Dort werden in etwa neun Wochen 22 bis 33 Stunden auf der Grob G 120A der Lufthansa durchgeführt.

Nach Abschluss der Basisausbildung folgen je nach Verwendung die Transportflugzeugführerausbildung bei der Lufthansa-Verkehrsfliegerschule in Bremen (23 Monate) oder die Jetpilotenausbildung auf T-6 Texan II und T-38 Talon auf der Sheppard AFB in Texas (15 Monate). Spätestens dort gibt es keinen Zweifel mehr, dass „das militärische Fliegen kein beliebiger Job ist“. Begehrt dürfte er aber dennoch sein, wie rund 1600 Bewerbungen pro Jahr zeigen.

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