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Britischer Allrounder

Hawker Hart

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Die Hawker Hart war ein rundum gelungener Doppeldecker. Obwohl sie zunächst nur als Bomber vorgesehen war, bewährte sie sich in einer Vielzahl weiterer Rollen und bildete das Ausgangsmuster für eine ganze Flugzeugfamilie.

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Hawker Hart

Nach dem Ersten Weltkrieg sah sich die gerade erst im April 1918 gegründete britische Royal Air Force (RAF) massiven Budgetkürzungen ausgesetzt. In der Regierung gab es sogar Bestrebungen, die RAF komplett wieder aufzulösen. Es war vor allem Sir Hugh Trenchard zu verdanken, dass die RAF als eigenständige Teilstreitkraft erhalten blieb, denn er hatte die Strategie des „Polizeieinsatzes aus der Luft“ für die britischen Kolonien formuliert. Aus dem Flugzeug heraus waren große Gebiete schneller, einfacher und kostengünstiger zu kontrollieren als mit bodengebundenen Kräften. Die Luftfahrttechnik machte in den zwanziger Jahren so rapide Fortschritte, dass neue Flugzeugmuster in schnellem Tempo aufeinander folgten.

1926 gab das britische Luftfahrtministerium (Air Ministry) die Ausschreibung 12/26 für einen leichten Tagbomber mit zwei Mann Besatzung heraus. Drei Firmen (Fairey, Avro und Hawker) wurden mit dem Bau eines Prototyps beauftragt. Aus den Vergleichstests mit der Fairey Fox und der Avro Antelope ging die Hawker Hart, die im Juni 1928 ihren Erstflug absolvierte, als klarer Sieger hervor.

Daraufhin beauftragte das Air Ministry Hawker im Jahr 1929 mit dem Bau von 15 Vorserienflugzeugen. Ab Januar 1930 erhielt die No. 33 Squadron in Eastchurch in der Grafschaft Kent die ersten Hawker Hart. Dort lösten sie die veralteten Bomber vom Typ Hawker Horsley ab. Die Vorserienflugzeuge trugen die Kennzeichen J9933 bis J9947.

Konstruktion der Hawker Hart

Dank guter Flugleistungen und eines sehr geräumigen Cockpits war die Hawker Hart bei ihren Piloten sehr beliebt. Foto und Copyright: KL-Dokumentation

Die Hawker Hart war von Sydney Camm konstruiert worden und verfügte über einen Stahlrohrrumpf, der vom Cockpit bis zum Heck mit Baumwolle bespannt war und dessen vordere Sektion Aluminiumbleche verkleiden. So konnte eine aerodynamisch besonders günstige Form verwirklicht werden. Erstmalig wurden bei der Hawker Hart Schnellverschlüsse für die Motorverkleidung eingesetzt, um den Mechanikern einen schnellen Zugang zum Triebwerk zu gewährleisten. Zwischen Motor und Cockpit war der Treibstofftank im Rumpf untergebracht. Am Boden hatten die Besatzungen der Hawker Hart keine Sicht nach vorne, da das Rumpfvorderteil des Spornradflugzeugs sehr hoch nach vorne ragte. Beim Rollen fuhren die Piloten in S-Kurven, um nach vorne sehen zu können.

Die bespannten Tragflächen des Doppeldeckers waren leicht versetzt angeordnet und hatten Stahlholme, an denen Rippen aus Aluminium befestigt waren. Zwischen den Tragflächen sorgte eine N-Strebe auf jeder Seite für die geforderte Festigkeit. Der obere Flügel der Hawker Hart war um fünf Grad nach hinten gepfeilt – bei der späteren Trainerversion wurde die Pfeilung auf 2,5 Grad zurückgenommen.

Die Leermasse betrug rund 1150 Kilogramm, ihre Zuladung über 900 kg. Auch wenn der Rolls-Royce Kestrel IB das Standardtriebwerk der Hawker Hart darstellte, gab es diesen Typ mit einer Vielzahl anderer Motoren.

Höchstgeschwindigkeit von fast 300 km/h

Die Hawker Hart war als Bomber und als Trainer erfolgreich. Foto und Copyright: KL-Dokumentation

Die Royal Air Force war mit den Flugleistungen der Hawker Hart zufrieden – besonders die Höchstgeschwindigkeit von fast 300 km/h beeindruckte die Verantwortlichen – und bestellte 460 Serienflugzeuge für den Einsatz als leichter Bomber. Berühmt wurde die Hart, als sie 1930 bei einer großen Luftkampfübung in England der Armstrong Witworth Siskin davonflog, die von 1927 bis 1930 der Standardjäger für die Heimatverteidigung war.

Da die RAF die Flugzeuge schneller haben wollte als Hawker sie bauen konnte, wurden Vickers und Armstrong Witworth mit der Lizenzfertigung beauftragt und fertigten 112 beziehungsweise 149 Hart-Bomber.

Varianten und Lizenzfertigung in Schweden

Hawker testete den Bristol Pegasus-Sternmotor im Auftrag der schwedischen Flygvapnet an der Hart. Die Schweden bauten das Muster ab 1936 in Lizenz. Foto und Copyright: KL-Dokumentation

Doch die Hart glänzte auch in anderen Rollen. Da sie über ein sehr geräumiges Cockpit und angenehme Flugeigenschaften verfügte, war schnell die Idee geboren, aus der Hart auch ein Schulflugzeug zu machen. 1932 erhielt die Hawker Aircraft Company vom Air Ministry ein Pflichtenheft (AM Specification 8/32) für ein unbewaffnetes Flugzeug mit zwei vollständig ausgerüsteten Cockpits, das die Flugleistungen der Hawker Hart erreichen sollte. Das Air Ministry beauftragte Hawker mit dem Bau eines Prototyps, den die Firma innerhalb von sechs Wochen zum Erstflug brachte. Bei den Flugtests stellte sich jedoch heraus, dass noch einige Modifikationen notwendig waren. So erhielten die Hart-Trainer zum Beispiel ein vergrößertes Seitenleitwerk, um die Stabilität im Geradeausflug zu erhöhen. Nach dem Bau von zwei weiteren Trainer-Prototypen bestellte das Air Ministry, aufgeteilt in mehrere Baulose, 500 Serienflugzeuge dieser Version für die Royal Air Force.

Eine weitere Hart-Variante war die Hawker Hart (C), ein unbewaffnetes Verbindungsflugzeug, von dem neun Exemplare gebaut wurden. Eine deutlich größere Verbreitung fand die Hawker Audax, die speziell für die Zusammenarbeit mit den Landstreitkräften gebaut wurde. Bei ihr gehörte zum Beispiel ein Fanghaken zum Aufnehmen von Nachrichten von Bodentruppen zur Standardausstattung. Die Audax war mit einer Höchstgeschwindigkeit von 274 km/h langsamer als die Hart. Von ihr wurden 700 Exemplare gebaut, darunter auch zwei Spezialversionen, die Audax India und die Audax Singapore, die für den Einsatz in den Subtropen mit besonderen Filtern versehen waren.

Als die schwedische Flygvapnet in den frühen dreißiger Jahren nach einem neuen leichten Bomber Ausschau hielt, wurde sie auch in Großbritannien vorstellig, um die Genehmigung zur Lizenzfertigung der Hawker Hart in Schweden zu bekommen. Allerdings wollten die Schweden einen anderen Motor, nämlich den Bristol-Pegasus-IM2-Sternmotor, in der Hart verwenden. Daraufhin baute und erprobte Hawker vier Exemplare der Hart mit diesem Triebwerk und exportierte sie anschließend nach Schweden. Dort wurden zusätzlich 42 Exemplare der „Swedish Hart“ mit dem ebenfalls in Schweden in Lizenz gefertigten Pegasus-Sternmotor in Serie gebaut.

Eine weitere nennenswerte Variante der Hart war die Demon. Sie sollte als Interimsjagdflugzeug eingesetzt werden. Hawker und Boulton Paul bauten zusammen 200 Exemplare dieses Jägers, der aber mit zwei Maschinengewehren zu schwach bewaffnet war, um diese Rolle wirklich auszufüllen. Die Royal Australian Air Force setzte das Flugzeug sogar noch am Anfang des Zweiten Weltkriegs ein.

In der Reihe der Flugzeuge, die aus der Hawker Hart entstanden sind, darf die Osprey nicht fehlen. Sie war eine Variante der Hart, die für den Einsatz von Schlachtschiffen und Flugzeugträgern umgebaut wurde. Sie stieß bereits 1932 zu den britischen Marinefliegern (Fleet Air Arm) und diente dort bis 1944 vor allem in der Rolle als Aufklärer. Die Osprey wurde von Großbritannien auch exportiert. Schweden, Spanien und Portugal gehörten zu den Abnehmern dieses Musters.

Wichtiges RAF-Muster, aber bald veraltet

Hawker Hart bei der No. 601 Squadron der RAF. Foto und Copyright: KL-Dokumentation

Zwischen 1930 und 1936 war die Hawker Hart eines der wichtigsten und am weitesten verbreiteten Muster der Royal Air Force. Allerdings entwickelte die Luftfahrt sich rasant weiter, so dass die Hart ab Mitte der dreißiger Jahre als Bomber völlig veraltet und gegen moderne Jagdflugzeuge chancenlos war. Ab 1936 wurde sie nach und nach abgelöst. Nur in Indien diente sie bis 1939 und wurde dann durch die Bristol Blenheim ersetzt.

Insgesamt 2081 Exemplare der Hawker Hart und ihrer Versionen wurden zwischen 1930 und 1938 hergestellt. Überlebt haben weniger als eine Handvoll. Im Royal Air Force Museum in Hendon können die Besucher zwei Hawker Hart bewundern: Einen Hart Bomber und einen Hart Trainer.

Technische Daten

Hawker Hart Bomber

Hersteller: Hawker Aircraft Co. Ltd, Kingston, Surrey
Verwendung: Tagbomber
Besatzung: 2 Mann
Triebwerk: Rolls-Royce Kestrel IB
Leistung: 525 PS (391 kW)
Spannweite: 11,35 m
Länge: 8,94 m
Höhe: 3,17 m
Flügelfläche: 32,33 m2
Leermasse: 1148 kg
max. Startmasse: 2066 kg
max. Marschgeschw.: 296 km/h
Dienstgipfelhöhe: 21 320 ft/6498 m
Reichweite: 756 km
Bewaffnung: ein starres, nach vorne gerichtetes Vickers-MG (7,7 mm), ein bewegliches, rückwärts gerichtetes Lewis-7,7 mm-MG im hinteren Cockpit, maximale Bombenlast 236 kg

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 06/2010

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