Der misslungene Einstand Lucio Perinotto

Starfighter-Crash: Der misslungene Einstand

Starfighter-Crash Der misslungene Einstand

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In nur zwei Jahren wollte die bundesdeutsche Luftwaffe den Generationswechsel von einem Unterschalljet zu einem Mach-2-Kampfflugzeug bewältigen. Für den Beginn der von einigen Medien als "Starfighter-Krise" beschriebenen Überforderung von Mensch und Material steht der fatale Absturz einer Viererformation südwestlich von Köln im Sommer 1962.

Die doppelsitzige Lockheed F-104F war noch nicht der von der Luftwaffe gewünschte Alleskönner. Die F, von der 32 Stück beschafft wurden, diente ausschließlich der Schulung und Umschulung und verfügte nur über eine abgespeckte Elektronik. Alle Conversion Flights sollten bei der Waffenschule (WaSLw) 10 in Nörvenich stattfinden. Dort nahm auch das Verhängnis vom 19. Juni 1962 seinen Anfang. Kurz nach 15 Uhr hoben vier Starfighter ab, um für die Vorführung am nächsten Tag Kunstflug in Diamant-Formation zu trainieren. Eine weitere F-104F wartete mit dröhnendem Triebwerk mit USAF-Major Thomas Perfili (35) im Cockpit auf den Startbefehl. Perfili sollte der Vorführung als Solopilot die Krone aufsetzen. Er war an diesem Tag der einzige Überlebende. Keine zwei Jahre später, am 2. Mai 1964, wird auch er auf der F-104G JA+106 des JG 71 bei Bremerhaven den Fliegertod sterben.

Fataler Fehler

Führer der Diamant-Formation war der USAF-Captain John Speer (29) in der BB-365. Nach hinten, jeweils seitlich versetzt, flogen in der BB+370 Oberleutnant Bernd Kuebart (26) und in der BB+385 Oberleutnant Bernd Frye (27). Den Abschluss der Raute bildete die BB+387 mit Oberleutnant Wolfgang von Stürmer (26). Gerade einmal fünf Meter trennten die vier Flugzeuge. Höchste Präzision war gefordert. Die drei deutschen Piloten, die bis dahin aber nur wenig über 30 Stunden auf der F-104 absolviert hatten, hingen wie die Kletten an ihrem Leader. Speer setzte die Figuren an, definierte die Radien und bestimmte die Flughöhe. Machte er einen Fehler, wäre die ganze Formation verloren. Und Speer machte den Fehler, was auch General a.D. Günther Rall, einer der sechs ersten deutschen Starfighter-Piloten, in einem Interview unumwunden einräumte. Um 15:15 Uhr setzten die vier Jets zu einem Looping an. Der Scheitelpunkt lag in nur 1500 Metern Höhe. Mit "Okay, you are looking good, gang!", setzte Speer einen letzten Funkspruch ab. 18 Sekunden später, nach dem Durchstoßen einer nur 600 Meter über Grund hängenden Kumuluswolke in einem Winkel von 90 Grad, war es für ein Hochziehen zu spät. Die Formation bohrte sich mit 750 km/h in eine Braunkohlegrube bei Balkhausen/Knapsack. Nur vier grauweiße Wolken über kleinen Trichtern markierten die Einschlagpunkte.

Ein Kunstflug-Trauma

Nicht nur der Tod von drei hochbegabten und -motivierten Piloten mit besten Karriereaussichten schlug eine Kerbe in das Selbstverständnis der Luftwaffe. Auch das Thema Kunstflug war fortan erledigt. Bis zum heutigen Tag hat sich die Luftwaffe von diesem Trauma nicht erholt. Selbst als sich die Marine 1979 und 1983 bis 1986 ("Vikings") mit einer Zweier-Formation F-104G gegen den Trend stellte, blieb es beim endgültigen Aus für militärischen Kunstflug in Deutschland.

Übrigens hatte die Luftwaffe schon vor der geschilderten Katastrophe drei Lockheed F-104F und eine F-104G verloren. Dass Medien die F-104 zum Witwenmacher erklärten, bleibt aber unseriös. Gemessen an den Flugstunden bewegte sich die Absturzquote der deutschen Starfighter über den gesamten Einsatzzeitraum im internationalen Durchschnitt.

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