Im Rahmen ihrer Luftschutzmission über dem Baltikum haben italienische Streitkräfte Mitte Januar ein bemerkenswertes Flugzeug der russischen Marine abgefangen. Bei dem identifizierten russischen Jet handelte es sich um eine Berijew Be‑200 – ein seltenes Amphibium, das nur in begrenzter Anzahl weltweit im Dienst steht.
Seltene Luftbegegnung über der Ostsee
Am 16. Januar wurden zwei Eurofighter-Jagdflugzeuge der italienischen Luftwaffe alarmiert, die als Verstärkung für eine NATO-Mission auf dem estnischen Luftwaffenstützpunkt Ämari stationiert sind. Die Maschinen sollten ein unbekanntes Luftfahrzeug abfangen, das sich dem Luftraum über der Ostsee näherte. Das Flugzeug, das die Italiener kurz darauf durch den internationalen Luftraum eskortierten, entpuppte sich beim ersten visuellen Kontakt schließlich als Be-200. An der schwarzen Lackierung lässt sich erkennen, dass es sich um eine Maschine der russischen Marine handelte.
Die Berijew Be-200 wurde vom russischen Hersteller Berijew Aircraft Company entwickelt und verkörpert eine moderne Weiterentwicklung der klassischen Wasserflugzeugkonstruktion. Eigentlich ist die Be-200 ein Löschflugzeug, das auch in der Europäischen Union bereits zum Einsatz kam – zuletzt bei den schweren Waldbränden in Griechenland 2021. Dort wurde die Be-200 von Einheimischen auf den Namen "russisches Biest" getauft.
Weltweit nur etwa 15 Maschinen im Einsatz
Die Flotte der Be-200 ist zahlenmäßig allerdings sehr klein. Insgesamt dürften weltweit kaum mehr als 15 von bislang 20 produzierten Maschinen im Einsatz sein, hauptsächlich beim russischen Katastrophenschutz. Exporte beschränkten sich in der Vergangenheit auf einzelne Verkäufe nach Algerien und Aserbaidschan.
Im August 2021 stürzte eine Be-200 in der Türkei ab, wo sie bei der Waldbrandbekämpfung eingesetzt war. Dieses Flugzeug, das die Kennung RF-88450 trug, gehörte der russischen Marine. Bei dem Unglück kamen alle acht Besatzungsmitglieder ums Leben.
Schätzungen zufolge verfügt die russische Marine derzeit über lediglich drei Be-200. Damit ist jede Begegnung mit dem "Biest" eine Seltenheit.

Die Berijew Be-200 ist eigentlich ein Feuerlöschflugzeug. Die russischen Marineflieger nutzen die Be-200 jedoch auch als U-Boot-Jäger.
Anders als die seltene Berijew sind Abfangflüge wie jener am 16. Januar im Baltikum absolut nicht ungewöhnlich. Dort begegnen sich russische und NATO-Militärflugzeuge häufig. Insgesamt absolvierten Kampfjets des westlichen Militärbündnisses im vergangenen Jahr mehr als 500 solcher Alarmflüge.
Die Be‑200 – ein verhinderter Bestseller?
Dass die Be-200 bis dato eine Rarität am Himmel ist, hat indes weniger mit dem Flugzeug selbst zu tun. Als Löschbomber kann sie bis zu zwölf Tonnen Wasser aufnehmen. Dank ihrer Amphibien-Konstruktion ist sie in der Lage, direkt auf Seen und Flüssen zu landen und sich binnen 18 Sekunden selbst wieder mit Wasser "volllaufen" zu lassen, ohne auf einen Flugplatz angewiesen zu sein. Mit ihren Strahltriebwerken ist die Be-200 zudem schneller am Einsatzort als vergleichbare Turboprop-Flugzeuge und hat eine größere Reichweite.
Die Abhängigkeit von ukrainischen D436-Triebwerken führte allerdings ab 2014 zu zunehmenden Schwierigkeiten – und schließlich zu einem faktischen Stillstand des Programms. Viele geplante Exporte – sogar ein Kunde in den USA hatte die Be-200 bestellt – kamen nicht zustande.
Triebwerke sollen künftig aus Russland kommen
Seit 2019 arbeitet Russland an der Umrüstung mehrerer Flugzeugtypen auf einen heimischen Antrieb. Das Awiadwigatel PD-8, das auch beim neuen rein-russischen Superjet zum Einsatz kommen soll, befindet sich allerdings noch immer in der Testphase. Bei der Entwicklung gab es auch im vergangenen Jahr Verzögerungen. Die Zulassung des Superjet SJ-100 mit PD-8-Turbofans soll, nach mehrfacher Terminverschiebung, nun definitiv 2026 erfolgen.
Russlands Industrieminister Anton Alichanow deutete trotzdem an, dass das internationale Interesse an der Be-200 wieder zu wachsen beginne. Gespräche laufen demnach mit mehreren Ländern. Insbesondere aus der Türkei und aus asiatischen Regionen, aber auch aus Lateinamerika soll es positive Resonanz geben. 2028 soll die Serienproduktion mit PD-8 anlaufen. Vorausgesetzt, alles geht nach Plan.





