Der NATO jüngstes Mitglied Schweden wird in den kommenden Monaten eine historische Premiere erleben. Zum ersten Mal werden Kampfjets der schwedischen Luftwaffe im Rahmen einer NATO-Operation auf Island stationiert.
Eine Einheit mit Saab JAS 39 Gripen sowie Bodenpersonal der Skaraborgs-Luftflottille (F 7) wird sich von Februar bis Ende März auf dem Flughafen Keflavík nahe der isländischen Hauptstadt Reykjavik einquartieren. Dort werden die schwedischen Piloten Luftverteidigungsaufgaben übernehmen und die arktische Region überwachen. Das Oberkommando des schwedischen Heeres kündigte die Entsendung am Montag an.
Sicherung der Arktis
Die Operation ist Teil der übergeordneten NATO-Strategie zur Sicherung der Arktis. Seit Ende 2024 gehört Schwedens Militär zum neuen NATO-Operationsgebiet JFC Norfolk, das sich von Nordamerika bis zur Grenze zwischen Finnland, Norwegen und Russland erstreckt.
Die Arktis spielt dabei eine zentrale Rolle. Vizeadmiral Ewa Skoog Haslum, Leiterin der schwedischen Operationsführung, betonte die strategische Bedeutung der Mission: "Es ist kein Geheimnis, dass Russland Ambitionen in der Arktis hat. Dass wir jetzt zur Stabilität und Sicherheit in diesem Gebiet beitragen, zeigt, dass Schweden Verantwortung für gemeinsame Luftverteidigungsaufgaben übernimmt." Von den acht arktischen Ländern sind inzwischen sieben NATO-Mitglieder – Russland ist die Ausnahme.
Für die schwedische Luftwaffe ist die Luftüberwachungsmission keineswegs Neuland. Im vergangenen Jahr unterstützte Schweden bereits die Luftverteidigungspräsenz in Polen und sammelte dabei wertvolle Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Allianz unter echter NATO-Kommandostruktur.
Auf Island selbst hat Schweden ebenfalls schon Fuß gefasst. 2024 stationierten schwedische Spezialflugkräfte Aufklärungsflugzeuge auf der Insel, um während des NATO-Gipfels in den USA Luftüberwachung zu betreiben.
Generalmajor Jonas Wikman verweist auf diese bewährte Zusammenarbeit: "Unsere Erfahrung aus den polnischen Einsätzen im vergangenen Jahr zeigt, dass wir sowohl die Fähigkeit als auch die Kapazität haben, unter NATO-Führung zu operieren und zur Einsatzbereitschaft der NATO sowie zur Luftraumüberwachung des alliierten Luftraums beizutragen."
Was genau machen die Jets in der Arktis?
Die Gripen sollen während ihrer Stationierung auf Island "Air Policing" betreiben – die Luftraumüberwachung in ständiger Einsatzbereitschaft. Seit Anfang der 1960er Jahre ist Air Policing ein Eckpfeiler der NATO-Luftverteidigungsstrategie. Der europäische Luftraum ist mit etwa 35.000 täglichen Flugbewegungen einer der am dichtesten genutzten Lufträume der Welt, was die Sicherung besonders kritisch macht.
Spezialisierte Radaranlagen überwachen den Himmel rund um die Uhr. Sollte ein Flugzeug ohne Transponder, ohne Funkverbindung zur Flugsicherung oder ohne Flugplan auftauchen, können NATO-Kampfjets innerhalb von Minuten starten.
Diese Abfangjäger nähern sich dem verdächtigen Flugzeug, identifizieren es visuell und können es in internationalem Luftraum eskortieren oder notfalls zu einer Landung zwingen.
Kontingentführer Oberst Johan Legardt von der Skaraborgs-Luftflottille versicherte, dass die schwedische Einheit gut für diese anspruchsvolle Aufgabe gerüstet sei: "Unsere Kampfflugstaffel ist bestens vorbereitet. Wir verfügen über umfangreiche Erfahrung in der Einsatzbereitschaft, sind mit Winterbedingungen vertraut und können auf verschiedenste potenzielle Bedrohungen reagieren."
Die Entsendung unterstreicht Schwedens gewandeltes Selbstverständnis als vollwertiger NATO-Akteur. Seit dem Beitritt zur Allianz 2024 hat das skandinavische Land seine sicherheitspolitische Ausrichtung grundlegend neu kalibriert. Das Land hat sich von traditioneller Bündnisfreiheit zum aktiven Teilnehmer gewandelt und übernimmt innerhalb der NATO immer mehr Sicherungsaufgaben.





