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Flugzeugträger „Queen Elizabeth“: Auf großer Fahrt

Flugzeugträger HMS „Queen Elizabeth“ Auf großer Fahrt

Zur Vorbereitung auf den ersten Einsatz im Sommer 2021 hat die HMS "Queen Elizabeth" eine weitere große Trainingsfahrt in der Nordsee absolviert. Mit an Bord waren auch Lockheed Martin F-35B des US Marine Corps aus Yuma.

Garvie Island – eine kleine Felseninsel vor Cape Wrath an der Nordwestspitze Schottlands – war Anfang Oktober 2020 das Ziel von Paveway-IV-Bomben, abgeworfen von Lockheed Martin F-35B der 617 Squadron "The Dambusters" der Royal Air Force und der VMFA-211 "Wake Island Avengers" des US Marine Corps. "Cleared hot" wurden die vom Flugzeugträger HMS "Queen Elizabeth" aufgestiegenen Kampfjets dabei von Soldaten der 148 (Meiktila) Battery Royal Artillery, die die Anflüge von einem Wildcat-Hubschrauber der 847 Naval Air Squadron aus koordinierten und das Ziel mit einem Laser beleuchteten.

Enorme Erfahrung für Nachwuchspiloten

Die ersten Flüge mit scharfen Waffen von der "Queen Elizabeth" aus "waren eine Gelegenheit, alle Systeme des Schiffs und in der Staffel von Anfang bis Ende zu testen, vom Zusammenbau und Laden der Bomben bis hin zum Auslösen am Ziel. Es war eine fantastische Leistung und eine enorme Erfahrung für Nachwuchspiloten ...", erklärte Commander Mark Sparrow, Kommandeur der 617 Squadron, die mit Personal von RAF und Royal Navy aufgebaut wurde.

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Erstmals wurden von der „Queen Elizabeth“ aus auch Einsätze mit scharfen Waffen geflogen.

Selbstverteidigung gegen Angriffe aus der Luft

Angriffe auf Bodenziele war aber nur eines der vielen Übungsszenarien, die die Crew des britischen Flugzeugträgers bei dessen jüngster Testfahrt vom 21. September bis 15. Oktober 2020 bewältigen musste. Es ging auch um die Selbstverteidigung gegen Angriffe aus der Luft. Als Gegner fungierten dabei die schwarz lackierten Hawk-Trainer der 736 Naval Air Squadron aus Culdrose. Diese flogen dafür von RAF Leeming in Yorkshire und vom Aberdeen International Airport in Schottland aus.

US-Staffel bringt Einsatzerfahrung mit

Die anspruchsvolleren Trainingseinheiten absolvierte die "Queen Elizabeth", nachdem die Piloten der F-35B-Staffeln ab dem 22. September zunächst ihre Trägerqualifikation bei Tag- und Nachtstarts- und Landungen aufgefrischt hatten. Während die "Dambusters" erst Anfang Juli von einer vorhergehenden Übungsfahrt zur Heimatbasis zurückgekehrt waren, mussten sich die "Wake Island Avengers" erstmals mit dem britischen Schiff vertraut machen.

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Beim Start der F-35B sind die hinteren Schubdüsen schräg gestellt und der vordere Hubfan ist aktiviert.

Simulatorsitzungen

Sie waren nach einer Quarantänephase wegen der Corona-Pandemie am 3. September von Yuma in Arizona kommend in RAF Marham eingetroffen, wo die britischen F-35B stationiert sind. Erste Aufgabe dort waren einige Simulatorsitzungen, um sich mit den lokalen Verfahren vertraut zu machen. Es folgte die Teilnahme an der regelmäßigen Übung "Point Blank", bei der rund 50 Flugzeuge der RAF (Eurofighter Typhoon, Voyager-Tanker), der US Air Force (F-15E, F-16, B-52 und KC-135 Stratotanker) und der niederländischen Luftstreitkräfte (F-35A) flogen. "Die Übung bot ein ausgezeichnetes Integrationstraining, und diese Integration ist der Schlüssel zu den Lightning-Einsätzen", so Cdr. Mark Sparrow.

Reibungslose Zusammenarbeit

"Wir arbeiteten instinktiv auf dem Schiff zusammen – und der Beweis dafür ist, was wir erreicht haben: Wir gingen von [dem früheren Maximum von] vier Jets auf 15 an Deck", so Commander Sparrow, und Lieutenant Colonel Freshour von der VMFA-211 fügte hinzu: "Vom ersten Tag an war unsere Integration nahtlos", denn "die Flugzeuge funktionierten genau so, wie wir es uns erhofft hatten, und unser Training und unsere Taktik sind die gleichen". Dies bestätigte sich auch nach der Fahrt auf der "Queen Elizabeth", denn die Marine-Corps-Staffel blieb anschließend noch bis Anfang November für die Großübung "Crimson Warrior" der Royal Air Force in Marham.

Führungsschiff eines Flugzeugträgerverbands

Abgesehen von der wichtigen Beteiligung des US Marine Corps war die jüngste Trainingsfahrt die erste Gelegenheit für die "Queen Elizabeth", als Führungsschiff eines Flugzeugträgerverbands zu fungieren. Während der Übung "Joint Warrior" bestand dieser aus drei Zerstörern (einer der US Navy) und drei Fregatten (eine aus den Niederlanden). Für die Versorgung mit Treibstoff, Nahrungsmitteln, Ersatzteilen und Munition waren die RFA "Tideforce" und die RFA "Fort Victoria" eingesetzt. Es war die "stärkste von Europa geführte Seestreitmacht seit fast 20 Jahren", so die Royal Navy stolz.

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Für den effektiven Einsatz benötigt ein Flugzeugträger Begleitschiffe wie Lenkwaffenzerstörer und Versorger.

Zwanzig Jahre Planung

"Es bleibt noch viel zu tun, während wir uns weiter auf unseren ersten operativen Einsatz im nächsten Jahr vorbereiten. Aber eines ist klar: Zwanzig Jahre Planung wurden umgesetzt, und die britische Carrier Strike Group ist nun eine Realität," versicherte deren Kommandeur, Commodore Steve Moorhouse. "(...) ausgerüstet mit Kampfflugzeugen der fünften Generation, ist die HMS Queen Elizabeth in der Lage, zu einem Zeitpunkt und an einem Ort unserer Wahl vom Meer aus zuzuschlagen. Und mit unseren NATO-Verbündeten an unserer Seite werden wir bereit sein, unter den schwierigsten Umständen zu kämpfen und zu siegen," so Moorhouse etwas martialisch. "Carrier Strike bietet Großbritannien Optionen und Flexibilität auf der Weltbühne".

Anfängliche Einsatzbereitschaft im Dezember

Die anfängliche Einsatzbereitschaft des britischen Trägerverbandes wollte die Royal Navy im Dezember 2020 verkünden. Bis zur vollen Einsatzbereitschaft in allen denkbaren Szenarien wird es aber noch bis März 2026 dauern. Billig sind die Ambitionen im Übrigen nicht. Allein der Bau der beiden Flugzeugträger ("Queen Elizabeth" und "Prince of Wales") schlägt mit 6,4 Milliarden Pfund (7,16 Mrd. Euro) zu Buche. Dazu kommen viele Milliarden für die F-35B, neue Crowsnest-Frühwarnhubschrauber und neue Versorgungsschiffe. Außerdem weiß das Verteidigungsministerium laut National Audit Office nicht, wie hoch die langfristigen Betriebskosten sind.