Indische Suchoi Su-30MKI: Absturz weckt Erinnerung an alte Probleme

Indische Suchoi Su-30MKI
Absturz weckt Erinnerung an alte Probleme

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.03.2026
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Am 5. März ging ein Su-30MKI-Mehrzweckkampfjet der indischen Luftwaffe (IAF) in Assam zu Boden. Bei dem Absturz kamen beide Piloten ums Leben. Informationen über die Ursache des Absturzes gibt es noch keine. Allerdings hat die indische Luftwaffe seit der Einführung der Su-30MKI Probleme mit der Zuverlässigkeit der Maschinen. Indien nutzt die Jets seit knapp 24 Jahren. In dieser Zeit starben durch Unfälle fünf Piloten, insgesamt gingen 13 Su-30MKI verloren.

Lange bekannte Triebwerksprobleme

Die Su-30MKI ist ein zweisitziger, zweimotoriger Mehrzweck-Fighter. Entwickelt wurde die Su-30MKI vom russischen Flugzeughersteller Suchoi, gebaut wurde der Großteil der indischen Jets allerdings von Hindustan Aeronautics Limited (HAL) als Lizenzprodukte in Indien. Seit 2004 sind dort die ersten im eigenen Land hergestellten Exemplare im Dienst. Indien betreibt die Su-30MKI zwar schon seit 2002, die ersten Maschinen waren aber noch in Russland aus dem Werk gerollt.

Bereits kurz nach der Einführung gab es die ersten Probleme mit den Jets. 2015 stand der damalige Verteidigungsminister Manohar Parrikar im Parlament und musste zugeben, dass die Su-30MKI-Flotte unter chronischen Triebwerksproblemen litt.

Zwischen 2013 und 2014 registrierte die indische Luftwaffe 35 Defekte an den NPO-Saturn AL-31FP-Turbofans. Lagerschäden durch Materialermüdung führten dazu, dass sich winzigste Metallteilchen ins Öl mischten und zu Vibrationen, Verschleiß und im schlimmsten Fall zum Verlust des Triebwerks im Flug führten.

Nach etwa 300 bis 500 Flugstunden mussten die Antriebe bereits umfassend gewartet werden. Laut Herstellerangaben sollen die Triebwerke aber mit sehr viel großzügigeren Wartungsintervallen von 1000 Stunden auskommen.

Niedrige Einsatzbereitschaft

Das führte dazu, dass im Jahr 2015 nur 55 Prozent der Su-30MKI-Flotte flugbereit war. Das heißt, fast die Hälfte der Flotte konnte nicht genutzt werden. Die Luftwaffe plante daraufhin, die Klarstand-Quote auf immerhin 70 Prozent zu erhöhen.

Extreme Hitze, die fordernde Umgebung und die operative Last schienen zu viel für die Antriebe. Technische Verbesserungen vom Hersteller sollten Abhilfe schaffen. Diese Maßnahmen wurden in 25 neuen Motoren umgesetzt. Statt nach 500 Stunden traten Fehler nun erst nach rund 900 Stunden auf – also bei weitem näher an den versprochenen 1000 Stunden.

Inwiefern der Absturz Anfang März mit den Triebwerken zusammenhängt, ist unklar. Innerhalb der letzten 30 Jahre hat die IAF über 500 Flugzeuge in Friedenszeiten verloren. Eine der höchsten Zahlen weltweit. Grund dafür waren in der Vergangenheit immer wieder Wartungsprobleme und auch das mangelnde Training der Piloten. Auch diese Faktoren könnten bei dem Absturz der Suchoi eine Rolle gespielt haben.

Weitere Modernisierungen verzögern sich

Das 2024 angekündigte „Super Suchoi"-Projekt, mit dem Indien die Su-30MKI-Flotte weiter modernisieren will, sieht neue AESA-Radarsysteme, die Integration des Brahmos-Marschflugkörpers und weiterer Langstreckenwaffen sowie den Einbau elektronischer Kampfsysteme vor. Damit sollen die Jets mindestens bis 2055 einsatzfähig bleiben.

Etwa 90 Flugzeuge erhalten das Upgrade in zwei Phasen. Erst bekommen die Maschinen neue Avionik und Radaranlagen, danach folgen verbesserte Flugkontrollsysteme. Die erste Phase soll 15 Jahre dauern.

Das Projekt hängt allerdings fest und zwingt Indien dazu, ein russisches Upgrade-Programm zu prüfen, um die Wartezeit zu überbrücken. Seit Februar 2026 fehlt die parlamentarische finale Genehmigung für das heimische Modernisierungsprogramm. Dies führt dazu, dass Indien nun parallel ein russisches Upgrade-Angebot prüft, um die lange Wartezeit zu kompensieren.

Statt selbst zu modernisieren, genehmigte das indische Sicherheitskabinett im Dezember 2024 die Beschaffung von zwölf weiteren Su-30MKI zum Preis von umgerechnet 1,6 Milliarden US-Dollar. Diese Maschinen weisen nach offiziellen Quellen einen heimischen Fertigungsanteil von rund 63 Prozent auf und ersetzen durch frühere Abstürze verlorene Flugzeuge. Die neuen Maschinen sollen bereits mit den geplanten "Super-Suchoi"-Modernisierungen ausgeliefert werden.

Trotzdem Indiens wichtigster Kampfjet

Trotz der Probleme und der ausstehenden Modernisierung, ist die Su-30MKI das leistungsstärkste und wichtigste Kampfflugzeug der indischen Luftwaffe. Bei Gefechtsmanövern besiegte sie F-15C und F-16 der USAF und britische Tornado-Flugzeuge. RAF-Piloten lobten nach der Übung die hervorragende Wendigkeit des Jets.

Auch bei anderen multilateralen Übungen sind die indischen Maschinen regelmäßig beteiligt. In einer echten Gefechtssituation bewährte sich das Flugzeug 2019, als Su-30MKI indische Angriffsjets beim Balakot-Luftschlag gegen Pakistan unterstützten.

2025 kamen die Flugzeuge zur Luftverteidigung gegen Ziele in Pakistan und bei Angriffen auf pakistanische Flugplätze zum Einsatz.