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Eurofighter Typhoon

Europas Top-Fighter im Porträt

Foto: Crown Copyright

Mit über 600 Bestellungen von neun Kunden ist der Eurofighter das derzeit größte europäische Militärflugzeugprogramm. Seit den Anfängen zu Zeiten des Kalten Krieges musste der Mehrzweck-Kampfjet manche Krise überstehen.

Als DASA-Testpilot Peter Weger am 27. März 1994 in Manching zum 40-minütigen Erstflug des Eurofighter-Prototyps DA1 (98+29) abhob, war ihm klar, dass er „in einem unglaublichen Flugzeug“ sitzt. Die positiven Eindrücke vom Handling und der Wendigkeit des Kampfflugzeugs kann auch heute jeder Pilot mit Begeisterung bestätigen. „Rein fliegerisch ist der Eurofighter sehr einfach“, so ein Luftwaffen-Pilot. „Es geht daher vor allem um die Beherrschung des Gesamtsystems“ mit seinen vielen Möglichkeiten. Schließlich soll der Kampfjet „Swing-Role“-Fähigkeiten haben, also während der Mission jederzeit quasi in Sekundenschnelle zwischen Luftkampf und dem Angriff von Bodenzielen wechseln können.

Dieses Ziel zu erreichen war nicht einfach, denn obwohl sich alle Eurofighter äußerlich wie ein Ei dem anderen gleichen, hat sich bei Systemen und Bewaffnung viel getan. So viel jedenfalls, dass zum Beispiel die ersten 148 Flugzeuge wegen Unterschieden bei Struktur und Hauptcomputern nicht mehr wirtschaftlich auf den Standard der Tranche 2 gebracht werden können.

Foto: Eurofighter
Spanien besitzt 73 Eurofighter. Die Flugzeuge sind unter anderem in Morón stationiert.

Ständige Weiterentwicklung

Die 236 Flugzeuge der Tranche 2, die seit Oktober 2008 ausgeliefert wurden, haben etwa 400 Änderungen erhalten. Aber auch diese Baureihe ist nicht homogen, denn mit den Blocks 8, 9, 10, 11 und 15 flossen immer wieder Verbesserungen vor allem hinsichtlich der Software ein. Dafür wurde seit 2007 das aufwendige Phase-1- Enhancement-Programm (P1E) durchgeführt, das man ob seiner Komplexität in zwei Teile zerlegte (P1Ea und P1Eb). Erreicht wurde dabei die volle Integration der Präzisionsbomben EGBU-16, GBU-10/GBU-16 und Paveway IV sowie des Laser-Zielbehälters Litening III. Verbesserungen gab es beim Datenfunk (MIDS) und beim Autopiloten. Die Bordkanone kann nun auch gegen Bodenziele verwendet werden, und der Einsatzbereich der IRIS-T wurde durch eine digitale Anbindung deutlich erweitert. Ziele lassen sich mittels des Helmvisier: zuweisen. Die Flugerprobung der P1E-Verbesserungen wurde im Herbst 2013 abgeschlossen.

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Flugzeuge für Katar mit neuem Radar

Mit der Serienfertigung der 112 Maschinen der Tranche 3A (plus Export) ging die Evolution des Fighters weiter, um die Position im Wettbewerb zu verbessern. Zellenseitig wurden in zwei Bereichen Änderungen vorgenommen: Zum einen gibt es nun Montagepunkte am Rumpf für Zusatztanks (noch keine Bestellung vorhanden), zum anderen wurde der Bug modifiziert, um künftig auch die AESA-Antenne des Captor-E-Radars aufnehmen zu können. Diese besteht aus über 1000 Sende-/Empfangsmodulen und ist drehbar, um per elektronischer Strahlschwenkung in einem Sichtbereich von 220 Grad ohne Verzug Luft- und Bodenziele zu erfassen. Das Euroradar-Konsortium arbeitete bereits seit Jahren mit Firmenmitteln an dem AESA-Modell, bevor die Partnernationen im November 2014 einen eine Milliarde Euro teuren Entwicklungsvertrag unterzeichneten. Über die Beschaffung wurde allerdings noch nicht entschieden, sodass voraussichtlich Katar als Exportkunde als erstes Land das neue Radar erhalten wird.

Neben dem Radar wird die weitreichende Luft-Luft-Lenkwaffe Meteor von MBDA die Fähigkeiten des Eurofighters wesentlich verbessern. Sie wird dank Staustrahltriebwerk und modernem Radarsuchkopf in der Lage sein, gegnerische Flugzeuge in einem Bereich abzuschießen, der laut Hersteller dreimal größer sein soll als bei der bisher verwendeten AIM-120 AMRAAM von Raytheon.

Foto: Aeronautica Militare
Südländer im Hohen Norden: Italien schickte seine Eurofighter schon ins Baltikum und nach Island (Foto) zur Luftraumüberwachung.

Vielfältige Waffenwahl

Wichtige Ziele am Boden wie Radarstellungen, Bunker oder Brücken wird der Eurofighter künftig ebenfalls auf große Distanzen bekämpfen können. Dafür müssen Marschflugkörper wie der Storm Shadow integriert werden. Diesbezüglich wurde Ende 2013 mit den Tragflugversuchen begonnen, um den aerodynamischen Einfluss der großen und 1,3 Tonnen schweren Lenkwaffen auszuloten. Eine weitere Bewaffnungsalternative ist die kleine Panzerabwehr-Lenkwaffe Brimstone von MBDA, mit der die ersten Testschüsse Anfang Juli 2017 durchgeführt wurden.

Da der Eurofighter der Luftwaffe auch als Nachfolger für den Tornado-Jagdbomber angeboten wird, müsste auch die amerikanische Atombombe B61 integriert werden. Dazu wären in den kommenden Jahren sicherlich eine größere Konnektivität, Sensor- und Datenfusion, deutlich größere Bildschirme (oder nur ein großer Bildschirm) im Cockpit und bis zu 15 Prozent mehr Leistung für die EJ-200-Triebwerke des Flugzeugs wünschenswert. Insgesamt wird der Eurofighter wie andere Kampfjets über seine gesamte Einsatzdauer bis weit nach 2030 immer weiter verbessert werden, um das Potenzial der Zelle voll auszuschöpfen und auf neue Herausforderungen zu reagieren.

Foto: Geoff Lee/Eurofighter
Österreich kaufte 15 Maschinen und entschied sich dabei aus Kostengründen für die Tranche 1. deren Betrieb ist dem Alpenland aber immer noch zu teuer.

Die Wurzeln des Eurofighter liegen in den 70er-Jahren

Das Konzept des Eurofighters wird dann über ein halbes Jahrhundert alt sein. Die Überlegungen für ein neues europäisches Kampfflugzeug hatten bereits in den 1970er Jahren begonnen, als zum Beispiel MBB im Rahmen der Luftfahrtmesse ILA 1978 das Konzept seines Kampfflugzeugentwurfs mit Deltaflügel und Canards vorstellte (TKF90 /Taktisches Kampfflugzeug der 90er Jahre). Im Dezember 1983 billigten die Luftwaffenchefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien ein „Outline European Staff Target” für ein FEFA (Future European Fighter Aircraft), im Oktober 1984 folgtedas “European Staff Target„ als Grundlage für weitere Industriestudien.

Am 2. August 1985 unterzeichneten Deutschland, Großbritannien und Italien schließlich einen Vertrag über die Realisierung des Eurofighters. Spanien trat einen Monat später dem Programm bei, während Frankreich ausschied. Auf Industrieseite wurde am 1. Juni 1986 die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH als Hauptauftragnehmer gegründet, mit British Aerospace (heute BAE Systems), MBB, CASA (heute Teil von Airbus) und Alenia (heute Leonardo) als Anteilseigner. Sie erhielt im November 1988 den Entwicklungsvertrag, der, wie zu Beginn erwähnt, zum Erstflug im März 1994 führte. Inzwischen war die Mauer gefallen, Deutschland wiedervereinigt, die Sowjetunion zerfallen und der Kalte Krieg scheinbar beendet. Das führte vor allem in Deutschland zu heftigen Debatten über die Sinnhaftigkeit des Programms, bis hin zu diversen Alternativstudien. Ganz abgesehen davon versprechen europäische Gemeinschaftsprogramme zwar immer geringere Kosten für die Partner, sind aber durch internes Gerangel und Sonderwünsche nicht einfach zu beherrschen.

Cockpit of RAF Typhoon Fighter Foto: RAF
Das Eurofighter-Cockpit wirkt im Vergleich zu dem von Kampfjets der fünften Generation heute fast schon antiquiert.

Langer Anlauf zur Einsatzreife

Jedenfalls dauerte es noch einmal fast ein Jahrzehnt und viele Teststunden mit sieben Prototypen, bis 2003 die ersten Serienflugzeuge die Endmontagelinien in Manching (EADS), Warton (BAE Systems), Turin (Alenia) und Getafe (EADS CASA) verließen. In Deutschland wurden erst einmal die Techniker in Kaufbeuren auf dem neuen Muster ausgebildet und einige Piloten beim Hersteller geschult, bevor die Luftwaffe am 30. April 2004 die ersten Eurofighter offiziell beim Jagdgeschwader 73 in Laage in Dienst stellte. Neben den vier Partnernationen haben inzwischen auch fünf Exportkunden den Eurofighter bestellt, darunter Österreich. Die Alpenrepublik war ein Paradebeispiel, wie schwierig und langwierig Kampfflugzeug-Beschaffungsprogramme sein können – besonders dann, wenn zwischendurch auch noch die Regierung wechselt. Ursprünglich sollten Eurofighter der Tranche 2 gekauft werden, doch dann wurde wegen vermeintlicher Einsparungen beschlossen, fünfzehn Tranche-1-Maschinen – zum Teil gebraucht von der Luftwaffe – zu übernehmen. Die Lieferungen der in Zeltweg stationierten Flugzeuge begannen schließlich im Juli 2007.

Foto: Jamie Hunter/Eurofighter
Saudi-Arabien ist ein wichtiger Kunde des Eurofighter und plante sogar die Endmontage des Flugzeugs im eigenen Land. Der Hersteller hofft auf einen baldigen Zusatzauftrag.

Exporterfolge in Nahost

Neben Österreich war der Eurofighter bisher vor allem im Nahen Osten erfolgreich. Saudi-Arabien unterzeichnete im August 2006 einen Vertrag über 72 Flugzeuge, gefolgt von Oman im Dezember 2012 und Kuwait im April 2014. Im September 2018 wurde schließlich eine Bestellung von Katar für 24 Maschinen wirksam, nachdem BAE Systems die ersten Gelder erhalten hatte. Die Lieferungen sollen 2022 beginnen.

Weniger gebaut als geplant

Somit sind nun 623 Eurofighter bestellt, eine Zahl, die um einiges hinter den ursprünglichen Plänen allein der vier Partnernationen (Deutschland und Großbritannien je 250, Italien 165 und Spanien 100) zurückbleibt. Gebaut wurden bisher rund 550 Maschinen.Bis November 2018 absolvierten 500 000 Flugstunden, und das mit einer vorher kaum für möglich gehaltenen Sicherheitsbilanz. Die Luftwaffe hat noch keinen Absturz zu beklagen.

Allen Problemen und Kostenüberschreitungen zum Trotz ist der Eurofighter ein Grundpfeiler der europäischen Luftfahrtindustrie. Das soll auch in Zukunft so bleiben, denn laut Volker Paltzo, dem Geschäftsführer der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, “ist der Eurofighter Typhoon die beste Plattform, um eine ganze Reihe von Technologien zu integrieren, zu demonstrieren und zu zertifizieren und sie als ausgereifte Fähigkeit [...] bereitzustellen„, um die Entwicklung eines zukünftigen europäischen Kampfjets voranzubringen.

Eurofighter Typhoon – die Kunden

Deutschland: 143 Flugzeuge (33 bestellt)
Großbritannien: 160
Italien: 96
Katar: 24
Kuwait: 28
Oman: 12
Österreich: 15
Saudi-Arabien: 72
Spanien: 73

Technische Daten des Eurofighter Typhoon (EF2000)

Hersteller: Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, Hallbergmoos, Deutschland. Endmontagelinien bei den Programmpartnern Airbus in Manching und Getafe bei Madrid, BAE Systems in Warton, Leonardo in Turin

Besatzung: 1 oder 2

Antrieb: 2 x Eurojet EJ200, Schub: 2 x 60 kN, 2 x 90 kN mit Nachbrenner

Länge: 15,96 m
Höhe: 5,28 m
Spannweite über EloKa-Behälter: 10,95 m
Flügelfläche: 51,2 m2

Leermasse: 11150 kg bis 12000 kg
Kraftstoff: ca. 4500 kg, Zusatztanks: 3 x 1000 l
maximale Außenlast: 7500 kg
normale Startmasse: 21000 bis 22000 kg
max. Startmasse: 23 500 kg

max. Fluggeschwindigkeit: Mach 1.8 bis 2.0
max. Geschw. in Bodennähe: 1390 km/h
Dienstgipfelhöhe: über 16 765 m
Steigzeit auf 10600 m: unter 2,5 min
Startstrecke: < 700 m
Überführungsreichweite: 3700 km
Aktionsradius: für Abfangjagd ca. 1390 km mit zehn Minuten im Einsatzgebiet, bei Bodenangriff mit drei Präzisionsbomben und sieben Luft-Luft-Lenkwaffen: 1390 km

Bewaffnung: 1 x 27-mm-Mauser-Kanone im Rumpf. 13 Außenlaststationen, davon 5 unter dem Rumpf. Luft-Luft-Lenkwaffen wie AIM-120 AMRAAM, AIM-9 Sidewinder, ASRAAM, IRIS-T, Meteor; Brimstone, Storm Shadow; Lenkbomben wie Paveway GBU-10/16, GBU-32 JDAM, Paveway IV; 3 Zusatztanks (1000 oder 2000 l)

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