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Jahresbericht des Wehrbeauftragten

Weiter Materialprobleme bei der Bundeswehr

Airbus A400M der Luftwaffe Foto: Bundeswehr/A. Bienert

Der Wehrbeauftragte des Bundestags beleuchtet auch in seinem aktuellen Jahresbericht zahlreiche Probleme mit den Flugzeugen und Hubschraubern der Bundeswehr.

Laut Hans-Peter Bartels mangelt es in allen Bereichen weiter an Material. „... weniger als die Hälfte der Eurofighter und Tornados flugfähig und auf ein Minimum reduzierte Munitionsbestände – diese Lage wirkt sich nicht nur auf Einsatz und einsatzgleiche Verpflichtungen aus, es leiden vor allem Ausbildung und Übung“.

Auch die Ersatzteillage hat sich laut Bericht nicht verbessert, und viel zu lange Wartezeiten bei Industrieinstandsetzungen sind mittlerweile die Regel. „ Eine Rückkehr zur umfassenden Ersatzteilbevorratung und maßvolles Insourcing, um künftig weniger auf die ökonomische Rationalität privatwirtschaftlicher Firmen angewiesen zu sein, könnten die Lage verbessern“, so Bartels.

Da der Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme für das Berichtsjahr 2018 noch nicht verfügbar ist zeigt der Jahresbericht nur exemplarisch eine ganze Reihe von Problemfeldern auf.

Beschafftung der C-130J positiv bewertet

So hat das Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf den fünfundzwanzigsten A400M in Empfang genommen. Die Auslieferung der restlichen 28 Maschinen soll aller Voraussicht nach sukzessive in den nächsten sieben oder acht Jahren erfolgen. Im Berichtsjahr war die Gesamtflotte des A400M nur zu unter 50 Prozent einsatzbereit. Parallel ist jetzt von Nachrüstungs- beziehungsweise Umrüstungsmaßnahmen die Rede, etwa für den Schutz gegen Raketen, was erneute Ausfälle mit sich bringen wird.

Für Transportaufgaben will die Luftwaffe gemeinsam mit der französischen Armée de l'Air sechs C-130J Hercules beschaffen.

Positiv sie zu bewerten, dass die Bundeswehr sechs Lockheed Martin Typ C-130J Hercules zur gemeinsamen Nutzung in einem französisch-deutschen Verband beschafft. Der Vertrag umfasst auch die Lieferung von Ersatzteilen, die Wartung in den ersten drei Jahren sowie die Erstausbildung des technischen und fliegerischen Personals. Das ist eine ganzheitliche Vertragsgestaltung, die Schule machen sollte.

Hubschrauber bleiben Mangelware

Hubschrauber sind laut Bericht wie im vergangenen Jahr immer noch Mangelware. Die Anzahl der tatsächlich einsatzbereiten Hubschrauber NH-90, Tiger und CH-53 bewegt sich seit Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. Hinweise auf wesentliche Verbesserungen sind nicht erkennbar. Neben dem Mangel an Ersatzteilen sind die Instandsetzungskapazitäten ein Nadelöhr. Hinzu kommen Nachrüstungsvorhaben.

Vom Gesamtbestand der Kampfflugzeuge Eurofighter und Tornado war im Berichtsjahr weniger als die Hälfte der Maschinen tatsächlich flugfähig. Der neue Inspekteur der Luftwaffe selbst zeichnete Mitte des Jahres ein düsteres Bild. Fehlende Ersatzteile und Verzögerungen im Zulassungsprozess seien mit ursächlich für die unzureichende Einsatzbereitschaft der Kampfjets. Das Verteidigungsministerium verweist unter anderem auf einen Unterstützungsvertrag zu Ersatzteilen, der künftig die Versorgung der Eurofighter grundsätzlich sicherstellt. Allerdings befinde sich die Umsetzung noch in der Konsolidierungsphase.

Ernüchternde Bilanz: Nur knapp die Hälfte aller Eurofighter der Luftwaffe war 2018 flugfähig.

Nach wie vor fehlen dem seit 2004 in die Luftwaffe eingeführten Waffensystem Eurofighter wichtige Fähigkeiten, um unter allen Anfechtungen als Multirole-Kampfflugzeug bestehen zu können. Die dafür erforderlichen Nachrüstungen werden auf Jahre hin den einsatzfähigen Bestand an Luftfahrzeugen in den Geschwadern reduzieren.

Ausbildungsmöglichkeiten einschränkt

Nicht nur die Einsatzverpflichtungen, sondern auch die Notwendigkeit, gleichzeitig die Waffensystemausbildung der jungen Luftfahrtbesatzungen und die Aus- und Weiterbildung der Besatzungen sicherzustellen, erfordern gesteigerte Bemühungen. Die beschriebenen deutschen Probleme beim Eurofighter haben andere Nutzernationen so offenbar nicht. Hier sollte eine Angleichung von Standards und Verfahren möglich sein, so Bartels.

Die geringe Verfügbarkeit von Hubschraubern und anderen Luftfahrzeugen führte in diesem Berichtsjahr erneut zu einer unzureichenden Versorgung der Pilotinnen und Piloten mit Flugstunden. Das kann zum Verlust der Fluglizenzen und zu einer steigenden Zwischenfallrate aufgrund von Fehlern führen. Die NATO-Vorschriften sehen für den Erhalt der erforderlichen Fähigkeiten 140 Realflugstunden und 40 Simulatorstunden vor. Tatsächlich kämen die Piloten der Bundeswehr auf durchschnittlich etwa 90 Realflugstunden und 35 Simulatorstunden, so Bartels nach einem Truppenbesuch.

17 neue NH 90-Piloten bräuchte die Bundeswehr pro Jahr, um ihren Bedarf zu decken. 2018 waren es allerdings nur sieben.

Was die Heeresflieger betrifft wurde bereits im Jahr 2015 bei einem Truppenbesuch beim Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg darauf hingewiesen, dass durch die Reduzierung von 14 auf acht Hubschrauber NH90 der bestehende Bedarf an Flugstunden in der Ausbildung nicht vollständig gedeckt werden kann. Bis heute stehen nicht genügend NH-90 zur Verfügung, um die für die Bundeswehr mittel- und langfristig notwendige Zahl an Piloten auszubilden. Um genügend einsatzfähige NH-90-Besatzungen zu haben, müsste die Bundeswehr jährlich 17 NH90-Piloten ausbilden. Im letzten Jahr waren es nur neun,2017 sogar nur sieben.

Der im Vorjahr positive Trend der materiellen Einsatzbereitschaft des CH-53-Hubschraubergeschwaders 64 in Laupheim und Schönewalde/Holzdorf setzte sich nicht fort. Erhöhtes Störungsaufkommen auf Grund des Waffensystemalters, des Fehls von Ersatzteilen, des Afghanistan-Einsatzes sowie Schwierigkeiten bei der Bindung von luftfahrzeugtechnischem Personal, witterungsbedingte Flugstundenausfälle in nicht unerheblicher Zahl und der Ausfall eines zivilen Instandsetzers waren die Ursachen. Auch hier waren die notwendigen Flugstunden für die Piloten nicht gesichert.

Die geplante Anschaffung einer größeren Anzahl eines zusätzlichen, marktverfügbaren, bereits in die Bundeswehr eingeführten handelsüblichen, preisgünstigen und leichten Verbindungs- und Unterstützungshubschraubers für alle Hubschrauberverbände von Heer, Luftwaffe und Marine könnte helfen, die Flugstundenmisere zu beseitigen. Dazu braucht es schnelle, konsequente Entscheidungen, keine Zehn-Jahre-Standard-Auswahlprozedur. Die Anmietung von Flugstunden beim ADAC (Heer), bei der Motorflug Baden-Baden GmbH (Internationales Hubschrauberausbildungszentrum), DL Helicopter Technik GmbH (Marine) und HTM Helicopter Travel Munich GmbH (Luftwaffe) kann kurzfristig helfen, ist aber keine Dauerlösung für die Bundeswehr.

Auch die Lage für den Nachwuchs auf dem Waffensystem Tornado scheint alles andere als zufriedenstellend zu sein. Nach dem Umzug der taktischen Fliegerausbildung aus den USA nach Deutschland berichteten mehrere Soldaten von einer schwierigen Ausbildungssituation. Nicht nur, dass sie beim Taktischen Luftwaffengeschwader 51 in Jagel in viel zu kleinen Schulungsräumen unterrichtet würden. Für den zweiten Simulator fehle noch immer ein Gebäude. Auch die Anzahl der Simulatoren und der Ausbilder decke nicht ansatzweise den Bedarf, weshalb es zu Verzögerungen in der Ausbildung komme. Damit verbunden sei ein Wegfall der Fliegerzulage.

Auch die Tornado-Ausbildung gestaltet sich seit dem Umzug aus den USA nach Jagel schwierig.

Große Lücken beim Personal

Die Luftwaffe hat insgesamt nach wie vor Probleme, die Lücken bei den Offizieren des fliegerischen Dienstes Jet (Soll: 204; Ist: 131; Besetzungsgrad: 64 Prozent) und bei den Offizieren des fliegerischen Dienstes Lufttransport (Soll: 189; Ist: 116; Besetzungsgrad: 61 Prozent) zu schließen.

Aber auch die Vakanzen im kleinen Segment des fliegerischen Dienstes für unbemannte Luftfahrzeuge sind – wenn auch nur prozentual – immer noch sehr beachtlich, sowohl bei Offizieren des Militärfachlichen Dienstes (Soll: 7; Ist: 1) als auch bei Offizieren des Truppendienstes (Soll: 34; Ist: 16; Besetzungsgrad: 47 Prozent).

Auffällig ist das Fehl im Bereich des Einsatzführungsdienstes von annähernd 600 Soldatinnen und Soldaten (Soll: 2.614; Ist: 2.044; Besetzungsgrad: 78 Prozent). Aber auch bei den Fluggerätetechnikern für das jetzt zulaufende Transportflugzeug A400M sind die Lücken noch eklatant (Soll: 167; Ist: 83; Besetzungsgrad: 50 Prozent).

Die Schwierigkeit, Fachkräfte zu finden, zeigt sich bei den Unteroffizieren der Luftwaffe in vielen unterschiedlichen Bereichen, vom Flugbegleitpersonal über Stabsdienstsoldaten bis hin zum Elektronik-Fachpersonal. So sind im Bereich der Elektronik-Instandsetzung in den Werften gerade einmal vier von 18 Dienstposten besetzt (Besetzungsgrad: 22 Prozent).

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