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Mach-2-Jäger

Lockheed F-104G Starfighter

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Der schlanke, raketenartige Starfighter F-104G gehört mit seinen kurzen und extrem dünnen Tragflächen zu den spektakulärsten Entwürfen von Lockheed-Konstrukteurslegende Clarence Leonard „Kelly“ Johnson.

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Der avantgardistische Mach-2-Jäger entstand auf persönliche Initiative Johnsons hin, der nach Gesprächen mit amerikanischen Militärpiloten in Korea ab Ende 1951 ein Model L-246 als leichten, einstrahligen Überschall-Tagjäger konzipierte.

Daraus wurde das Lockheed Model 83 beziehungsweise Weapon System 303A der USAF. Am 5. März 1954 startete Testpilot Tony LeVier mit der ersten XF-104 in Edwards AFB zum Jungfernflug, der, wie auch der zweite Flug, wegen Fahrwerksproblemen verkürzt wurde. Weil das spätere Serientriebwerk, das von Gerhard Neumann bei General Electric konstruierte J79 noch nicht verfügbar war, trieb anfangs ein von Buick gebautes Wright J65-B-3, ein Nachbau des britischen Armstrong-Siddeley Sapphire, ohne Nachbrenner die Prototypen an. Schon damit schaffte die XF-104 Überschallgeschwindigkeit. Die leicht verlängerte YF-104 konnte dann endlich das J79 nutzen und erreichte am 28. Februar 1956 erstmals Mach 2.

Die US Air Force bestellte die F-104 zuerst für ihr Air Defense Command als einsitzigen Abfangjäger F-104A (damaliger Stückpreis 1,7 Mio. Dollar), mit der doppelsitzigen Trainerversion F-104B sowie für ihr Tactical Air Command als einsitzigen Jagdbomber F-104C, mit der doppelsitzigen Trainerversion F-104D.

Ab Ende 1956 folgte auch noch eine Aufklärerversion, die RF-104A mit der inoffiziellen Bezeichnung „Stargazer“. Ab 1958 wurde der Starfighter in Dienst gestellt. Zu den Kinderkrankheiten gehörten Probleme  mit den frühen Triebwerksversionen J79-GE-3 und J79-GE-3A und mit der Integration der Vulcan-Bordkanone. Außerdem galt der wegen seiner großen Geschwindigkeit und Steigleistung bei seinen Piloten durchaus beliebte Jäger und Jagdbomber als fliegerisch sehr anspruchsvoll.

Im Notfall mussten sich die Piloten der frühen Versionen mit dem als unzuverlässig geltenden C-2-Schleudersitz noch nach unten ausschießen. Bei der regulären Landung halfen ausfahrbare Vorflügel und eine Grenzschichtbeeinflussung durch mit Zapfluft angeblasene Landeklappen, die Anfluggeschwindigkeit zu senken. Bei Triebwerksausfall konnte der Pilot eine Staustrahlturbine ausfahren, um Notelektrik und Nothydraulik anzutreiben, doch eine glatte Landung im Gleitflug war nahezu ausgeschlossen. Allerdings war Testpilot LeVier schon 1954, nach einer Explosion der Bordkanone bei einem Testflug, ein immerhin 80 Kilometer langer Gleitflug mit sauberer Landung gelungen. Bis 1961 verzeichnete die US Air Force bereits 49 Abstürze.

Während die Abfangjägerversionen des Starfighters in den USA bald an untergeordnete Reserveverbände abgegeben wurden und die USAF ihre geplanten Bestellungen halbierte, erlebte die Jagdbomberausführung in Vietnam ihre Feuertaufe. Von 1965 bis 1967 wurde sie zum Schutz von viermotorigen Aufklärungsflugzeugen vom Typ Lockheed EC-121 Warning Star und zur Luftnahunterstützung eingesetzt. Eine geplante weitere Einsatzrolle als in größeren Höhen fliegender Begleiter tief fliegender F-105-„Wild Weasel“-Radarstörer wurde nach schweren Verlusten durch Raketenbeschuss wieder aufgegeben.

Hohe Absturzquote lag im damaligen Rahmen

Der Starfighter-Prototyp FG-787 wurde noch ohne Zusatztanks am Flügel erprobt. Beide erste Prototypen gingen durch Absturz verloren. Foto und Copyright: KL-Dokumentation

Seit Ende der fünfziger Jahre untersuchte auch die Bundeswehr die Verwendung des Mach-2-Jägers als Ersatz für ihre veralteten F-84-Jagdbomber und RF-84-Aufklärer. Die schließlich von Deutschland vor allem als Allwetterjäger und taktischer Nuklearbomber ausgewählte F-104G „Super Starfighter“ basierte auf der F-104C und verfügte über folgende Modifikationen: einen gestreckten und verstärkten Rumpf für die Jagdbomberrolle, ein verbessertes Such- und Feuerleitradar, ein Trägheitsnavigationssystem, ein verbessertes J79-GE-11A-Triebwerk mit  70,28 kN Schub, die vergrößerte Doppelsitzer-Heckflosse, verstärkte Bremsen mit ABS und einem vergrößerten Bremsschirm, die Nachrüstfähigkeit für einen Luftbetankungsausleger und die Fähigkeit zum Ausfahren der Vorflügel für einen engeren Kurvenflug auch im Luftkampf.

Der Erstflug der F-104G, einer umgebauten F-104A, fand am 5. Oktober 1960 in Palmdale statt. Die Fertigung beziehungsweise Endmontage der „Gustav“ erfolgte nach Start eines umfangreichen Lizenzbauprogramms in zahlreichen europäischen Staaten, die mittlerweile als weitere Abnehmer gewonnen worden waren. Dabei spielte in manchen Ländern offenbar auch Bestechung eine Rolle, wie mehrere Untersuchungsausschüsse anschließend ermittelten.

Für die zersplitterte europäische Luftfahrtindustrie bedeutete das komplexe NATO-Kooperations- und Lizenzbauprojekt  Starfighter einen technologischen und organisatorischen Quantensprung. Die noch bis 1979 in fünf firmenübergreifenden „Arbeitsgemeinschaften“ (ARGE) produzierten Starfighter-Baugruppen legten auch einen der Grundsteine für die immer engere europäische und transatlantische Branchenzusammenarbeit.

Der Einsatz von insgesamt 605 Lockheed F-104G bei der Luftwaffe und den Marinefliegern der Bundeswehr (plus 30 aus den USA gelieferten F-104) wurde von zahlreichen Abstürzen überschattet. Das anspruchsvolle, einsitzige Flugzeug überforderte anfangs, im harten europäischen Allwetter-Tiefflugbetrieb, seine noch eher unerfahrenen Piloten und Techniker. Verbessertes Training und neue GQ-7A-Schleudersitze von Martin-Baker konnten diesen Mangel nur teilweise abstellen.

Fairerweise muss man aber sagen, dass die Absturzquote von 30 Prozent des Bestandes (270 Totalverluste) im Rahmen der üblichen Werte der damaligen Flugzeuggeneration lag. So waren F-84 und RF-84 noch absturzträchtiger als der „Witwenmacher“ F-104G. Dessen Absturzquoten betrugen in den Niederlanden und in Belgien bei kleineren Beständen 35,8 und 37 Prozent und waren anteilig sogar noch höher als die der deutschen.

Für Deutschland war die F-104 ein zentrales Waffensystem für die politisch vereinbarte „nukleare Teilhabe“. Dabei wären, im Rahmen der NATO, amerikanische Atombomben nach Freigabe durch den US-Präsidenten auch mittels deutscher Piloten und Flugzeuge zum Ziel gebracht worden.

Hier setzte ab 1960 auch das Konzept ZELL an (Zero Length Launch = Nullstartfähigkeit). Dabei sollte eine stehende F-104 aus einem Startgestell mit vollem Schub, Nachbrenner und einem abwerfbaren Feststoffbooster in die Luft gebracht werden, um ihre Atombombe auch dann noch ins Ziel bringen zu können, wenn im Kriegsfall bereits alle Startbahnen zerstört gewesen wären. Trotz erfolgreicher Teststarts in Edwards und Lechfeld wurde das Konzept Mitte der sechziger Jahre politisch aufgegeben.

Die letzten Starfighter schieden erst 2004 in Italien aus dem Militärdienst aus. Mit der Manchinger 98+04 hatte allerdings schon 1991 der deutsche Einsatz bei der WTD 61 geendet. 2563 Flugzeuge aller Versionen sollen gebaut worden sein. Die F-104 wurde in der leichten Jägerrolle von der F-16 und in der Nuklearbomberrolle vom zweisitzigen und zweistrahligen MRCA Tornado mit Geländefolgeradar und automatischer Tiefflugfähigkeit abgelöst.

Technische Daten

Vom Starfighter sollen insgesamt 2563 Stück gebaut worden sein. Foto und Copyright: KL-Dokumentation

Lockheed F-104G Starfighter

Verwendung:
Jäger, Jagdbomber, taktischer Atombomber, Aufklärer, Seezielbekämpfer
Besatzung: ein Pilot
Antrieb: ein Triebwerk General Electric J79-GE-11A mit  70,28 kN Schub
Spannweite: 6,36 m
Länge: 16,66  m
Höhe:
4,09 m
Leermasse: 6350 kg
max. Startmasse: 13 170 kg
Höchstgeschwindigkeit: 2200 km/h
Dienstgipfelhöhe: 15 240 m
Reichweite: 1740 km (mit Zusatztanks)
Bewaffnung: eine sechsläufige Bordkanone Gatling Vulcan Kal. 20 mm, Lenkwaffen, Bomben, darunter eine Atombombe vom Typ Mk. 28, Mk. 43, Mk. 57 oder Mk. 61

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