In den 1950er Jahren ging die Kampfflugzeugentwicklung mit Riesenschritten voran. Fast im Monatstakt brachten die noch zahlreichen Hersteller faszinierende Prototypen zum Jungfernflug. Allein in Frankreich kämpften Firmen wie Breguet, Morane-Saulnier, Nord, Sud-Ouest und Sud-Est um Aufträge. Mit Unterstützung des Staates untersuchten sie auch ausgefallene Entwürfe. Avions Marcel Dassault, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit den recht konventionellen Kampfflugzeugen Ouragan und Mystère an alte Erfolge anknüpfen konnten (bis 1947 noch unter dem Namen Bloch), beschäftigten sich zum Beispiel mit Deltaflügeln. Sie versprachen günstige Widerstandswerte im Überschallbereich sowie eine leichte und effiziente Struktur. Nachteil allerdings waren die hohen Anstellwinkel und Geschwindigkeiten bei der Landung sowie der hohe induzierte Widerstand, der in engen Kurven zum schnellen Geschwindigkeitsverlust führte.

Die MD 550 Mystère Delta bildete die Grundlage der Mirage-Familie.
Von der MD 550 zur Mirage
Als die Armée de l’Air im Januar 1953 die Ausschreibung für einen leichten, Mach 1.3 schnellen Abfangjäger mit einer Landegeschwindigkeit von 180 km/h und einer 200 Kilogramm schweren Luft-Luft-Lenkwaffe als Zuladung herausgab, beteiligte sich Dassault mit seiner MD550 Mystère Delta. Die von zwei Armstrong Siddeley Viper angetriebene Maschine wurde im März 1954 zusammen mit SO 9000 Trident und SE 212 Durandal ausgewählt. Sie hob am 25. Juni 1955 in Melun-Villaroche mit Roland Glavany zu ihrem Jungfernflug ab. In den folgenden Monaten rückten die Luftstreitkräfte allerdings mehr und mehr vom Konzept des leichten Jägers ab und stoppten das Programm. Stattdessen forderten sie in einer zweiten Phase ein mit Radar ausgerüstetes Mehrzweck-Kampfflugzeug. Dassault war dank eigener Investitionen in der Lage, schnell zu reagieren. Schon am 17. November 1956 flog ein neuer Prototyp mit Roland Glavany zum ersten Mal. Er trug nun die Bezeichnung Mirage III "001", nachdem das Unternehmen die MD 550-01 in Mirage I und die nicht fertig gebaute MD 550-02 in Mirage II umbenannt hatte. Die Tragflächen hatte man vom Vorgänger übernommen, aber der Rumpf war deutlich größer und hatte nur ein Snecma Atar 101-G1 mit einem Schub von 43 Kilonewton eingebaut. Im Laufe der Erprobung erhielt die "001" das stärkere Atar 09, eine dickere Flügelvorderkante und geänderte Lufteinläufe mit beweglichen Halbkegeln zur Regulierung des Luftdurchsatzes. Unter dem Rumpf konnte eine Hilfsrakete des Typs SEPR 841 montiert werden.

Roland Glavany war Testpilot für die frühen Mirage-Varianten.
Der Weg zur Serienmaschine
In dieser Form wurde die Mirage III von der Armée de l’Air als neuer Abfangjäger akzeptiert. Zunächst bestellte man im Sommer 1957 zehn Vorserienflugzeuge Mirage IIIA, im Oktober 1957 folgte ein Auftrag für 100 Serienmaschinen. Die IIIA hatte einen nochmals verlängerten Rumpf, ein geändertes Seitenleitwerk und einen modifizierten Flügel. Sie flog am 12. Mai 1958 zum ersten Mal und erreichte am 24. Oktober als erstes (west-)europäisches Kampfflugzeug eine Geschwindigkeit von über Mach 2. Der erste Abfangjäger Mirage IIIC begann seine Flugerprobung am 9. Oktober 1960. Er war im Detail weiter verbessert worden und verfügte über ein Atar 09B-3, das bei Einsatz des Nachbrenners 58,66 Kilonewton Schub lieferte. Dazu konnten für 80 Sekunden etwa 14,66 Kilonewton von der Flüssigkeitsrakete SEPR 841 abgerufen werden. Als Radar war ein Cyrano 1bis von Thomson CSF eingebaut, das allerdings keine tiefer fliegenden Ziele erfassen konnte. Die Bewaffnung bestand aus Matra-R-511- oder R-530-Lenkwaffen. Die berühmte "Storchenstaffel" 1/2 "Cigognes" in Dijon-Longvic rüstete ab März 1961 als erste Einheit der Armée de l’Airauf das neue Muster um.

Die Mirage IIIE war die meistgebaute Version für die Armée de l’Air.
Weiterentwicklungen
Derweil hatte Dassault auch eine zweisitzige Trainerversion entwickelt. Die Mirage IIIB mit einem um 45 Zentimeter verlängerten Vorderrumpf und leicht erhöhtem zweiten Sitz flog erstmals am 20. Juni 1959 in Melun-Villaroche. Die Lieferungen begannen im Juli 1962. Während die Fertigung der Mirage IIIC hochlief, befasste sich Dassault bereits mit einer verbesserten Version, die neben Abfangjagd und Luftkampf auch Angriffe auf Bodenziele (selbst mit der Atomwaffe AN 52) durchführen konnte. Um ein Marconi-Navigationssystem und ein TACAN unterzubringen, wurde der Rumpf hinter dem Cockpit um 30 Zentimeter verlängert. Zudem baute man unter dem Cockpit ein nach unten gerichtetes Dopplerradar ein. Das Cyrano II in der Nase war nun auch für die Erkennung von Bodenzielen geeignet. Snecma lieferte das Atar 9C-3 mit geänderter Schubdüse und einer Maximalleistung von 62,57 Kilonewton. Damit waren die Flugleistungen besonders im Überschallbereich etwas besser. Die erste Mirage IIIE flog im April 1961, und die Lieferungen an die französischen Luftstreitkräfte begannen im März 1964. Zwischenzeitlich hatte Dassault auch erste Exporterfolge errungen. Nachdem sich in Ländern wie Deutschland, Holland und Belgien Ende der 1950er Jahre der Starfighter durchgesetzt hatte, wählte die Schweiz die Mirage III. Die in Lizenz gebauten Maschinen erhielten amerikanische Systeme wie das Hughes-TARAN-18-Radarsystem.

Die Mirage IIICZ wurde für Südafrika gebaut.
Exportkunden
Diese Sonderwünsche trieben allerdings den Preis hoch, so dass statt 100 zunächst nur 57 Maschinen gekauft wurden – der Nationalrat lehnte zusätzliche Mittel ab. Zu den weiteren frühen Kunden der Mirage III gehörten Südafrika und Australien. Auf dem fünften Kontinent fertigte die Commonwealth Aircraft Company ab 1963 insgesamt 98 Mirage IIIO. Sie dienten zunächst als Jäger und wurden ab Ende der 1960er Jahre dann zunehmend in der Jagdbomberrolle verwendet. Nicht zu vergessen ist natürlich Israel, das zwischen 1962 und 1964 insgesamt 72 Mirage IIICJ erhielt und sie sehr erfolgreich gegen die MiGs der arabischen Gegner einsetzte. Ein nach dem Sechstagekrieg 1967 von General de Gaulle ausgesprochenes Waffenembargo verhinderte die Lieferung weiterer Maschinen und zwang Israel zum Bau der Mirage-Kopie Nesher und später zur Entwicklung der Kfir, die das wesentlich stärkere US-Triebwerk J79 aus der Phantom II erhielt. Von der blockierten Lieferung betroffen war eine speziell für die Heyl Ha’ Avir entwickelte neue Version. Bei der erstmals am 19. Mai 1967 geflogenen Mirage 5 handelte es sich um einen Jagdbomber für den Schönwettereinsatz. Das Multifunktionsradar wurde durch ein einfaches kleines Entfernungsmessradar (EMD Aida) ersetzt, das die Nase um 45 Zentimeter verlängerte und spitzer aussehen ließ. Die von Israel bereits bezahlten 50 Flugzeuge stellte Dassault fertig und lagerte sie ein. Nach fünf Jahren wurden sie schließlich als Mirage 5F von der Armée de l’Air übernommen.

Letztes Modell war die Mirage 50 mit Atar-9K-50-Triebwerk.
Mirage 5
Dank des günstigen Preises, der Flexibilität bei der Systemausstattung und des vergleichsweise geringen Wartungsaufwandes erwies sich auch die Mirage 5 als Exporterfolg. Zu den wichtigsten Kunden gehörten diesmal Belgien, Libyen und Pakistan, die alle mehr als 50 Flugzeuge abnahmen. Diese waren trotz des Labels "Mirage 5" zum Teil wieder mit dem Cyrano-Radar ausgerüstet und so mit der IIIE vergleichbar. Natürlich gab es auch eine Doppelsitzerausführung (Mirage 5D) und einen Aufklärer mit Kameranase (Mirage 5R). Ende der 1970er Jahre, als mit F-16 und der eigenen Mirage 2000 bereits eine neue Kampfflugzeuggeneration mit Fly-by-Wire-Steuerung auf den Markt drängte, versuchte Dassault noch einmal, die Mirage 5 zu verbessern. Man installierte das Atar-9K-50-Triebwerk aus der Mirage F1, das mit 70,4 kN immerhin 15 Prozent mehr Nachbrennerschub lieferte als das Atar 9C. Dies schlug sich in besseren Start- und Steigleistungen nieder. Trotzdem entschieden sich nur Chile und Venezuela zum Kauf des als Mirage 50 bezeichneten Flugzeugs. Ein letzter Versuch, den Grundtyp attraktiv zu halten war die Mirage 3 NG (Neue Generation), bei der die Avionik der verwendet wurde. Die Maschine wurde aus dem Prototyp der Mirage 50 umgebaut. Es wurde das hochmoderne RDM-Radar (Multifunktions-Dopplerradar) von Thomson-CSF eingebaut und Canards wurden installiert. Ihren Erstflug machte die 3NG am 21. Dezember 1982 in den Händen von Testpilot Patrick Experton. Die Maschine wurde 1983 auf der Pariser Luftfahrtschau präsentiert und erregte damals das Interesse von Argentinien, Spanien und dem Libanon, ein Verkauf gelang jedoch nicht. Dreieinhalb Jahre später bestellte das französische Verteidigungsministerium jedoch einen zweiten Prototyp. Er erhielt den Namen Mirage III EX und flog erstmals am 8. April 1988 mit Jean Pus. Das Flugzeug wurde mehrere Jahre für Waffentests, insbesondere Luft-Boden-Tests, eingesetzt.

In der Schweiz wurden die Mirage IIIS in den 1990er Jahren mit kleinen Canards aufgerüstet.
Ungeschlagener Bestseller
Bis Ende der 1980er Jahre verließen rund 1400 Mirage III/5/50 das Dassault-Werk in Bordeaux-Merignac und die Fertigungshallen in Belgien, der Schweiz und Australien – eine Zahl, die wohl von keinem (west-)europäischen Überschall-Kampfflugzeug je überboten wird. Ende der 1990er Jahre stiegen viele Mirage-Nutzer auf neue Muster um. Argentinien stellte seine Mirage III 2015 offiziell außer Dienst. Letzter Nutzer ist noch Pakistan, das auch eine größere Zahl von Gebrauchtmaschinen gekauft hatte und 2023 nicht weniger als 55 Jahre Mirage-Betrieb feierte.

Das Cyrano-Radar (hier in der Mirage IIIC) wurde mehrfach verbessert.
Daten Mirage IIIE
- Besatzung: 1
- Triebwerk: 1 x Snecma Atar 9C-3
- Leistung mit Nachbrenner: 62,57 kN
- Länge: 15,08 m
- Höhe: 4,52 m
- Spannweite: 8,25 m
- Flügelfläche: 34,84 m2
- Leermasse: 7035 kg
- max. Startmasse: 13 670 kg
- max. Geschwindigkeit: Mach 2.2
- Dienstgipfelhöhe: 18 105 m
- Steigzeit auf 10 970 m: 5 min
- max. Reichweite: ca. 2400 km
- Bewaffnung: 2 Kanonen DEFA 552; 5 Außenlaststationen für max. 4875 kg





