Wie F-15 Eagle aus Oregon die Luftbetankung üben Mathias Leischner
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Wie F-15 Eagle aus Oregon die Luftbetankung üben

Einmal volltanken, bitte! Wie F-15 Eagle aus Oregon die Luftbetankung üben

Luftbetankung ist für Kampfpiloten Routine, trotzdem lauern beim Andocken an die fliegenden Tankstellen viele Risiken. Deshalb wird das Manöver intensiv trainiert. Unser Autor hat dem "Tankwart" einer KC-135 bei der Übung "Sentry Eagle" über die Schulter geschaut.

Langsam schiebt sich die Silhouette einer F-15C in das kleine Fenster unseres Tankers. Wie in Zeitlupe nähert sie sich dem Tankausleger der KC-135R 60-0320, wo wir uns im Heckstand des Boom Operators für ein Weilchen häuslich eingerichtet haben – soweit das eben geht. Der Blick nach draußen zeigt untrüglich: Die F-15, die sich da unter den Ausguck schiebt, ist nicht so wie die anderen. Das ist "Sandman"! Dieser Schriftzug prangt, von oben gut lesbar, unterm Cockpit der F-15C mit der Hecknummer 78-0543, die sich sonderlackiert im Stil des gleichnamigen B-17-Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg präsentiert. Der Anstrich ist eine Hommage an den Namensgeber ihres Heimatstützpunkts, Pilot David R. Kingsley, der 1944 über Rumänien in der B-17F den Tod fand.

Mathias Leischner
"Sandman" holt sich als erste der vier F-15 frischen Sprit vom Tankausleger der KC-135.

Entspannung gibt es später

Wir sind im, beziehungsweise über dem "Country of no slack" im US-Bundesstaat Oregon. "No slack", das ist das Motto des 173rd Fighter Wing der Oregon Air National Guard – und die Angehörigen des Geschwaders, zu Hause auf dem Stützpunkt Kingsley Field in Klamath Falls, pflegen es mit Konsequenz. Entspannung und Lockerheit (englisch: "slack") werden in ihren Reihen nicht geduldet. Zu anspruchsvoll sind die Herausforderungen, die ihr Fluggerät, die immer noch agile F-15 Eagle, ihren Flugschülern abverlangt.

Lesen kann man das Motto überall: Auf den Hangars, auf den Patches der Piloten und beim Bodenpersonal, überall wird an den eisernen Leitspruch erinnert. Der 173rd Fighter Wing ist verantwortlich für die Ausbildung aller künftiger Piloten von F-15C und D – und da kann man sich (zu viel) Lockerheit eben einfach nicht leisten.

Das gilt auch und erst recht für komplexe Manöver wie die Luftbetankung. Die wird hier ständig und mit Nachdruck trainiert. Professionell bis ins letzte Detail. Kurze, knackige, exakte Funksprüche, keine Spielereien – "no slack" eben. Das zeigt Wirkung: Wenn die Piloten ihren Weg in der nächsten Einheit weitergehen werden, sind sie durch das strenge und anspruchsvolle Training in Oregon bestens vorbereitet. Wer den einfachen, lockeren Weg ohne Widerstand gehen möchte, ist in Klamath Falls jedenfalls fehl am Platz.

Mathias Leischner
Der Stützpunkt Kingsley Field in Klamath Falls wird von der Oregon ANG betrieben und ist Heimat des 173rd Fighter Wing. "No slack" ist sein Motto.

Tanken im Schnelldurchlauf

Doch genug der Worte, zurück in die Luft, hinein in "unseren Tanker". Dort hat "Sandman", die besondere F-15C, inzwischen an- und auch schon wieder abgedockt. Nun verlässt sie den Bereich unter dem Fenster des Boom Operators, um der nächsten Eagle Platz zu machen. Nichts deutet darauf hin, dass wir uns selbst mit 270 Knoten (500 km/h) fortbewegen, die 22.000 Fuß Flughöhe – etwa 6.700 Meter – lassen die imposante Landschaft unter uns langsam dahingleiten.

Insgesamt vier Eagles, drei F-15C und eine F-15D, teilen sich heute den Tankausleger. Dabei geht es weniger um den tatsächlichen Transfer von Kerosin – die abgegebene Menge liegt nur bei 4.000 bis 5.000 Pfund pro Jet -, sondern vor allem um die korrekte Kontaktaufnahme mit der fliegenden Tankstelle. "Damit haben die Flugschüler meist die größten Probleme", erklärt uns der "Tankwart" der KC-135, während er die Eagles, eine nach der anderen, an den Ausleger koordiniert. Doch wirkliche Probleme tauchen heute nicht auf. Alle Betankungsmanöver laufen reibungslos und fehlerfrei – der Lohn des harten Trainings.

Mathias Leischner
Tanken in der Luft ist Zentimeterarbeit. Deshalb wird das An- und Abdocken intensiv trainiert.

Tankstelle für "Sentry Eagle"

Für das Tanker-Training sind im Luftraum eigens zwei ovale "Tanker-Tracks" vorgesehen, gelegen rund 110 Kilometer östlich von Kingsley Field, nördlich und südlich des Goose Lake. Beide Tracks befinden sich direkt im östlichen Anschluss des "Goose MOA" ( Military Air Operations), ein in Nord und Süd unterteiltes, für Luftkämpfe reserviertes Gebiet. So können sich die durstigen Eagles nach spritfressenden Dogfights am Boom der KC-135R die Tanks wieder auffüllen. Schließlich ist das Training am Tankausleger nur ein Aspekt im heutigen Missionsplan der Eagle-Crews. Wir befinden uns mitten in der Übung "Sentry Eagle", und die umfasst eben auch intensives Luftkampf-Training.

Mathias Leischner
Die F-15C und D, die in Oregon fliegen, haben teilweise fast 45 Jahre auf dem Buckel.

Neues Flugzeug im Anmarsch

Die ältesten F-15C und D, die hier herumfliegen, sind mittlerweile stolze Mittvierziger und haben den Zenit ihrer Laufbahn schon vor Jahren überschritten. Ihr Ruhestand dämmert längst am Horizont.Doch auch wenn irgendwann die letzten Eagles ihrer Generation aus Oregon verschwunden sind, bleibt der 173rd Fighter Wing weiterhin das Ausbildungszentrum für die F-15-Community der US Air Force. Der neueste Eagle-Spross, die F-15EX Eagle II, wird seine ersten Schritte im aktiven Einsatz ebenfalls in Oregon unternehmen. In Klamath Falls freut man sich schon sehr auf den neuen Fighter – und alle Beteiligten sind sich sicher, dass sie dafür bereit sind.

Zurück am Boden

Bereit, das sind mittlerweile auch wir – und zwar für die Landung. Die Piloten unserer KC-135 haben das Übungsgebiet verlassen und nehmen nun Kurs auf Kingsley Field. Wenig später sind wir auch schon wieder am Boden. Mitten im Herzen des "Country of no slack" – an dem Ort, der von sich selbst mit Stolz behauptet: "America’s Air Superiority starts here!"

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