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Boeing B-1B Lancer: Verbesserter Waffenträger

Neue Waffen für die Lancer Erhält die B-1B bald Hyperschall-Lenkwaffen?

Die ziemlich ramponierte und reduzierte B-1B-Flotte der US Air Force muss noch ein Jahrzehnt durchhalten. Eine Integration von Hyperschallraketen könnte die Einsatzmöglichkeiten des Schwenkflüglers erweitern.

Dreißig Jahre ist es schon her, seit zum letzten Mal eine Waffe von einer externen Aufhängung des B-1B-Bombers abgeworfen wurde. Die Vorbereitungen für den Flugversuch mit einer Lockheed Martin AGM-168 JASSM (Joint Air-to-Surface Standoff Missile) waren deshalb besonders sorgfältig. "Für uns ist es wichtig, dies sicher zu tun … Also haben wir uns darauf konzentriert ... sicherzustellen, dass die JASSM und die B-1 korrekt kommunizieren und die Lenkwaffe die korrekten Zeitvorgaben für die Entfaltung ihrer Flügel und Steuerflächen hat, so dass sie sich, sobald sie ausgelöst wird, sicher vom Flugzeug trennt," erklärte Agustin Martinez, Projektleiter des Testprogramms.

Verschiedene Anschlusskonfigurationen

Zu den Vorbereitungen gehörte die Modifikation des Pylons vorne rechts am Rumpf der Lancer, an dem normalerweise der Zielbehälter Sniper hängt. Es gab "mechanische Änderungen, um verschiedene Anschlusskonfigurationen zu ermöglichen, und die interne Verkabelung wurde durch Kabelbäume ersetzt, die seine neue Rolle ermöglichen", so N. Keith Maynard von der 812th Airborne Instrumentation Test Squadron. Maynard war als Special Instrumentation (SI) Flight Chief tätig und leitete eine Gruppe von mehr als 60 Ingenieuren, Technikern, Projektmanagern und Logistikern. "Die für die MAU-12 Abwurfhalterung verwendeten Einstellungen der pyrotechnischen Trennung der Lenkwaffe stellten auch sicher, dass die JASSM mit einem Pitch-Down-Moment der Nase abgetrennt wurde", so Agustin Martinez von der 419. Flugteststaffel.

Hochgeschwindigkeitskameras

Nach den Umbauarbeiten und Bodentests auf der Edwards AFB wurde der erste Flug mit einer angehängten JASSM am 20. November 2020 durchgeführt. Den Abwurftest führte die 419th Flight Test Squadron schließlich am 4. Dezember 2020 von der Holloman AFB in New Mexico aus durch. "Das wichtigste Ergebnis dieser speziellen Mission sind exzellente Bilder des Abwurfs aus mehreren Blickwinkeln, um nicht nur die sichere Trennung zu überprüfen, sondern auch Informationen über die Waffe selbst zu erhalten, wie zum Beispiel die Entfaltung der Flügel", sagte Maynard. Dazu wurde die Lancer mit Hochgeschwindigkeitskameras ausgestattet, die bis zu 500 Bilder pro Sekunde aufnehmen können.

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Cockpit und Waffensystemstationen wurden bis September 2020 bei allen B-1B modernisiert.

Global Strike Command

"Die Ausrüstung einer begrenzten Anzahl von B-1 mit mehr externen Waffen könnte das Global Strike Command in die Lage versetzen, den Geographic Combatant Commanders mehr Waffen zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig weniger Flugzeuge und Luftfahrzeugbesatzungen in Gefahr zu bringen", hob General Tim Ray, Commander, Air Force Global Strike Command, die Bedeutung des Tests hervor.

Globale Präzisions-Angriffsfähigkeit

Die Demonstration könnte aber auch den Weg ebnen, die B-1B mit Hyperschallwaffen zu bestücken. "Die Anpassung einer kleinen Anzahl unserer am besten erhaltenen B-1, um Hyperschallwaffen tragen zu können, ist von entscheidender Bedeutung, um eine Brücke zwischen der Bomberstreitmacht, die wir heute haben, und der Streitmacht von morgen zu schlagen", sagte General Ray, "Dies ist ein großer Schritt vorwärts in unserer globalen Präzisions-Angriffsfähigkeit, und es ist wichtig, dass wir diese Technologien entwickeln, um unseren Konkurrenten voraus zu sein. Mein Ziel ist es, eine begrenzte Anzahl von B-1 zu modifizieren, um sie als flexible "Linebacker" im westlichen Pazifik und im Nordatlantik zu haben".

START-Abkommen

Neben der Reaktivierung der sechs Außenlaststationen, die wegen der Bedingungen des START-Abkommens nicht mehr genutzt wurden, hat die USAF 2019 auch eine Demonstration für die bessere Auslastung des internen Waffenschachts durchgeführt. Dabei ging es um die Verschiebung der Trennwand, um die Mitnahme von größeren Lenkwaffen (Länge 6,8 statt 4,6 Meter) zu ermöglichen. Insgesamt könnte eine B-1B damit zum Beispiel 24 JASSM intern und sechs bis 12 extern mitführen – zwei Lancer hätten somit genauso viel Schlagkraft wie drei in der aktuellen Konfiguration.

Neue Stealth-Bombers B-21

Ob es zu einer Umrüstung kommt, ist noch nicht entschieden. Der USAF bleibt bis zur Verfügbarkeit des neuen Stealth-Bombers B-21 von Northrop Grumman (Erstflug wohl 2022) aber wohl nichts anderes übrig, als die vorhandenen B-1B optimal zu nutzen. Das wird nicht einfach, denn die Flotte wird laut Verteidigungshaushalt 2021 um 17 auf 45 Maschinen reduziert. Die Ausmusterung der wartungsintensivsten Exemplare soll Gelder für neue Projekte freimachen. Geld, das auf jeden Fall auch dafür benötigt wird, die Verfügbarkeit der in Dyess AFB, Texas (7th Bomb Wing) und Ellsworth AFB, North Dakota (28th BW) verbleibenden Lancer zu verbessern.

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Der Teststart der AGM-158 JASSM fand in New Mexico statt. Hier klappen gerade die Flügel auf.

Nahunterstützungsflugzeuge

Mitte 2019 standen nämlich zeitweise nur sechs Maschinen für Einsätze bereit. Laut dem damaligen Chief of Staff der USAF, General David L. Goldfein, lag dies an der jahrelangen intensiven Nutzung der B-1B quasi als Nahunterstützungsflugzeuge über dem Irak und Afghanistan. Dabei flogen die Bomber mit den Tragflächen in vorderer Position Patrouillen, was die Lager und den Schwenkmechanismus völlig anders belastete, als einst berechnet.

Dauerbelastungsprogramm

Dazu kommt, dass die meisten B-1B längst über 35 Jahre als sind und über der geplanten Flugstundenzahl von 8000 bis 10000 Stunden liegen. Die Lebensdauer will die Air Force deutlich auf etwa 14000 Flugstunden erhöhen. Um dafür die Grundlagen zu schaffen, läuft mit einer zuvor eingelagerten Zelle ein Dauerbelastungsprogramm. Dieses liegt aber hinter dem Plan, da es immer wieder wegen auftretender Risse und anderer struktureller Probleme gestoppt werden muss. Die Konstruktion von Verstärkungen dauert dann ihre Zeit.

Tinker AFB in Oklahoma

Immerhin hat die USAF inzwischen andere Probleme, wie mit Schleudersitzen, Rissen im Mittelrumpf oder mangelnden Ersatzteilbeständen im Griff. Dazu trug auch die Einrichtung einer speziellen Reparaturlinie auf der Tinker AFB in Oklahoma (B-1B-Depot) bei, für die man zusätzliches Personal anheuerte. Die Verfügbarkeit konnte so wieder auf über 60 Prozent gebracht werden.

Aufwendige Reparaturen

Weitere aufwendige Reparaturen sind allerdings bereits absehbar. Der notwendige Ersatz von Längsträgern im Mittelrumpf ist eine zeitraubende Angelegenheit, die man mit Arbeiten am Vorderrumpf verbinden will. Ein Musterflugzeug soll ab April bei Boeing in Palmdale bearbeitet werden, bevor die Vorrichtungen nach Tinker kommen – was allerdings nicht vor 2023/2024 passieren wird. Dort sollen dann neun Lancer pro Jahr durch den Prozess geschleust werden.

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Der Marschflugkörper JASSM ist 4,27 m lang und wiegt eine Tonne.

"Bomber Task Force"-Missionen

Bis dahin nutzt die US Air Force ihre Schwenkflügelbomber wohl deutlich weniger intensiv. Im letzten Jahr wurden statt langer Verlegungen nach Nahost nur sogenannte "Bomber Task Force"-Missionen durchgeführt, sei es nach Europa, ans Schwarze Meer oder nach Japan und Südkorea. Eine der interessantesten dabei war sicherlich die 16 Stunden dauernde Mission von Flugzeugen der 345th Expeditionary Bomb Squadron von der Eielson AFB in Alaska aus über den Nordpol Richtung Norwegen.

Luftbetankungsunterstützung

Die Mission über eine Distanz von 11300 Kilometern erhielt Luftbetankungsunterstützung über dem Arktischen Ozean, bevor die Schwenkflügelbomber mehrere Stunden lang mit den norwegischen Streitkräften vor der Küste Grönlands und über dem Europäischen Nordmeer trainierten. Oberst Christopher Hawn, Kommandeur des 345th EBS, sagte, dass die Fähigkeit, in der arktischen Region zu operieren, wichtig sei, um das US European Command (EUCOM) zu unterstützen und für die Erfüllung der Ziele der Nationalen Verteidigungsstrategie von 2018, die den Fokus des US-Militärs vom Nahen Osten auf mögliche Konflikte mit militärischen Großmächten wie China und Russland verlagert hat. "Es geht um den Zugang", erklärte er. "In einem Near-Peer-Konflikt könnte die beste Angriffsroute erfordern, dass wir die Arktis durchqueren, also müssen wir sicherstellen, dass wir uns in diesem operativen Umfeld gut auskennen."