Die aktuellen Kampfjet-Programme
Kampfflugzeuge - Die Konkurrenz um Kunden

Schwerwiegende Finanzprobleme bei den Streitkräften in Europa und drohende Haushaltskürzungen in den USA zwingen die traditionellen Fighter-Hersteller zum Kampf um vermeintlich lohnende Märkte in Nahost, Asien und Lateinamerika. Neue Konkurrenz könnte aus China kommen.

Kampfflugzeuge - Die Konkurrenz um Kunden

Alle Hersteller hoffen auf Exporterfolge

Bei den letzten asymmetrischen Kriegen wie in Afghanistan, Libyen oder Mali heimsten unbemannte Fluggeräte die Lorbeeren ein, doch sie können nur deshalb so erfolgreich operieren, weil die Gegner schwache oder gar keine Flugabwehrsysteme und oft auch keine Luftstreitkräfte haben.

Das kann in anderen Szenarien ganz anders aussehen, so dass die heutigen Mehrzweck-Kampfflugzeuge noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Dies gilt vor allem in westlichen Ländern, wo (eventuell mit Ausnahme der USA) keine neuen Entwicklungsprogramme in Sicht sind. So müssen die Hersteller aus den vorhandenen Mustern mit Verbesserungen vor allem bei der Elektronik das Maximum herausholen und versuchen, Abnehmer in aller Welt zu finden um die Fertigung so lange wie möglich am Laufen zu halten.

Unsere Highlights

Dassault Rafale

Dassault hofft weiter auf eine baldige Vertragsunterzeichnung in Indien (Foto: Dassault Aviation).

Angesichts der geringen Fertigungsraten für den heimischen Bedarf, die mit elf Flugzeugen pro Jahr am Rande des wirtschaftlich vertretbaren liegen, sind Exporte dringend gefragt. Hier tat sich die Rafale lange schwer, doch mit der im Feruar 2015 unterzeichneten Bestellung für 24 Flugzeuge aus Ägypten wurde über 20 Jahre nach dem Erstflug ein Durchbruch geschafft.

Nach wie vor in der Schwebe war Anfang 2015 ein Kontrakt mit Indien, das sich bereits im Januar 2012 für die Rafale entschieden hatte und 126 Rafale beschaffen will. Die Detailverhandlungen über Ausrüstung, Technologietransfer und Lizenzbaubedingungen bleiben offenbar schwierig.

Unklar sind derweil die Aussichten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo die Rafale lang als Favorit galt. Zwischenzeitlich sprachen die Scheichs auch mit Eurofighter und Boeing, doch die Dringlichkeit einer Entscheidung scheint nicht mehr sehr groß. Durch die französischen Aufträge von bisher 180 Rafale ist die Fertigung jedenfalls noch auf Jahre hinaus gesichert. Derzeit verlassen Maschinen des Standards F3-OT die Endmontage in Bordeaux-Merignac. Sie sind als erstes Kampfflugzeug in Europa mit einem AESA-Radar (Thales RBE2-AESA) ausgerüstet und erhalten zudem einen neuen TV-Sensor und ein neues EloKa-System.

Eurofighter Typhoon

Italien gehört zu den Eurofighter-Partnerländern, kauft aber auch die F-35 (Foto: Eurofighter/Lee).

Ein AESA-Radar ist auch für den Eurofighter zwingend, was sich nach langem Zögern der Kundennationen Ende 2014 endlich in einem Entwicklungsvertrag niederschlug. Bis dahin finanzieren die beteiligten Hersteller Vorarbeiten selbst. Neben dem neuen Radar sind für den Eurofighter auch erweiterte Luft-Boden-Fähigkeiten wichtig. Ensprechende „Enhacement“-Programme umfassen die Integration eines Laserzielbehälters (Litening) und Lenkbomben wie GBU-16, GBU-48 und Paveway IV. Ebenfalls vorgesehen ist die Ausrüstung mit der weit reichenden Luft-Luft-Lenkwaffe Meteor. Die RAF wird zudem ihre Eurofighter mit der Brimstone ausrüsten.

Bisher wurden auf den vier Endmontagelinien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien schon über 400 Eurofighter gebaut. Das erste Flugzeug der so genannten Tranche 3A flog im Dezember 2013. Mit dieser Bestellung aus dem Jahr 2009 dürfte die Fertigung für die ursprünglichen Partner abgeschlossen werden.

Somit wird der Export wichtiger, und selbst ein Auftrag über nur ein Dutzend Flugzeuge, den Oman im Dezember 2012 erteilte, wird freudig begrüßt. Saudi Arabien hat immerhin 72 Typhoons bestellt, die nach diversen Nachverhandlungen nun wohl alle bei BAE Systems gebaut werden.

Saab Gripen

Mit der Gripen Demo bereitet Saab seit Jahren die neue Version E des Fighters vor (Foto: Saab).

Während die zweistrahligen Eurofighter und Rafale am oberen Ende der Skala angesiedelt sind, hat sich Saab aus Schweden mit der einstrahligen Gripen als preisgünstige Alternative positioniert. Die Schweiz schien diesem Ansatz zu folgen, denn die Regierung in Bern plante die Beschaffung von 22 JAS 39E als Teilersatz für die F-5-Flotte. Maximal 3,2 Milliarden Franken wollte man dafür ausgeben, doch in einem Referendum votierte die Bevölkerung dagegen.

Mehr Glück hatte Saab in Brasilien, das Ende 2014 den Kauf von 36 Gripen NG für 5,8 Milliarden Dollar endgültig fest machte. Vorausgegangen waren mehrmonatige Verhandlungen, die aber sogar vor der Deadline abgeschlossen wurden.

Basis für die internationale Vermarktung der Gripen E ist eine Bestellung der Flygvapnet. Nach der Zustimmung des Parlaments in Stockholm wurde am 15. Februar 2013 ein Generalvertrag mit der Beschaffungsbehörde FMV unterzeichnet. Er sieht vor, ab 2018 für Schweden 60 Gripen C in Gripen E umzubauen. Zusammen mit den 22 Maschinen für die Schweiz hätte das Programm ein Volumen von 47,2 Milliarden Kronen (5,6 Mrd. Euro).

Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon

Die US Air Force wird ihre Lockheed Martin F-16 noch lange nutzen (Foto: USAF).

Die Gripen als leichter Jäger dürfte demnächst wenig Konkurrenz haben, denn die Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon zum Beispiel wird nicht ewig gebaut. Noch allerdings kann der inzwischen über 40 Jahre alte F-16-Entwurf in manchen Märkten punkten. Dazu zählen Länder unter starkem US-Einfluss wie der Irak als neuester Kunde. Auch vorhandene Nutzer haben oft nachbestellt.

So ist die Produktion in Fort Worth (rund ein Flugzeug pro Monat) momentan bis etwa 2017 gesichert. Auch danach wird die Fighting Falcon, von der über 4500 gebaut wurden, nicht von der Bildfläche verschwinden. Selbst die US Air Force könnte nämlich ein Modernisierungsprogramm auflegen und neue Systeme wie ein AESA-Radar installieren lassen. Dabei handelt es sich um das SABR von Northrop Grumman, das derzeit für Taiwan vorgesehen ist.

Lockheed Martin F-35 Lightning II

Die F-35B soll als erste Version des Joint Strike Fighter in Dienst gehen (Foto: Lockheed Martin).

Dass die F-16 länger im Dienst bleiben muss, liegt auch an den endlos erscheinenden Verzögerungen im JSF-Programm. Lockheed Martin hat zwar das Tempo bei der Flugerprobung der F-35 erhöht, aber viele wichtige Tests stehen noch bevor, und Probleme aller Art gibt es zuhauf – von zu schwachen Spanten bis zu den üblichen Problemen mit der Software.

Den Schwierigkeiten zum Trotz ist auf der Eglin AFB die Pilotenausbildung angelaufen, und in Yuma stellt das US Marine Corps seine erste Einsatzstaffel auf. Die Marines drängen am stärksten auf die schnelle Einführung der F-35, wobei ausgerechnet ihre Version mit Hubfan für Kurzstart und Senkrechtlandung am komplexesten ist. Ziel ist die vorläufige Einsatzbereitschaft im Sommer 2015.

Sparmaßnahmen im US-Haushalt könnten zu weiteren Verschiebungen und möglicherweise auch zu Stückzahlkürzungen führen, wie es sie bei einigen internationalen JSF-Partnern bereits gegeben hat. Vom Ziel eines preiswerten Fighters ist die F-35 jedenfalls immer noch sehr weit entfernt. Selbst Israel hat daher seine Käufe gedrosselt und im Februar 2015 nur 14 weitere F-35A gekauft - zu Stückpreisen von 110 Millionen Dollar.

Boeing F/A-18E/F Super Hornet

Boeing versucht, der US Navy noch mehr Super Hornet zu verkaufen (Foto: US Navy).

Die Verzögerungen bei der F-35 helfen Konkurrenten, die kein Muster der „fünften Generation“ im Angebot haben. Boeing hoffte jedenfalls lange, dass die US Navy vielleicht noch mehr F/A-18E/F abnimmt als die bislang geplanten 591 Flugzeuge (inklusive EA-18G Growler). Mit dem neuen Mehrjahresvertrag vom September 2010 ist die Fertigung bis 2015 gesichert. Exportmöglichkeiten gibt es noch in Malaysia.

Boeing F-15 Eagle

Die F-15 fliegt unter anderem in Singapur (Foto: Boeing).

Noch länger im Geschäft bleibt Boeings zweiter Fighter, die F-15 Eagle. Der Oldie wurde immer wieder mit neuen Systemen wie einem AESA-Radar aufgefrischt und zuletzt für Singapur und Südkorea gebaut. Nach einem im Dezember 2011 auf höchster politischer Ebene vereinbarten Milliarden-Deal mit Saudi-Arabien stehen nun die Modernisierung von 68 F-15S und der Bau von 84 neuen F-15SA Eagle an, die das Werk in St. Louis bis 2018 beschäftigen werden. Um die Attraktivität der F-15 zu erhöhen, untersuchte Boeing zudem die „Silent Eagle“, eine Version mit internen Waffenschächten, um die Radarrückstrahlfläche zu minimieren.

Suchoi T-50 (PAK FA)

Die Suchoi T-50 ist derzeit voll im Testprogramm (Foto: Suchoi).

Bessere Stealth-Eigenschaften gehörten auch beim künftigen russischen Top-Fighter zu den entscheidenden Entwurfskriterien. Die seit Januar 2010 fliegende Suchoi T-50 (PAK FA) ist allerdings nicht ganz so extrem auf geringe Signaturen getrimmt wie F-22 oder F-35. Interne Waffenschächte für Lenkwaffen sind allerdings sehr wohl vorhanden. Ansonsten erhält die T-50 natürlich ein AESA-Radar und diverse optische Sensoren. Inzwischen sind fünf Prototypen geflogen. Die Lieferung der ersten Serienflugzeuge peilt man für 2015/16 an.

Auch Indien ist am T-50-Programm beteiligt und soll den sechsten Prototyp erhalten. Laut N. A. K. Browne, dem Kommandeur der Luftstreitkräfte, sind 2017 und 2019 zwei weitere Prototypen des „fifth generation fighter aircraft“ geplant, so dass die Serienfertigung nach 2020 beginnen könnte. Indiens Bedarf soll bei knapp 150 Flugzeugen liegen.

Suchoi Su-30/Su-35 „Flanker“

Die Su-35 wird bereits an die russischen Luftstreitkräfte geliefert (Foto: Suchoi).

Indien ist schon seit Jahrzehnten ein wichtiger Abnehmer für russische Kampfjets. Bestellt wurden über die Jahre zum Beispiel 272 Su-30MKI. Die Maschinen werden bei HAL in Nasik in Lizenz gebaut. Dabei werden auch Anpassungen wie die Integration des großen Seezielflugkörpers BrahMos A durchgeführt.

Mit der Su-30-Familie hat Suchoi große Exporterfolge erzielt und damit die mageren Zeiten auf dem Heimatmarkt überbrückt. Zuletzt gab es aber wieder mehr Bestellungen aus Moskau. Unter anderem sollen 48 Su-35 gebaut werden. Diese Weiterentwicklung der Su-27/30 mit verbesserter Zelle (mehr Verbundwerkstoffe) und stärkeren Triebwerken befindet sich seit 2008 in der Erprobung.

Mikojan MiG-29

Die MiG-29KUB und der zugehörige Einsitzer wurden von Indien und Russland bestellt (Foto: Mikojan).

Während Suchoi gute Geschäfte machte, musste Mikojan ums Überleben kämpfen. Derzeit hängt die Zukunft an der Flugzeugträgerversion der MiG-29. Diese wurde sowohl von Indien als auch von Russland bestellt. Die Tests an Bord der „Vikramaditya“ wurden abgeschlossen.

HAL Tejas

Der Tejas-Fighter ist nach langer Entwicklungszeit nun einsatzbereit (Foto: Indian Air Force).

Neben den Käufen in Russland und der geplanten Beschaffung der Rafale arbeitet Indien immer noch an seinem eigenen Tejas-Fighter. Das Programm kommt allerdings seit über zwei Jahrzehnten nur langsam voran. Bisher wurden nur 13 Flugzeuge gebaut, darunter sechs Vorserienmaschinen. Deren Leistungen sollen jedoch dürftig sein, so dass man eine Mk-2-Version entwickeln will. Sie soll um 50 Zentimeter gestreckt werden, um mehr Avionik unterzubringen.

Unterdessen flog im Herbst 2015 die erste Serienmaschine der Tejas. Auch zwei Flugzeuge der Flugzeugträgerversion für die indische Maschine sind inzwischen im Testprogramm. Sogar Starts über eine Rampe wurden bereits durchgeführt.

Chinas neue Fighter

Die J-20 wurde für eine geringe Radarsignatur optimiert (Foto: Chinesisches Internet).

Bisher wurden die billigen, aber auch leistungsschwachen chinesischen Kopien zum Beispiel der MiG-21 nicht recht ernst genommen. In den letzten Jahren hat die chinesische Luftfahrtindustrie aber alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Anschluss an moderne westliche Muster zu schaffen. Chengdu brachte zum Beispiel die FC-1 Xiaolong (JF-17 Thunder) und die J-10 heraus. Erstere steht auch in Pakistan im Einsatz.

Von ganz anderem Kaliber sind die neuesten chinesischen Entwicklungen, die klar auf Stealth-Eigenschaften setzen. Chengdus J-20, die im Januar 2011 zum Jungfernflug startete, wird dabei mehr als Jagdbomber gewertet. Die 20 Meter lange Maschine verfügt über große interne Waffenschächte.

Etwas kleiner ist die J-31 von Shenyang; sie fliegt seit Oktober 2012. Bei ihr ist allerdings unklar, ob sie eine Alternative oder eine Ergänzung der J-20 darstellt. Wie schnell die Muster zur Serienreife gebracht werden und wie gut ihre Waffensysteme wirklich sind, bleibt angesichts der spärlichen Informationen reine Spekulation.

Die aktuelle Ausgabe
FLUGREVUE 03 / 2023

Erscheinungsdatum 05.02.2023

Abo ab 51,99 €