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Japanischer Jäger mit überragenden Flugleistungen

Nakajima Ki-44 Shoki

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Als die Amerikaner im Juni 1944 ihre strategische Luftoffensive gegen Japan eröffneten, stand ihnen mit der Nakajima Ki-44 Shoki lediglich ein einziger echter Abfangjäger gegenüber, der jedoch mit überragenden Flugleistungen antworten konnte.

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Nakajima Ki-44 Shoki

Die von Nakajima entwickelte Ki-44 Shoki war der japanische Jäger mit den besten Steigleistungen. Um auf eine Flughöhe von 5000 m zu kommen, benötigte er nur vier Minuten und 17 Sekunden. Seine überragenden Flugleistungen im oberen Höhenbereich konnte er bei der Verteidigung des heimatlichen Luftraums immer wieder nachweisen.

Die Entwicklung der Ki-44 Shoki reicht zurück bis in das Jahr 1939. Nakajima wurde damals vom Technischen Stab der Heeresflieger (Koku Hombu) aufgefordert, die Konstruktionsarbeiten an dem Muster Ki-43 Hayabusa fortzusetzen. Gleichzeitig erhielt die Firma aber auch die Spezifikationen für ein moderneres Jagdflugzeug mit echten Interzeptoreigenschaften. Entgegen früheren japanischen Entwurfsmethoden standen nunmehr Geschwindigkeit und Steigleistung eindeutig im Vordergrund, und zwar auf Kosten der Flugeigenschaften.

Man forderte von dem neuen, schwerbewaffneten Jäger unter anderem, dass er eine Flughöhe von 4000 m in weniger als fünf Minuten erreichen müsse. Ferner sollte seine Höchstgeschwindigkeit in dieser Höhe mindestens 600 km/h betragen. Um alle Forderungen erfüllen zu können, benötigte der mit dem Entwurf beauftragte Projektingenieur T. Koyama als erstes ein leistungsstarkes Triebwerk. Er entschied sich letztlich für den Nakajima Ha-41, der seine beste Leistung mit 1260 PS in 3700 m Höhe abgab. Dieser voluminöse luftgekühlte 14-Zylinder-Doppelsternmotor war vor allem für größere Kampfflugzeuge vorgesehen, die sich damals ebenfalls im Projektstadium befanden.

Trotz des großen Einbaudurchmessers dieses Triebwerks gelang den Konstrukteuren von Nakajima bei der Ki-44 eine elegante Gestaltung der Rumpfzelle. Sein Durchmesser führte auch zu einer ziemlich großen Seitensilhouette, was aber wiederum schon aus Stabilitätsgründen für Flugzeuge dieser Art von großer Wichtigkeit war. Die beiden Flügelhälften hatten zusammen eine aerodynamische Fläche von nur 15 Quadratmetern. An der Unterseite des gemeinsamen Mittelstücks waren sie mit besonderen Steuerklappen für den Luftkampf versehen.

Nach einem Jahr konnte das erste Musterflugzeug der Ki-44 (Werk-Nr. 4401) fertiggestellt werden. Im August 1940 startete die Maschine vom Flugplatz Ojima des Nakjima-Werks Ota zu ihrem erfolgreichen Jungfernflug. Ihm folgten nach verhältnismäßig kurzer Zeit die beiden nächsten Prototypen (Werk-Nr. 4402 und 4403). Charakteristisch war bei diesen drei Versuchsflugzeugen die aus drei Teilen bestehende Führerraumverkleidung, der dazugehörende Antennenmast, das nicht einziehbare Spornrad und eine Zusatztank-Aufhängestation an der Rumpfunterseite.

Gute Flugeigenschaften, aber zunächst zu langsam

Eine Ki-44I Shoki mit ausgefahrenen Luftkampf-Steuerklappen unter dem Rumpf. Die neue Schiebehaube wurde mit den ersten Vorserienflugzeugen eingeführt. Foto und Copyright: KL-Dokumentation

Die erste Erprobungsphase mit den drei Prototypen verlief zufriedenstellend, und auch über die Flugeigenschaften waren die Piloten voll des Lobes. Sie bemängelten lediglich die zu hohe Landegeschwindigkeit und die schlechten Sichtverhältnisse beim Rollen am Boden. Ferner traten während der Geschwindigkeitserprobung einige unvorhergesehene Schwierigkeiten auf. So erreichte man bei einem Fluggewicht von 2550 kg nur 550 km/h, und auch die Steigzeit auf 4000 m lag bei fast sechs Minuten und nicht, wie gefordert, bei unter fünf.

Ein Fehlschlag in der Entwicklung der Ki-44 hätte mit Sicherheit die Streichung des Gesamtprogramms zur Folge gehabt. Bei Nakajima war man aufgrund ähnlicher Schwierigkeiten, die bereits während der Ki-43-Entwicklung aufgetreten waren, zu Recht besorgt. Die drei Prototypen der Ki-44 wurden daraufhin mehrfach abgeändert. Dazu gehörten nicht nur eine neue Motoraufhängung und -verkleidung, sondern auch ein anderer Lufteinlauf für den Höhenlader sowie verbesserte Kühlklappen. In diesem Zustand und mit ausgebauten Bordwaffen erreichte man nun bei Testflügen Geschwindigkeiten von 570 km/h, lag jedoch immer noch um fünf Prozent unter der geforderten Leistung.

Weitere Änderungen an der Rumpfzelle umfassten unter anderem noch fünf mit Ventilklappen versehene zusätzliche Kühlluftauslässe pro Seite hinter dem ebenfalls abgeänderten Brandschott. Bei erneuten Testflügen erzielte man nun 626 km/h und konnte somit die Geschwindigkeitsforderungen überschreiten, jedoch noch immer ohne Bordwaffen. Ausgehend von den letzten Erprobungsergebnissen und neuen Gewichtsberechnungen wurde die maximale Geschwindigkeit für die erste Serienausführung der Shoki auf 580 km/h festgelegt.

Alle erwähnten Änderungen wurden beim Bau von sieben Vorserienflugzeugen (Werk-Nr. 4404-4410) bereits berücksichtigt, deren letztes im September 1941 ausgeliefert wurde. Diese Maschinen besaßen schon die neue zweiteilige Führerraumverkleidung mit Schiebehaube und den rechts angeordneten Antennenmast. Ferner konnte sie unter dem Flügelmittelstück zwei abwerfbare 130-Liter-Zusatztanks mitführen. Ihre Bewaffnung bestand aus zwei im Rumpfvorderteil eingebauten und durch den Propellerkreis feuernden 7,7-mm-Maschinengewehren des Typs 89 und je einem 12,7-mm-MG des Typs 1 (Ho-103) in den Außenflügeln. Als Zielgerät diente ein in die Planscheibe des Windschutzes eingebautes optisches Teleskopvisier.

Am 15. September 1941 wurden die sieben Vorserienflugzeuge zusammen mit den Prototypen 4402 und 4403 einer Sonderstaffel (Kawasemi Butai) für Truppenversuche unter Einsatzbedingungen übergeben. Diese Einheit, die sich auch 47. Chutai nannte, war in Saigon stationiert und kam vorwiegend in Indochina zum Einsatz. Bis September 1942 konnten auch diese Versuche erfolgreich zu Ende geführt werden. Danach wurde das Muster von den japanischen Heeresfliegern endgültig akzeptiert, und zwar als Ki-44-1 Shoki (Dämon). Als die Alliierten das Muster bemerkten, wurde es mit dem Codenamen „Tojo“ versehen.

Bereits im Januar 1942 war im Werk Ota von Nakajima die Serienfertigung angelaufen. Die mit Ki-44-Ia bezeichnete erste Version entsprach in ihrer technischen Konzeption weitgehend dem Vorserienmuster. Ihnen folgte die Ki-44-Ib, deren Angriffsbewaffnung aus vier 12,7-mm-MGs des Typs Ho-103 bestand. Aus der Version Ib wurden noch einige Ki-44-Ic abgeleitet, bei denen jedoch nur die Federbeine des Hauptfahrwerks geringfügig abgeändert waren. Bis Oktober 1942 wurden von der Ki-44-1 insgesamt 40 Maschinen gefertigt. Zu ihnen gehörte auch eine, die versuchsweise mit gegenläufigen Zweiblatt-Propellern versehen war.

Obwohl die Ki-44-I der schnellste Jagdeinsitzer der Japanischen Heeresflieger war, gelang es ihr nicht, den Aufklärer Ki-46 Dinah von Mitsubishi bei Vergleichsflügen abzufangen. Man beschloss daraufhin, die Höchstgeschwindigkeit und besonders die Steigleistung der Shoki weiter zu erhöhen. Als greifbare Lösung bot sich mit dem Ha-109 von Nakajima ein stärkerer Motor an, der wegen seinen günstigen Abmessungen auch kurzfristig in die Zelle der Ki-44 eingebaut werden konnte. Im Sommer 1942 wurden fünf Prototypen und drei Vorserienmaschinen der Ki-44-II gefertigt. Nach einer erfolgreichen Mustererprobung lief im November 1942 die Serienfertigung der zweiten Shoki-Version an, und zwar wiederum im Nakajima-Werk Ota.

Einige der ersten Maschinen waren wieder mit zwei 7,7-mm-MGs und zwei 12,7-mm-MGs ausgerüstet und als Ki-44-IIa bezeichnet. Die Bewaffnung der in größerer Stückzahl gefertigten Ki-44-Ib bestand dagegen aus vier 12,7-mm-MGs des Typs Ho-103. Sie kamen vorwiegend in Japan selbst zum Einsatz, wo ab dem 18. April 1942 der Aufbau einer wirksamen Luftverteidigung mit höchster Dringlichkeit behandelt wurde. Grund war der legendäre Angriff von 16 amerikanischen Kampfflugzeugen des Typs B-25B Mitchell auf Ziele in Tokio, Yokohama, Kobe und Nagoya. Sie waren vom Flugzeugträger USS Hornet (CV-8) gestartet und konnten ihren Auftrag durchführen, ohne von japanischen Abfangjägern behindert zu werden.

Gefürchteter Gegner der B-29 Superfortress

Der wendige Jäger war bei vielen Verbänden im Einsatz. 1225 Exemplare wurden von 1940 bis Dezember 1944 gebaut. Foto und Copyright: KL-Dokumentation

Auch in China, Malaysia, Burma und zur Luftverteidigung der für Japan lebenswichtigen Ölfelder von Palembang auf Sumatra wurden Ki-44-Jäger eingesetzt. Als nächste Version der Shoki galt die Ki-44-IIc, die mit vier 20-mm-Mk des Typs Ho-3 ausgerüstet war. Diese Waffe erwies sich bei der späteren Bekämpfung amerikanischer Langstreckenbomber als besonders wirksam. Am 19. Februar 1945 konnten Ki-44-IIc aus einem einfliegenden Verband von 120 B-29 Superfortress innerhalb kurzer Zeit zehn Maschinen herausschießen.

Einige Ki-44-IIc erhielten zwei 12,7-mm-MGs auf der Rumpfoberseite und versuchsweise je eine 40-mm-MK des Typs Ho-301 in den Außenflügeln. Diese großkalibrige Bordwaffe bewährte sich jedoch nicht, denn sie hatte mit 138 m eine viel zu geringe Reichweite und konnte nur zehn Granaten verschießen.

Daraufhin wurden einige weitere Ki44-IIc mit zwei 37-mm-Flügelkanonen des Typs Ho-203 bewaffnet, deren Reichweite bei 941 m lag. Beide Kanonen kamen jedoch nur noch wenig zum Einsatz.

Als letzte Version der Shoki ging die Ki-44-III gegen Ende 1944 in die Serienfertigung. Sie war mit einem luftgekühlten 18-Zylinder-Doppelsternmotor des Nakajima-Typs Ha-149 ausgerüstet, der eine Startleistung von 2000 PS entwickelte. Dieser Motor, der einen vierblättrigen Ganzmetall-Propellerantrieb, war serienmäßig mit einer Auspuffanlage zur Nutzung des Abgasschubs versehen. Zur Verbesserung der Start- und Landeeigenschaften sowie als Ausgleich zum höheren Startgewicht hatte die Ki-44-III mit 19 m² auch eine größere Flügelfläche. Zwei Versionen, die lediglich durch ihre unterschiedliche Bewaffnung voneinander abwichen, wurden noch hergestellt: Ki-44-IIIa mit vier 20-mm-Ho-5-MK und Ki-44-IIIb mit zwei 20-mm-Ho-5-MK und zwei 37-mm-Ho-203-MK in den Flügeln.

Die Serienfertigung der Shoki endete im Dezember 1944 nach der Auslieferung von insgesamt 1225 Maschinen. Sie wurde danach mehr und mehr durch die modernere Ki-84 Hayate ersetzt, die in sich die Wendigkeit und Steigleistung der Ki-43 Hayabusa mit der Geschwindigkeit und Kampfstärke der Ki-44 Shoki vereinte.

Technische Daten

Nakajima Ki-44-I Shoki

47. Chutai, Indochina, Anfang 1942
Pilot: Hauptmann Jashuhiko Kuroe

Verwendung: landgestütztes Jagdflugzeug
Länge: 8,90 m
Spannweite: 9,45 m
Höhe: 3,02 m
Flügelfläche: 15 m2
Leermasse: 2108 kg
Abflugmasse: 2993 kg
Flächenbelastung: 199 kg/m2
Antrieb: ein Nakajima Ha-109
Startleistung: 1520 PS
Höchstgeschw.: 605 km/h in 5200 m Höhe
Landegeschw.: 150 km/h
Reichweite: 1700 km
Dienstgipfelhöhe: 11 200 m
Bewaffnung: je zwei 20-mm-MK Ho-3 in Rumpf und Außenflügeln

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 03/2012

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