Das schönste Flugzeug aller Zeiten? Archive Lockheed
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Lockheed Super Constellation: Das schönste Flugzeug aller Zeiten?

Lockheed Super Constellation Das schönste Flugzeug aller Zeiten?

Obwohl vor dem Zweiten Weltkrieg projektiert, kam die Lockheed Constellation verspätet in der kommerziellen Luftfahrt an und prägte in den letzten anderthalb Jahrzehnten des Kolbenmotor-Zeitalters das Bild an großen Flughäfen mit ihrer legendären, eleganten Silhouette.

Ende der 1930er Jahre untersuchte Lockheed die Entwicklung eines schnellen viermotorigen Verkehrsflugzeugs mit Druckkabine. Das Konzept wurde auf Betreiben von Howard Hugehs (Eigner von TWA) noch einmal überarbeitet, um eine geräumige, bequeme Kabine für Transkontinentalflüge zu bieten (Reichweite 5600 km). Ein Team um Hall L. Hibbard und Kelly C. Johnson machte sich ans Werk. Dabei erhielt die aerodynamische Gestaltung des Rumpfs hohe Priorität. Man verlieh ihm eine leichte Wölbung, ähnlich der eines Flügelprofils, um eine möglichst laminare Luftströmung zu erzielen. Die elliptischen Seitenleitwerke standen bereits in der Lockheed-Tradition. Das dritte Leitwerk hatte aber einen pragmatischen Grund: Ohne dieses hätten die verbliebenen zwei deutlich größer ausfallen müssen, so dass die Maschine nicht mehr in die Hangars des Hauptkunden TWA gepasst hätte. Die dreiteiligen Flügel entsprechen im Grundriss denen der P-38 Lightning.

Die Achillesferse war der Motor

Die damals neuen Curtiss-Wright R-3350-Duplex-Cyclone-Motoren waren noch kaum erprobt und sorgten immer wieder für Verzögerungen. Der für Ende 1942 geplante Erstflug verschob sich wegen Motorproblemen auf den 9. Januar 1943. Die Testpiloten Eddie Allan (von Boeing abgestellt) und Milo Burcham absolvierten mit der nun zum Militärtransporter umfunktionierten und C-69 genannten Constellation an diesem Tag fünf Testflüge. Trotzdem blieben die Doppelsternmotoren lange die Achillesferse der Constellation. Probleme mit dem Zündgeschirr und sich lösende Zylinderköpfe bremsten die Erprobung. Erst im Herbst 1944 erhielten die US-Truppen ihre erste C-69. Nach dem Krieg wurden die 22 vom Militär abgenommenen Flugzeuge für den Passagierbetrieb umgerüstet.

Somit entstand die zivile Constellation-Variante mit der Bezeichnung L-049. Am 3. Februar 1946 nahm Pan Am auf der Strecke von New York auf die Bermudas den Linienbetrieb mit der Constellation auf. Drei Tage später flog auch TWA erstmals mit dem neuen Airliner mit Zwischenlandungen von New York nach Paris.

KL-Dokumentation
Aufgrund des Zweiten Weltkriegs trat die Constellation erst 1946 ihren zivilen Dienst an. Insgesamt entstanden von allen zivilen und militärischen Varianten bis hin zum Starliner 856 Exemplare.

Nonstop über den Atlantik

Währenddessen lief die Weiterentwicklung bei Lockheed bereits auf Hochtouren. Die Variante L-649 kam mit einer verbesserten Schalldämmung der Kabine, höherer Abflugmasse und Wright-749C-18-BD-Motoren mit nun 2500 statt 2200 PS. Die nur 14 gebauten Exemplare gingen allesamt an Eastern Airlines. Mit der L-749 folgte ein größeres Update, das als Reaktion auf die reichweitenstarke Douglas DC-6 auf den Markt kam. Dank Zusatztanks in den Außenflügeln konnte die Constellation nun nonstop den Atlantik überqueren (Reichweite 6400 Kilometer). Lockheed baute insgesamt 233 Constellations. Neben TWA und Pan Am zählten auch Eastern sowie KLM, Air France oder Air India zu den größeren Kunden.

Technischer Höhepunkt L-1649

Stetig wachsende Passagierzahlen erforderten schließlich eine größere Variante. Die nun auf maximal 99 Passagiere ausgelegte L-1049 Super Constellation flog am 13. Oktober 1950 zum ersten Mal und avancierte zur erfolgreichsten Version der Baureihe. Der 5,6 Meter längere Rumpf und die 3250 PS starken, aufgeladenen Wright-Turbo-Compound-Motoren waren nur zwei der 550 Verbesserungen, die die nun bis zu 54 Tonnen schwere L-1049 auszeichneten. Der erste Linieneinsatz erfolgte im Dezember 1951 bei Eastern Airlines. Es gab mehrere Varianten, darunter die mit 102 Exemplaren meistgebaute G mit optionalen Flügelspitzentanks für eine nochmals vergrößerte Reichweite. Auch das US-Militär bestellte über 300 Super Constellation in verschiedenen Ausführungen, zum Beispiel als Frühwarnflugzeug. Diese waren noch bis 1978 im Dienst, bevor sie von der Boeing E-3 Sentry abgelöst wurden.

Den technischen Höhepunkt des allerdings langsam ausklingenden Zeitalters der kolbenmotorgetriebenen Passagierflugzeuge setzte dann die im Oktober 1956 zum ersten Mal in Burbank geflogene L-1649 Starliner. Sie verfügte über einen komplett neu designten Flügel und 3400 PS starke Motoren mit Turbolader. Mit über 10000 Kilometern Reichweite konnte der Starliner nonstop von Kalifornien bis nach Großbritannien fliegen. Bis heute hält die Maschine den Rekord für den längsten Nonstop-Passagierflug eines Kolbenmotor-Flugzeugs. Beim ersten Flug der TWA von London nach San Francisco Anfang Oktober 1957 blieb die L-1649 ganze 23 Stunden und 18 Minuten in der Luft. Zu den Starliner-Kunden zählte auch die Lufthansa, die nach der Super Constellations vier Maschinen kaufte und nach nur zwei Jahren Passagierdienst noch als Frachter nutzte.

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Auch das Militär erhielt nach dem Krieg weiterentwickelte Varianten. Hier eine C-121 des Military Air Transport Service.

Technische Daten Lockheed L-1049G

Allgemeine Angaben:
Typ: Langstrecken-Verkehrsflugzeug
Passagiere: bis 95
Besatzung: 5
Antrieb: vier luftgekühlte 18-Zylinder- Doppelsternmotoren Curtiss-Wright Wright R-3350-DA3 Duplex-Cyclone mit je 3250 PS

Abmessungen:
Länge: 35,41 m
Höhe: 7,54 m
Spannweite: 38,46 m

Massen:
Leermasse: 36 150 kg
Startmasse: 62 370 kg

Flugleistungen:
Reisegeschwindigkeit: 550 km/h
Reichweite: 8700 km
Dienstgipfelhöhe: 7300 m

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