Das Tiger-Demo-Team mit seiner Lockheed Martin F-16C Fighting Falcon ist der Stolz der polnischen Luftwaffe. Seit 2023 flog Major Maciej "Slab" Krakowian den Kampfjet im In- und Ausland vor. Am 28. August startete er im polnischen Radom in der Abenddämmerung zu einem Übungsflug für die dortige Airshow am kommenden Wochenende. Gegen 19:25 Uhr Ortszeit setzte er zu einem Looping an und blieb beim kompletten Manöver im Nachbrenner-Modus des Triebwerks. Für eine erfolgreiche Ausleitung des Kreises fehlte jedoch die nötige Höhe, sodass das Flugzeug flach auf dem Boden aufschlug und in einem Flammenball nach vorne über das Flugplatzgelände raste.
Der Pilot betätigte seinen Schleudersitz nicht und kam bei dem Unglück ums Leben. Am Boden gab es keine Verletzten. Die Flugschau in Radom wurde mittlerweile abgesagt. Das Display-Team gehört zum 2. Taktischen Jagdgeschwader und ist auf dem Fliegerhorst Poznañ/Krzesiny beheimatet. Zuvor war das Demo-Team am vergangenen Wochenende in Frankreich auf dem Flugtag in Albert aufgetreten. Auch hier flog Krakowian den Looping mit vollem Nachbrenner, setzte ihn aber augenscheinlich höher an.
Erster schwerer Unfall
Die polnische Luftwaffe hatte zwischen 2006 und 2008 insgesamt 48 fabrikneue F-16C/D Block 52+ erhalten. Die Jets sind in Lask und Poznañ stationiert. Bis dato war kein schwerer Unfall zu beklagen. Polen hat erst vor kurzem die umfangreiche Modernisierung der Fighting Falcon beschlossen. Die gesamte Flotte erhält unter anderem ein Radar mit elektronischer Strahlschwenkung, neue Avionik und zusätzliche Waffen.
Problematisches Manöver
In der Vergangenheit ist es immer wieder zu Abstürzen und Beinahe-Unglücken bei Looping-Manövern gekommen. Bei der Durchführung des Manövers passiert der Pilot Schlüsselpunkte, an denen bestimmte Parameter wie Höhe und Geschwindigkeit erreicht sein müssen. Verfehlt er diese, muss er versuchen, das Manöver abzubrechen. Ist beispielsweise die Geschwindigkeit an einem Punkt zu hoch, reicht die normal vorgesehene Höhe nicht mehr aus. Im Fall der verunglückten F-16 liegt das Flugzeug im oberen Scheitelpunkt auf dem Rücken, hat aber noch sehr viel kinetische Energie, wie ein ehemaliger Rafale-Pilot in einem Video erklärt.
Erschwert die Flugsteuerung die Rettung?
Der ehemalige französische Marineflieger bringt auch einen weiteren Aspekt ins Spiel: die modernen, digitalen Flugsteuerungen erlauben seiner Aussage nach zum Schutz der Flugzeugstruktur keine extremen Steuereingaben mehr. Der Pilot kann so stark an seinem Steuerknüppel ziehen, wie er will, aber das System gibt nur den Input innerhalb der festgelegten Limits frei. Somit verhindert die Software ein "Überziehen". Extreme Notmanöver scheinen so aber nicht mehr möglich zu sein. Die endgültige Ursache des Absturzes in Radom dürfte indes die umfassende Untersuchung klären.