Bei den großangelegten Militärmanövern "Justice Mission 2025" am 29. Dezember rund um Taiwan setzte die chinesische Luftwaffe laut eigener Aussage den Tarnkappenjäger J-20 "Mighty Dragon" ein. Peking deutet nun an, dass die Maschine von taiwanesischen Luftverteidigungssystemen nicht erfasst wurde und während der gesamten Mission unentdeckt blieb. Die Behauptung stößt allerdings in Taipeh auf Skepsis.
Video zeigt J-20 über unbekanntem Gebiet
Das Ostkommando der Volksbefreiungsarmee veröffentlichte während der zweitägigen Übungen ein Video, das eine J-20 über einer nicht näher bezeichneten Landschaft zeigt. Chinesische Militärbeobachter identifizierten die Region als Umgebung des Pingtung-Stützpunkts im Süden Taiwans.
Die Aufnahmen verbreiteten sich rasch in sozialen Medien, besonders in prochinesischen Kreisen. Einige Accounts spotteten, die taiwanesischen Verteidigungskräfte hätten versagt. Eine unabhängige Bestätigung liegt nicht vor. Weder Taiwans Verteidigungsministerium noch Pekings Militärführung äußerten sich offiziell zu dem Vorfall.

Die Chengdu J-20 war der erste Stealth-Kampfjet aus China. Sie flog erstmals im Januar 2011. Mittlerweile steht eine dreistellige Anzahl im Einsatz.
Luftüberwachung bei der Übung registrierte zahlreiche Maschinen
Die Region im Süden Taiwans beherbergt kritische Militäreinrichtungen. Darunter den flächenmäßig größten Luftwaffenstützpunkt der Insel, die Jiupeng-Anlage für Raketenforschung und -tests, die Dahanshan-Radarstation zur Frühwarnung sowie weitere Kommando- und Ausbildungszentren.

Das Video soll den Jet vor der taiwanesischen Küste zeigen.
Taiwans Streitkräfte registrierten während der Manöver zwar zahlreiche chinesische Kampfjets, darunter die hochmoderne J-16. Eine taiwanesische F-16 Viper konnte sogar eine J-16 mit dem AN/AAQ-33 "Sniper"-Zielbehälter verfolgen; ein Nachweis der Fähigkeit, feindliche Bewegungen zu überwachen. Doch eine J-20-Sichtung wurde nicht öffentlich gemacht.
Taipeh vermutet gezielte Propaganda aus Peking
Einige Analysten vermuten hinter dem Video allerdings Desinformation, um Taiwan und dessen westliche Verbündete einzuschüchtern. Der taiwanesische Abgeordnete Wang Ting-yu von der regierenden Partei DPP wies die Behauptung zurück, das Video zeige Taiwan. Stattdessen sei das Video wohl in der Provinz Guangdong auf dem Festland gedreht worden. Die Landschaft sei dort ähnlich.
Der pensionierte taiwanesische Luftwaffengeneralleutnant Chang Yen-ting äußerte sich hingegen besorgt über die technischen Möglichkeiten Taiwans. In einer Fernsehsendung erklärte er, Taiwan verfüge nicht über die erforderliche Radartechnologie zur Erfassung von Tarnkappenjets.
"Wir haben nur Phased-Array-Radar zur Flugzeugerkennung, auch bekannt als Doppler-Radar, das normalerweise zur Erkennung von Nicht-Tarnkappenflugzeugen verwendet wird, aber nicht für Tarnkappenflugzeuge", sagte er. Für die J-20 fehle Taiwan die notwendige Quantenradar-Technologie.
Falls die J-20 tatsächlich unentdeckt operieren kann, hätte Chinas Luftwaffe einen erheblichen Vorteil. Das Kampfflugzeug könnte taiwanesische Maschinen aufspüren und angreifen, bevor es selbst erfasst wird.
Zudem könnte die J-20 hochwertige Ziele wie Frühwarnflugzeuge und Tankflugzeuge eliminieren, was die taiwanesische Luftwaffe erheblich schwächen würde. Ihre ausgefeilten Sensorsysteme ermöglichen die Datenintegration von befreundeten Einheiten, darunter Drohnen, Satelliten und elektronische Kampfführungssysteme.
Fraglich ist jedoch, ob China riskieren würde, dass die USA durch einen Flug in oder in der Nähe von taiwanesischem Territorium weitere Informationen über den Tarnkappenjet sammeln könnten.





