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Das hölzerne Wunder

de Havilland D.H.98 Mosquito

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Die elegante, hölzerne de Havilland Mosquito D.H.98 gehört zu den berühmtesten britischen Flugzeugen des Zweiten Weltkriegs.

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de Havilland Mosquito D.H.98

Die zweimotorige Mosquito, liebevoll auch „Mossie“, „Balsa Bomber“ oder „Wooden Wonder“ genannt, beruhte auf der kühnen Idee, einen mittleren Bomber und Aufklärer durch strömungsgünstige Form, Leichtbauweise und starke Triebwerke derartig schnell zu machen, dass er zeitgenössischen Jagdflugzeugen entkommen konnte. Die Konzeption gipfelte im Verzicht auf jede Abwehr-Bordbewaffnung. Entsprechend skeptisch blieb das britische Air Ministry und ließ den Entwurf zunächst ein Jahr in der Schublade verstauben. Erst nach Kriegsausbruch, Ende 1939, gab das Ministerium doch noch grünes Licht.

Das Konstruktionsteam unter R. E. Bishop entwarf die D.H. 98 Mosquito in Holzbauweise, um nicht den kriegswichtigen Rohstoff Metall beanspruchen zu müssen. Der Rumpf entstand aus Halbschalen, die mit einem Laminat aus Zedern- und Balsaholz beplankt wurden. In beiden Halbschalen wurden Seilzüge, Kabel und Rohrleitungen jeweils unabhängig voneinander installiert. Dies verhalf der Mosquito später zu außerordentlicher Zuverlässigkeit bei Schäden durch Beschuss, denn alle Teile der Steuerung waren doppelt vorhanden. Zehn Tankzellen fassten insgesamt 2450 Liter Kraftstoff. Die beiden strömungsgünstig geformten Motorgondeln für die Rolls-Royce-Merlin-V12-Triebwerke nahmen auch das Einziehfahrwerk auf.

Kein Geringerer als Geoffrey de Havilland Junior startete mit dem Mosquito-Prototyp E-0234, Seriennummer 98001, am 25. November 1940, also nur elf Monate nach Konstruktionsbeginn, in Hatfield zum Erstflug. Die guten Flugeigenschaften überraschten nicht nur den Hersteller: Die Mosquito erreichte eine jägerartige Wendigkeit, schaffte sogar noch im Einmotorenflug in Bodennähe Fassrollen und erwies sich während der nächsten beiden Jahre als schnellstes Einsatzflugzeug der Welt. Nun wurde auch das Air Ministry hellhörig und ließ die Erprobung des nun als W4050 bezeichneten Prototyps fortsetzen. Am 15. Mai 1941 startete auch der Prototyp des Nachtjägers Mosquito II mit der Kennung W4052 zum Erstflug. Er verfügte über verstärkte Holme und vier 20-mm-Bordkanonen unter dem Rumpfbug, vier MGs im Bug, eine Panzerglasscheibe und das noch geheime A.I.-Mark-IV-Bordradar. Der Einstieg erfolgte nun auf der rechten Seite statt durch eine Bodenluke. Außerdem wurde bald eine druckluftbetriebene Bremsklappe auf dem Rumpfrücken installiert.

Als erste gelangten drei Prototypen als Fotoaufklärer in Benson in den offiziellen RAF-Bestand. Den ersten Einsatzflug als Höhenaufklärer führte die W4055 am 20. September 1941 über Brest und Bordeaux durch. Eine 1941 durchgeführte Versuchsserie mit Geschütztürmen auf dem Rumpf der Mosquito bewährte sich nicht. Deren Widerstand bremste das Flugzeug zu stark ab. Doch dank der Wendigkeit des Flugzeugs war das Schießen auch mit starren Bordwaffen problemlos möglich.

Umbau für immer größere Bomben

Seit Mai 1942 stand die Mosquito auch als Bomber und Jäger im Dienst. Die erste Bomberversion nannte sich B. Mk IV Series 1, deren Prototyp W4047 war seit September 1941 erprobt worden. Die Hauptversion, Series 2, erhielt nach hinten verlängerte Motorgondeln, welche bis über die Landeklappen reichten. Bald stellte man fest, dass man statt der vier vorgesehenen 113-kg-Bomben auch vier doppelt so schwere Sprengkörper mitführen konnte, wenn man deren Bombenleitwerke leicht verkleinerte.

Den ersten Angriff führte die No. 105 Squadron aus Marham tagsüber am 31. Mai 1942 auf Köln aus. Erstmals öffentlich erwähnt wurde die Mosquito am 26. September 1942 nach einem spektakulären Tiefflugangriff auf das Gestapo-Hauptquartier in Oslo durch die No. 139 Squadron.

Die ersten 26 Bomber wurden nun zur Aufnahme einer einzelnen, 1800 Kilogramm schweren„Blockbuster“-Bombe umgebaut. Mit zwei abwerfbaren 190-Liter-Zusatztanks konnten sie damit Berlin erreichen. Am 30. Januar 1943 griffen die Mosquitos erstmals an. Spätere Mosquitos konnten immer höhere Zuladungen schleppen, darunter Torpedos, ein H2S-Radar im Bombenschacht, Rauchbomben unter dem Flügel oder die berühmte, von der Lancaster her bekannte, rotierend über das Wasser springende „Wallis“-Staumauerbombe, die mit der Mosquito DK290 erprobt wurde.

Am Bau der Bomber war auch de Havilland of Canada beteiligt, wo ab September 1942 als erste Version die Mosquito B. Mk VII mit Packard-Merlin-31-Triebwerken entstand. Später erhielten die Flugzeuge teilweise das „Oboe“-Radar, um als Pfadfinder und Führungsflugzeuge bei großen Bomberangriffen eingesetzt zu werden. Als Höhenbomber entstand die B. Mk IX ohne Panzerung und mit vergrößertem Flügel. Auch Australien baute die Mosquito auf britischen und kanadischen Werkzeugen.

Auch die Royal Navy nutzte die Mosquito. Die nach der Marinespezifikation N.15/44 entwickelte Sea Mosquito mit Fanghaken und Klappflügel war das erste zweimotorige Flugzeug, das auf einem britischen Flugzeugträger landete. Lt. Cdr. E. M. Brown gelang dieses Manöver am 25. März 1944 auf der HMS „Indefatigable“.

Als letzte Mosquito-Version gilt die TT Mk 39, ein Zielschlepper für die Royal Navy, der aus umgebauten B-Mk-XVI-Bombern entstand. Sie erhielt einen verlängerten und verglasten Bug, aus dem ein Kameramann die Geschossexplosionen filmte. Außerdem wurde im Bombenschacht eine elektrische Winde eingebaut, die der Windenbediener aus einem verglasten Stand überwachen konnte. Die wohl am wenigsten bekannte Variante waren zwei Dutzend zu Schnellfrachtern umgebaute Bomber. Sie verkehrten ab 1943 vor allem zwischen Großbritannien und Schweden und beförderten auch vereinzelt wichtige Passagiere im Bombenschacht. Nur fünf dieser Flugzeuge erlebten das Kriegsende.

Insgesamt wurden 7781 Mosquitos gebaut. Nach dem Krieg gelangten gebrauchte Mosquitos in zahlreiche Staaten, darunter China, Frankreich, die Türkei, Israel, Norwegen, Birma, die Dominikanische Republik, Jugoslawien, Belgien und die Tschechoslowakei. Die RAF musterte ihre letzten Fotoaufklärer erst 1961 aus. Der historische Mosquito-Prototyp W4050 wurde 1952 in einer Scheune in Chester wieder entdeckt und wird seitdem im de Havilland Aircraft Heritage Center ausgestellt.

Technische Daten

de Havilland TR Mk 33 Sea Mosquito

Zweimotoriger, trägergestützter Allwetterjäger, Aufklärer und Bomber

Besatzung:
zwei (Pilot und Bombenschütze/Radarbeobachter)
Antrieb: zwei flüssigkeitsgekühlte V12-Reihenmotoren Rolls-Royce Merlin 25 mit 1620 PS (1208 kW) Startleistung
Länge: 10,97 m
Spannweite: 16,51 m
Höhe: 4,11 m
Leermasse: 6736 kg
max. Startmasse: 10 818 kg
Dienstgipfelhöhe: 7925 m
Reichweite: 1497 km
Höchstgeschwindigkeit: 623 km/h
Bewaffnung: vier feste MK, Kal. 20 mm, und bis zu 907 kg Bomben oder ein Torpedo unter dem Rumpf und bis zu acht ungelenkte Raketen unter den Flügeln

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 03/2013

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