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Irrtum wegen „unglücklicher Umstände“

Patrouille Suisse fliegt übers falsche Dorf

Foto: Stefan Kalm / VBS/DDPS - ZEM (CC BY-NC-ND 3.0)

Die Schweizer Kunstflugstaffel Patrouille Suisse ist eigentlich für ihre Präzision bekannt. Die zeigte sie auch am vergangenen Wochenende – allerdings am falschen Ort: Statt einen Schweizer Flugpionier zu ehren, steuerte sie das Nachbardorf an – und flog dort übers Jodlerfest.

Das beschauliche 1000-Seelen-Dorf Langenbruck im Kanton Basel hat einen berühmten Flieger hervorgebracht: Oskar Bider erblickte dort 1891 das Licht der Welt. 22 Jahre später überquerte er als erster Mensch in einem Flugzeug die Alpen in beiden Richtungen. Vor 100 Jahren, am 7. Juli 1919, stürzte Bider bei einer Flugvorführung in Dübendorf ab und starb. In Langenbruck nahm man den 100. Todestag des Schweizer Flugpioniers am Wochenende zum Anlass, um Seiner mit einer standesgemäßen Feier zu gedenken. Auch die Patrouille Suisse, das Aushängeschild der Schweizer Luftwaffe, war dazu eingeladen. Zu Ehren Biders sollte sie Langenbruck viermal in wechselnden Formationen überfliegen. Die Gemeinde hatte dafür eigens 4500 Schweizer Fanken (ca. 4000 Euro) Versicherungsgebühr an die Luftwaffe bezahlt. Doch die Besucher der Gedenkfeier warteten vergeblich auf die Ehrenformation. Dafür tauchten die sechs rot-weißen F-5E Tiger kurz darauf überraschend im banachbarten Mümliswil auf – dort fand gerade das 31. Nordschweizerische Jodlerfest statt.

Die Jodler freuen sich

Die Jodler und Gäste in Mümliswil staunten sicher nicht schlecht über die unerwartete Darbietung. Gestört hat es sie eher nicht: Die Flugshow habe gut ins Programm gepasst, die Besucher hätten sich gefreut, zitiert die Aaargauer Zeitung den Veranstalter. Für die Gäste der Gedenkfeier in Langenbruck allerdings war das nur ein schwacher Trost – ebenso wie der Umstand, dass die Piloten der Staffel erst nach ihrer Landung auf dem Militärflugplatz Payerne erfuhren, dass sie irrtümlich ins falsche Dorf geflogen waren. Patrouille Suisse-Leader Gunnar „Gandalf“ Jansen, der das Missgeschick zu verantworten hat, bat anschließend um Entschuldigung: „Der Vorfall ist uns peinlich und tut uns leid.“ So eine Panne dürfe nicht passieren, so viel sei klar. Warum aber passierte sie dennoch?

Foto: Patrick Zwerger
Die Patrouille Suisse fliegt seit 1964 - zunächst mit der Hwaker Hunter, seit 1994 mit der F-5E.

Verkettung unglücklicher Umstände

Tatsächlich scheint es, als wären an diesem Tag gleich mehrere unglückliche Faktoren zum Tragen gekommen. So schilderte „Gandalf“ im Nachhinein, dass beim Anflug der Patrouille Suisse auf das Zielgebiet plötzlich ein Hubschrauber in der vom Militär abgesteckten Sperrzone aufgetaucht sei. Von diesem Vorfall abgelenkt, sei er unbemerkt über Langenbruck hinweggeflogen, habe direkt danach jedoch aus der Ferne ein weißes Festzelt entdeckt und sein Team dorthin gelotst. Dass das Zelt in Mümliswil und nicht etwa in Langenbruck stand, war dem Piloten mit 2500 Flugstunden Erfahrung nicht bewusst: Die beiden Dörfer liegen in unterschiedlichen Tälern direkt nebeneinander, die alten „Tiger“ der Patrouille Suisse besitzen jedoch kein GPS an Bord. Die Flugroute wird deshalb vor dem Start mit Lineal und Stift auf einer Karte im Maßstab 1:100.000 eingezeichnet. Vor Ort wird nach Sicht geflogen. Bei einer „gewöhnlichen“ Flugshow steht die Staffel überdies in ständigem Kontakt mit ihrem Kommandanten am Boden, der das Team im Notfall auf einen Navigationsfehler hinweisen könnte. Der geplante Auftritt in Langenbruck sah allerdings nur vier Formationsüberflüge vor – und dafür war bisher kein Kommandant eingeplant gewesen.

Foto: Patrick Zwerger
Die Maschinen der Kunstflugstaffel besitzen kein GPS. Navigiert wird mit Stift, Lineal und Karte. Insgesamt stehen derzeit noch 26 "Tiger" bei der Schweizer Luftwaffe im Einsatz.

Soll nicht mehr vorkommen

Das soll sich von nun an jedoch ändern, wie „Gandalf“ im Gespräch mit der Aargauer Zeitung ankündigt. Ab sofort werde der Kommandant auch bei bloßen Überflügen am Boden präsent sein. Ob der Vorfall für den Leader auch juristisch Konsequenzen nach sich zieht, ist laut Schweizer Medien indes noch offen. Die Militärjustiz prüfe momentan, ob sie eine entsprechende Untersuchung eröffne, heißt es hierzu.

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