In seiner neuesten Studie hat das Mitchell Institute for Aerospace Studies die strategischen Luftangriffsfähigkeiten der USA analysiert. Der Schwerpunkt liegt auf der Abschreckung Chinas. So könnten die USA einen Angriff auf Taiwan nur verhindern, wenn es für den Gegner keine sicheren Räume (Sanctuaries) gibt, von denen aus er Angriffe einleiten kann. Genau solche Bereiche schafft China aufgrund seiner geografischen Größe und starken Luftverteidigung im Landesinneren. Um dies zu verhindern, müsse die US Air Force über eine Flotte von fortschrittlichen Bombern mit starken Penetrationsfähigkeiten verfügen, die von Jägern der fünften Generation und darüber sowie von anderen Langstrecken-Abstandswaffen unterstützt werden.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Stealth-Muster der USAF zwar die generelle Überlebensfähigkeit hätten, um in Bereiche mit hoher Bedrohung einzudringen. Aber die Stückzahlen reichten nicht aus, um in einem Konflikt mit China eine ausreichende Zahl von Einsätzen zu generieren. Daher sei eine Flotte von mindestens 200 Exemplare der Northrop Grumman B-21 Raider nötig. Auch die Zahlen der F-47 und F-35 müssten entsprechend erhöht werden, um "die Einsatzanforderungen anstelle der verfügbaren Budgets" zu berücksichtigen.

Derzeit befinden sich zwei B-21-Bomber in der Flugerprobung.
So wenig Bomber wie noch nie
Aktuell verfügt die US Air Force nur über 141 Bomber im Arsenal, so wenig wie noch nie. Den Großteil macht der Dinosaurier unter den Angriffsflugzeugen aus, die seit 65 Jahren in Dienst stehende B-52H Stratofortress (76 Einheiten). Hinzu kommen 46 B-1B Lancer und 19 B-2A Spirit. Das Durchschnittsalter der Maschinen beträgt 43 Jahre. Gemäß der Mitchell-Studie stehen nur knapp 15 Bomber zur Verfügung, die an vorgelagerte Einsatzorte verlegt werden können. Der Rest muss am Boden für Einsätze vorbereitet werden oder dient zur nuklearen Abschreckung. Demgegenüber stünden mindestens 100.000 Ziele, die über große Entfernung in einer Auseinandersetzung mit China ins Visier genommen werden müssten. Um dies zu erreichen, sei die zwei- oder dreifache Zahl an täglichen Missionen nötig, die heute generiert werden kann. Zudem ließen sich Verluste nicht ausgleichen.
Die Zahl schrumpft weiter
Anfang der 2030er-Jahre wird die Zahl der US-Bomber noch weiter zurückgehen. Dafür sorgt die geplante Ausmusterung der B-1 und B-2, welche die hochfahrende B-21-Produktion nicht kompensieren könne. Daher sei laut Mitchell Institute die hohe Stückzahl der Raider-Bomber nötig. Die 200 B-21 zusammen mit den verbliebenen B-52H könnten die Zahl der möglichen Einsätze mehr als verdoppeln. Die B-2 dürfe erst außer Dienst gestellt werden, wenn mindestens 100 B-21 verfügbar sind. Auch die F-47 müsse in ausreichenden Stückzahlen (300 Einheiten) beschafft werden, um das derzeit auf 1900 Kampfflugzeuge geschätzte Arsenal Chinas in Schach halten zu können. Aktuell plant das Pentagon wohl die Beschaffung von 100 Raider-Bombern und 185 F-47.





