Italiens Jet-Pioniere ohne Chance - die Aerfer-Jagdflugzeuge

Die skurrilsten Flugzeuge der Welt: Aerfer-Jets
Italiens Jet-Pioniere ohne Chance

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.01.2026
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In den 50er Jahren wollte auch Italien ins Jetzeitalter vorstoßen, und so begann das Unternehmen Industrie Meccaniche Meridionali Aeronautiche e Ferroviarie (Aerfer) als Nachfolger des Flugzeugbauers Ambrosini mit der Entwicklung eines strahlgetriebenen Tagjägers. Dabei setzten die Konstrukteure auf die Erfahrungen mit dem aus Holz gebauten Forschungsjet Sagittario aus dem Jahr 1953. Als Antrieb des Nachfolgers wählten die Ingenieure das britische Derwent 9 von Rolls-Royce, das sie im Bug anordneten. Damit erreichte die kleine Ganzmetallkonstruktion sogar Mach 1.1, allerdings nur im leichten Sturzflug.

Insgesamt ließen die Flugleistungen aber zu wünschen übrig, so dass die Ingenieure eine Weiterentwicklung mit dem Namen Ariete in Angriff nahmen. Im Wesentlichen modifizierte sie den Rumpf, um im Heck einen zusätzlichen Turbojet unterzubringen. Das kleine Hilfstriebwerk erhielt seine Luftzufuhr durch einen ausfahrbaren Einlauf auf dem Rumpfrücken und sollte beim Start, im Steigflug und im Luftkampf zusätzlichen Schub liefern.

Aerfer Saggitario 2 beim Start
Historical Documentation Centre, Leonardo Velivoli

Keine Chance trotz Mischantrieb

Die Erprobung begann im Frühjahr 1958, knapp zwei Jahre nach dem Erstflug der Sagittario II. Aber auch diese Variante konnte nicht überzeugen. Die geplante Leone –mit einem Mischantrieb aus Jet- und Raketenaggregat – blieb auf dem Reißbrett. Die italienischen Luftstreitkräfte verließen sich weiter auf US-Produkte. Aerfer ging später in Alitalia auf.

Technische Daten

Typ: Jagdflugzeug (Daten für Ariete in Klammern)
Erstflug: 19. Mai 1956 (27. März 1958)
Produktion: jeweils ein Exemplar
Verbleib: beide im italienischen Luftwaffenmuseum (Vigna di Valle) ausgestellt
Besatzung: 1
Antrieb: ein Rolls-Royce Derwent 9 mit 16,01 kN Schub (plus ein Rolls-Royce Soar RSr 2 mit 8,05 kN)
Länge: 9,5 m (9,6 m)
Spannweite: 7,5 m
Höhe: 2,02 m
Leermasse: 2300 kg (2400 kg)
Max. Startmasse: 3300 kg (3535 kg)
Höchstgeschwindigkeit: 1040 km/h (1080 km/h)
Bewaffnung: zwei 30-mm-Kanonen

Titelbild "Die skurrilsten Flugzeuge der Welt"
Motorbuch Verlag

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