Fokker Dr. I
Die rote Legende

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Die Fokker Dr.I gilt gemeinhin als eines der gefährlichsten Jagdflugzeuge des Ersten Weltkriegs. Dieser Ruf ist vor allem einem Piloten zu verdanken: Manfred von Richthofen. Die Leistungen der Dr.I waren eher durchschnittlich.

Manfred von Richthofen - Aviator, Germany - Richthofen and his airplane (Fokker triplane) DR-1) during WWI - 1918
Foto: Ullstein Bild via Getty Images

Mit actio und reactio beschreibt das dritte Newtonsche Gesetz das Phänomen, dass bei Wechselwirkung zwischen zwei Körpern jede Aktion gleichzeitig eine gleich große Reaktion erzeugt. Dieser Grundsatz scheint im übertragenen Sinne auch für die Entwicklung von Kriegsgerät zu gelten, denn die Konstruktion der Fokker Dr.I gilt als unmittelbare Folge von Berichten über die Leistungsfähigkeit der britischen Sopwith Triplane, die auch Manfred von Richthofen Respekt abgenötigt haben soll. Diese Weiterentwicklung der Sopwith Pup, die einen stärkeren Motor und ein drittes Tragflächenpaar erhielt, beeindruckte die deutschen Piloten mit einer hervorragenden Wendigkeit und hohem Steigvermögen. Die nur 140-mal gebaute und ausschließlich vom Royal Navy Air Service geflogene Triplane brachte die deutsche Fliegertruppe bei Konfrontationen mit dem Muster mitunter in arge Schwierigkeiten, sodass die Verantwortlichen ein gleichwertiges Flugzeug forderten.

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Bau des Dreideckers

Anthony Fokkers Chefkonstrukteur Reinhold Platz soll zunächst nicht begeistert gewesen sein von der Idee, einen Dreidecker zu bauen, fügte sich aber schließlich der Anordnung seines Chefs, woraufhin drei Exemplare der Fokker V.4 entstanden, dem unmittelbaren Vorläufer der Dr.I. Zunächst hatte das Flugzeug freitragende Flügel; nach Auftreten starker Schwingungen bei Testflügen wurde eine klassische Verstrebung am Ende der Flügel angebracht, die aber ohne die zuvor häufig notwendige Drahtverspannung auskam.

Neu waren unter anderem die als Hilfstragfläche ausgebildete Verkleidung der Fahrwerksachse und die weit nach vorn gezogene Nasenleiste des Höhenleitwerks, die im spitzen Winkel auf den Rumpf traf. Der Rumpf selbst war eine klassische Stahlrohrkonstruktion, die Tragflächen bestanden aus Holz mit Metallbeschlägen. Ein Manko der Konstruktion war der nur 110 PS starke Umlaufmotor, der nicht mehr dem Stand der Technik entsprach und die Dr.I leistungsmäßig von Anfang an ins Hintertreffen brachte.

Patrick Zwerger
Heute fliegen wieder einige Nachbauten der Fokker Dr.I und begeistern auf Airshows und Fliegertreffen die Besucher.

Erste Bewährung

Die ersten Flugzeuge kamen im September 1917 an die Front und zeigten vor allem aufgrund ihrer geringen Masse von nur 585 Kilogramm hervorragende Leistungen im Steigflug: In knapp unter drei Minuten konnte die Dr.I auf 1000 Meter Höhe steigen. Auch in Bezug auf die Wendigkeit erfüllte das Muster die Erwartungen. Selbst die damals als überaus wendig geltende Sopwith Camel der Briten konnten die Deutschen mit der Dr.I auskurven.

Allerdings gab es auch Schwachpunkte: Aufgrund der geringen Motorleistung und des hohen Widerstands der drei Tragflächen mit relativ dickem Profil war die DrI mit rund 160 Kilometern pro Stunde Höchstgeschwindigkeit weit langsamer als die meisten ihrer Gegner. Nur wenige Exemplare erhielten einen Umlaufmotor mit 160 PS und zeigten entsprechend bessere Flugleistungen. Bis November 1917 kam es zudem zu mehreren Unfällen infolge von Flügelbrüchen, sodass das Muster vorerst wieder aus dem Dienst genommen wurde und die Fokker-Werke an eine Überarbeitung der Tragflächenkonstruktion gingen. Erst im Februar kamen die Flugzeuge wieder zum Einsatz und blieben bis Kriegsende an der Front. Bis Mai 1918 wurden rund 420 Dr.I gebaut.

Der "Rote Baron"

Größere Bekanntheit erlangte die Fokker Dr.I vor allem deshalb, weil der erfolgreichste Jagdflieger des Ersten Weltkrieges, Manfred von Richthofen, mit diesem Typ nicht wenige seiner insgesamt 80 Luftsiege errang. Wie schon die von ihm zuvor geflogene Albatros DV ließ er auch seinen Dreidecker rot anstreichen, wodurch sein Ruf als "Roter Baron" gefestigt wurde. In einer DrI fand Richthofen im April 1918 den Tod, als er, in einen Luftkampf mit den RAF-Piloten Roy Brown und Wilfrid May verwickelt, von australischen MG-Schützen am Boden beschossen und schwer verwundet wurde. Richthofen konnte den Dreidecker zwar nahezu unbeschädigt landen, erlag aber seinen Verletzungen.

Heute gibt es mehrere flugfähige Nachbauten der Fokker Dr.I. Sie sind gern gesehene Gäste auf Airshows und Flugtagen.

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Rick Eglinton/Toronto Star via Getty Images
Die geringe Startmasse von 585 kg​ bescherte der Dr.I hervorragende Leistungen im STeigflug.

Technische Daten Fokker Dr.I

Allgemeine Angaben:
Besatzung: 1
Antrieb: Neunzylinder-Umlaufmotor Oberursel Ur.II
Leistung: 110 PS (81 kW)

Abmessungen:
Länge: 5,77 m
Höhe: 2,95 m
Spannweite: 7,20 m
Flügelfläche: 18,70 m²

Massen:
Leermasse: ca. 385 kg
Startmasse: 585 kg

Flugleistungen:
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h
Flughöhe: 6500 m
Flugdauer: 1:30 h

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