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Kriegstagebuch

Luftwaffe: Angriff auf Kufra

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Das Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) erwähnt für den 26. September 1942, dass am Vortag ein erfolgreicher Luftangriff auf die Kufra-Oasen ausgeführt worden sei. Doch wer erlitt bei diesem Einsatz in Wirklichkeit die größten verluste?

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Mein Interesse an diesem Angriff wurde geweckt, als jemand eine alte deutsche „Wochenschau“ ins Internet stellte. Diese zeigte das brennende Fort und Teile der im Südosten Libyens gelegenen Oasengruppe, gefilmt aus einem angreifenden Flugzeug. Zu dieser Episode der „Wochenschau“ kamen bald zwei Zielbildaufnahmen, die von der II./KG100 (Zweite Gruppe des Kampfgeschwaders 100) stammten. Es gibt außer der Auflistung im Kriegstagebuch des OKW keine bekannten deutschen Dokumente, die diesen Luftangriff erwähnen. Selbst im Buch zur Geschichte des KG100 „Wiking“ ist nichts darüber zu lesen. Es beinhaltet jedoch zwei Fotos, die eindeutig das brennende Fort AtTaj in Kufra zeigen. Meine Vermutung: Entweder sind die deutschen Dokumente bisher noch nicht gefunden worden, oder sie sind in den Wirren des Krieges verloren gegangen.

Glücklicherweise gibt es zwei Augenzeugen, die an besagtem 25. September in Kufra waren und ihre Erlebnisse aufgeschrieben haben. Sie waren Mitglieder der berühmten Long Range Desert Group (LRDG) – eine britische Fernerkundungseinheit im Wüstenkrieg –, die gerade von einem fehlgeschlagenen kombiniertenAngriff der Special Forces auf Tobruk, Bengasi, Barke und Jalu nach Kufra zurückgekehrt war. Der Rhodesier Captain Stan Eastwood erinnert sich an den Tag, der zufällig auch seinen Geburtstag markiert: „An diesem Tag wollte es uns die Luftwaffe mit einem Bombenangriff zurückzahlen. Aber sie machten einen fatalen Fehler, als die acht Heinkel im Tiefflug das Flugfeld von Kufra angriffen. Sie folgten einander in einer Linie in Zwei-Minuten-Abständen, warfen ihre Bomben und zogen dann auf Palmwipfelhöhe über unsere vier oder fünf Patrouillenfahrzeuge hinweg. Da wir noch nicht bereit waren, kam der erste durch. Aber alle anderen Bomber bekamen ihre volle Abreibung.“

Obwohl es vielleicht so wirkt, als wäre der deutsche Angriff als Antwort auf die vorangegangenen Special-Forces-Operationen gestartet worden, waren die Deutschen sich offensichtlich nicht bewusst, dass die in der Oase versammelten Truppen die üblicherweise dort stationierten Flugabwehrgeschütze verstärkt hatten. David Lloyd Owen, der kommandierende Offizier der Y Patrol (LRDG), erinnert sich: „In Kufra hielten sich an diesem Tag mehr Truppen auf als je zuvor und je wieder danach. Und ich kann mir vorstellen, dass es da mehr leichte Maschinengewehre mit resoluten Besatzungen dahinter gab, als es je wieder irgendwo vorkommen wird.“

Lloyd Owen wurde beim Beschuss von einem angreifenden Flugzeug am Rücken und am linken Arm getroffen und blieb schwer verletzt liegen. Der Veteran rekapituliert: „Sie flogen auf Baumwipfelhöhe. Wir hörten sie auf uns zukommen, und wir hörten das Maschinen-gewehrfeuer, als sie über das Camp von Col. Stirlings SAS (Special Air Service/Spezialeinheit der British Army) hinwegzogen. Ich stand da und blickte zwischen den Bäumen in den freien Himmel hinauf. Plötzlich donnerte eine große, silbrig schimmernde Heinkel direkt auf uns zu. Ihre MGs spuckten Feuer und Blei. Ich war vollkommen gebannt – aber nicht für lange! Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich die Geschosse durch die Palmblätter fetzen hörte. Dann hat es mich auch schon umgehauen – wie eine Fliege, die von einer Klatsche zerschmettert wird. Es verließen mich alle Sinne, und ich wurde bewusstlos.“

Der deutsche Bombenangriff schien im ersten Moment ein Erfolg gewesen zu sein: Vier Libyer kamen im Bombardement des Forts ums Leben, Lloyd Owen und ein weiterer Engländer trugen schwere Verletzungen davon. Weiterhin gab es Schäden an den Gebäuden des Forts auf dem Hügel am Rand der Oase.
Auch die Technik wurde durch den Angriff in Mitleidenschaft gezogen: Auf dem Flugfeld wurden zwei Bristol Bombay der 216. Sqn RAF zerstört. Die Flugzeuge dienten der Evakuierung von Verwundeten. Zudem erlitten eine Bristol Blenheim Mk IV und eine MkV der 15. Sqn der South African Air Force Beschädigungen, als der alte italienische Hangar, in dem die Maschinen standen, von einer Bombe getroffen wurde. Auch eine Lockheed Hudson erlitt Schäden.

Die Luftwaffe musste diesen Erfolg teuer bezahlen. Lloyd Owen schrieb: „Die kombinierten Kräfte von SAS und LRDG schossen zurück, und fünf der acht angreifenden Flugzeuge schafften es nicht mehr zu ihrer Basis zurück“. Auch Eastwood bemerkte: „Wir schossen drei Flugzeuge direkt vor Ort ab, und laut Radio Rom kehrten sechs davon nicht mehr zurück. Ich war nicht überrascht, denn außer den LRDG-Patrouillen war schließlich auch noch die SAS dabei. Man konnte regelrecht zusehen, wie die Maschinen nacheinander in unseren Beschuss gerieten.“

Da bisher keine deutschen Dokumente zu diesem Ereignis auftauchten, ist unklar, ob fünf oder sechs Flugzeuge verloren gingen. Es existieren aber Fotos von abgeschossenen He 111 in der Wüste. Dass der Angriff nicht wiederholt wurde, ist ein Indiz, dass die Verluste zu hoch gewesen waren.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 03/2017

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