Großbritanniens exotisches Frühwarnflugzeug - Nimrod AEW als Millionengrab

Die skurrilsten Flugzeuge der Welt: BAe Nimrod AEW
Großbritanniens exotisches Frühwarnflugzeug

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.04.2026
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In den 70er Jahren wuchs die Bedeutung von Frühwarnflugzeugen immens, AWACS (Airborne Early Warning and Control System) wurde zu einem der prägenden Begriffe in der Militärluftfahrt zu dieser Zeit. Auch Großbritannien erkannte die Wichtigkeit dieses Sektors und wollte gegen die mächtige Konkurrenz aus den USA – allen voran Boeing mit der E-3 – ein eigenes Produkt auf die Beine stellen.

Dabei setzen die Briten auf den Nimrod-Seeaufklärer als Basis, der ein komplexes Radarsystem von GEC-Marconi beherbergte. Die zwei jeweils 1,80 Meter großen Parabolantennen fanden in knollenförmigen Verkleidungen in Bug und Heck Platz. Sie sollten im Gegensatz zur pilzförmigen Verkleidung auf dem Rumpfrücken der E-3 weniger Luftwiderstand aufweisen und eine bessere Abdeckung bieten, da sich keine Komponenten der Flugzeugzelle im Weg der Radarstrahlen befanden. Im April 1977 bestellte die Royal Air Force (RAF) elf Exemplare des nun als Nimrod AEW Mk.3 bezeichneten Flugzeugs als Ersatz für die veraltete Avro Shackleton. Sie entstanden aus ungenutzten Zellen der Nimrod MR Mk.1.

Comet als Erprobungsträger für Nimrod AEW am Boden von vorne
British Aerospace

Probleme und Streit

Als die erste umgerüstete Maschine zu ihrem Jungfernflug startete war der Hersteller noch zuversichtlich, die ersten Serienexemplare Anfang 1982 ausliefern zu können. Doch die Entwicklung und die Integration der Systeme erwies sich als wesentlich schwieriger als gedacht, und die beiden Hauptauftragnehmer British Aerospace und GEC-Marconi schoben sich wie in einem Ping-Pong-Spiel gegenseitig die Schuld zu. Obwohl das System eigentlich nicht funktionierte, rüstete man alle georderten Nimrods um und übergab sie an die RAF, die sie aber bald für immer abstellte.

Millionen auf den Schrott

Genervt von den Verzögerungen führte das Verteidigungsministerium eine Überprüfung des Programms durch und startete in Folge davon eine erneute Ausschreibung, bei der im Dezember 1986 dann doch die Boeing E-3 gewann. Als die AEW-Nimrods auf den Schrott wanderten hatte der Staat fast eine Milliarde Pfund in das vermeintliche Prestigeprojekt versenkt. Sehr zur Freude vieler Luftfahrtenthusiasten mussten die Propeller-getriebenen Shackletons noch bis zum Eintreffen der E-3 Sentry im Jahr 1991 durchhalten.

Fliegende Nimrod AEW
British Aerospace

Technische Daten

Typ: Frühwarnflugzeug
Erstflug: 16. Juli 1980
Produktion: elf Maschinen aus Seeaufklärern umgerüstet
Verbleib: alle verschrottet, nur wenige Rumpfteile sind erhalten geblieben
Besatzung: bis zu 12
Antrieb: vier Rolls-Royce RB.168-200 mit je 54 kN Schub
Länge: 41,97 m
Spannweite: 35,08 m
Höhe: 10,67 m
Leermasse: 39009 kg
Max. Startmasse: 85185 kg
Höchstgeschwindigkeit: 563 km/h
Einsatzdauer: zehn Stunden

Titelbild "Die skurrilsten Flugzeuge der Welt"
Motorbuch Verlag

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