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Analyse zu CO2-Emissionen

Flugreisen: Die Klimabilanz der G20-Staatschefs

Foto: Patrick Zwerger

Beim Gipfeltreffen der G20-Regierungschefs am vergangenen Wochenende ging es – natürlich – auch um Klimafragen. Das veranlasste die Reiseplattform fromAtoB dazu, die CO2-Emissionen aller Teilnehmer bei ihren Flugreisen zu untersuchen. Als Grundlage dienten Reisedaten aus dem Jahr 2018 – und die fördern einen überraschenden Sieger zutage.

Plagte Japans Premier Shinzo Abe etwa ein schlechtes Gewissen? Immerhin war er 2018 mit seiner Boeing 747-400 der größte „CO2-Sünder“ aller G20-Staatschefs: 207000 Kilometer legte er im vergangenen Jahr in seinem Jumbo zurück – und blies damit knapp 14500 Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre. Ein Grund mehr für die Japaner, zum Jahreswechsel auch das Fluggerät zu tauschen: Seit April sind die beiden VIP-747-400 der Japan Air Self-Defense Force nämlich im Ruhestand. Shinzo Abe ist stattdessen nun mit einer Boeing 777-300ER unterwegs. Beim diesjährigen G20-Gipfel kam diese jedoch nicht zum Einsatz: Da das Treffen im japanischen Osaka stattfand, hatte Abe Heimvorteil.

Foto: Papas Dos (CC BY 2.0)
Mit seiner Boeing 747-400 führte Shinzo Abe 2018 das Negativ-Ranking an. Inzwischen geht der japanische Premierminister mit einer Triple Seven auf Tour.

Donald Trump ist neuer Spitzenreiter

Mit dem Wechsel des Fluggeräts übergaben die Japaner die Rote Laterne in Sachen Umweltbilanz an die USA. Fast standesgemäß führt nun Donald Trump die Riege der fliegenden Klimasünder an. Trump hat 2018 mit 131.000 Kilometern zwar nur 60 Prozent der Strecke von Shinzo Abe zurückgelegt, kam nach den Berechnungen von fromAtoB jedoch auf 80 Prozent dessen CO2-Ausstoßes. Für seine „Air Force One“, eine Boeing 747-200 aus dem Jahr 1987 (militärische Bezeichnung VC-25A), standen im vergangenen Jahr 11490 Tonnen an CO2-Emissionen zu Buche. Trumps Dienstflugzeug besitzt damit unter allen 20 G20-Regierungsjets den schlechtesten CO2-Emissionswert pro Kilometer (88 Kilogramm). Moon Jae-in aus Südkorea kommt mit 11.461 Tonnen bei 164.000 gereisten Kilometern 2018 auf die drittschlechteste Umweltbilanz.

Angela Merkel belegt Rang 8

Deutschland reiht sich im Ranking der G20-Staaten im Mittelfeld ein. Mit 7325 Tonnen ausgestoßenem CO2 belegt Bundeskanzlerin Angela Merkel laut fromAtoB den achten Platz – und das, obwohl sie 2018 insgesamt 171000 Kilometer zurücklegte. das bedeutet Platz 3 unter den G20-Staatschefs mit den meisten Reisekilometern. Pro Kilometer bedeutet das für den Airbus A340-300 der Bundeskanzlerin eine Umweltbelastung von durchschnittlich 42 Kilogramm CO2. Umweltfreundlicher ist Justin Trudeau: Obwohl der kanadische Premierminister die fünftweiteste Strecke zurückgelegt hat, kann der 47-Jährige den viertbesten CO2-Wert vorweisen – lediglich 3.300 Tonnen.

Kleine Jets fliegen umweltschonender

Am klimafreundlichsten reisen – wenig überraschend – die Staatschefs mit den kleineren Maschinen. Besonders vorbildlich taten das Mariano Rajoy und Pedro Sanchéz, die 2018 beide das Amt des spanischen Ministerpräsidentes bekleideten. Obwohl die Spanischen Regierungschefs 40.000 Kilometer mehr reisten als Trump, verursachten sie nur 8,5 Prozent seiner CO2-Verschmutzung und belegen mit 985 Tonnen den letzten Platz des Rankings. Mit 20 Metern Länge ist die Falcon 9000 des spanischen Staatschefs 50 Meter kürzer als die 747 des amerikanischen Präsidenten, im Verbrauch schlägt der Businessjet aus dem Hause Dassault die Air Force One jedoch deutlich.

Mit rund 1.080 Tonnen können die Niederländer die zweitbeste CO2-Reisebilanz vorweisen: Mark Rutten ist 2018 von allen untersuchten Politikern am wenigsten geflogen: nur knapp 61.000 Kilometer. Auch sein Emissionswert pro Kilometer stellt den zweitbesten Wert dar (17 Kilogramm pro Kilometer). Auf dem drittletzten Platz landet der brasilianische Ex-Präsident Michel Terner mit 1662 Tonnen (19 Kilogramm pro Kilometer).

Übersicht: Die CO2-Emissionen der G20-Staatschefs

Regierungschef (Nation)

Flugzeug (Muster)

CO2-Emissionen

Flugstrecke

CO2-Ausstoß pro km

Shinzo Abe (Japan)

Boeing 747-400

14.442,1 t

206.620 km

70

Donald Trump (USA)

Boeing 747-200 (VC-25A)

11.487,3 t

130.988 km

88

Moon Jae-in (Südkorea)

Boeing 747-400

11.461,1 t

163.972 km

70

Xi Jinping (China)

Boeing 747-400

8280,3 t

118.465 km

70

Emmanuel Macron (Frankreich)

Airbus A330-200

7645,0 t

205.526 km

37

Wladimir Putin (Russland)

Iljuschin Il-96-300PU

7615,7 t

135.365 km

56

Narendra Modi (Indien)

Boeing 777-300

7477,3 t

147.329 km

51

Angela Merkel (Deutschland)

Airbus A340-300

7325,1 t

171.238 km

42

Giuseppe Conte (Italien)

Airbus A340-500

6394,0 t

115.896 km

55

Recep Tayyip Erdogan (Türkei)

Airbus A330

5087,7 t

123.454 km

37

Justin Trudeau (Kanada)

Boeing 737-800

3308,7 t

167.355 km

20

Theresa May (Großbritannien)

BAe 146

2277,6 t

113.587 km

20

Michel Temer (Brasilien)

Airbus A319CJ

1662,7 t

87.316 km

19

Mark Rutte (Niederlande)

Fokker 70

1080,8 t

60.918 km

18

Mariano Rajoy &

Pedro Sanchéz (Spanien)

Dassault Falcon 900

985,3 t

175.855 km

5

Gesamtsumme

96530,6 t

2.123.895

Wie ernst kann man das Ranking nehmen?

Die Reiseplattform fromAtoB nutzte für die Berechnung der CO2-Emissionen der G20-Flugzeuge die von der ICAO genannten Durschnittswerte für die jeweiligen Muster. Innerhalb der Analyse wurden sämtliche Staatsreisen über eine Landesgrenze hinweg berücksichtigt – Flüge innerhalb eines Landes wurden nicht erfasst. Australien, Mexiko, Indonesien und die Schweiz verweigerten laut fromAtoB allerdings jede Auskunft zu ihren Reisedaten. Deshalb ließen sich nur die Flugreisen der übrigen 16 G20-Nationen auswerten. Der König und Premierminister Saudi-Arabiens hat zwischen Oktober 2017 und Februar 2019 keine Staatsreisen ins Ausland unternommen und fiel von daher ebenfalls aus dem Ranking heraus. Da viele der Regierungschefs zudem für ihre Reisen mehrere Fluggeräte nutzen, bleibt die Frage offen, wie viele der veranschlagten Reisekilometer tatsächlich dem jeweils genannten Flugzeugtyp zugeschrieben werden können. So wird etwa Theresa May aus Großbritannien einen großen Teil ihrer 113587 Reisekilometer nicht in der gelisteten BAe 146, sondern in einem Airbus A330 der Royal Air Force zurückgelegt haben. Insofern ist die Analyse wohl nicht vollkommen repräsentativ – einen interessanten Denkansatz bietet sie jedoch allemal.

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