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Kleine Flotte, große Leistung

F-22 Raptor: Der beste Fighter der Welt

Hickam F-22 Arrival Foto: US Air Force

Nur 177 Serienflugzeuge des mit Abstand besten Jägers der Welt wurden für die US Air Force bis 2012 gebaut. Das Kronjuwel muss nun für die kommenden Jahrzehnte in Topform gehalten werden.

Genauso wie die Miniflotte von B-2A-Stealth-Bombern nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommt, schickt die US Air Force ihre F-22A Raptor nur sehr sporadisch an die Front. Nach den ersten Lieferungen dauerte es daher über zehn Jahre bis zur ersten Kampfmission. In den frühen Morgenstunden des 23. September 2014 war es dann soweit, als vier wahrscheinlich in Al Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationierte F-22A des 1st Fighter Wing zur ersten Angriffswelle auf IS-Stellungen in Syrien gehörten. Mit einer GBU-32 (450 Kilogramm schwere JDAM/Joint Direct Attack Munition) wurde ein Kommandozentrum des IS in Ar-Raqqah getroffen, darüber hinaus sorgten die Raptors für den Begleitschutz von B-1B-Bombern. Weitere Flüge über dem Kampfgebiet folgten in den nächsten Tagen. Bis Juli 2015 kamen 204 Einsätze zusammen, bei denen 270 Bomben auf 60 Ziele abgeworfen wurden. Im November 2017 war die F-22 erstmals auch über Afghanistan im Einsatz. Über Syrien wurde sie im Februar 2018 wieder verwendet.

F-22A Raptor DEMO TEAM Foto: US Air Force
Die F-22 führt ihre Bewaffnung intern mit. Waffenschächte dafür gibt es unten und seitlich am Lufteinlauf.

Vom Luftüberlegenheitsjäger zum Mehrzweck-Fighter

Die Luft-Boden-Rolle mit Präzisionsbomben wird auch künftig wichtig sein, obwohl der Kampfjet einst als ultimativer Luftüberlegenheitsjäger konzipiert wurde. Die ersten konkreten Schritte der USAF für die Entwicklung eines Nachfolgers der F-15 Eagle lassen sich dabei bis Anfang der 1980er Jahre zurückverfolgen. Das neue Muster sollte unter anderem eine extrem geringe Entdeckbarkeit sowohl im Radar- als auch im Infrarotbereich bieten (Stealth), die Fähigkeit zum Supercruise (Überschallflug ohne Nachbrenner) haben und trotzdem eine hohe Wendigkeit (inklusive Schubvektorsteuerung) aufweisen. Dafür waren auch neue Triebwerke notwendig. Aufträge für entsprechende Demonstratorprogramme gingen im September 1983 an Pratt & Whitney (YF119) und General Electric (YF120). Zum selben Zeitpunkt erhielten auch Boeing, General Dynamics, Grumman, McDonnell Douglas, Northrop und Rockwell Studienaufträge für einen Advanced Tactical Fighter (ATF). Im Anschluss daran erging im September 1985 eine Angebotsaufforderung. Als Modelle für eine vergleichende Flugerprobung wurden im Oktober 1986 die Lockheed Martin/Boeing/General Dynamics YF-22 und die Northrop/Grumman/McDonnell Douglas YF-23 ausgewählt.

Foto: US Air Force
177 Serienflugzeuge für die US Air Force wurden gebaut. Ein Export des Flugzeugs scheiterte am Veto des US-Kongresses - und an den hohen Kosten.

Sieger im ATF-Kampfjetwettbewerb

Die beiden YF-22-Technologieträger starteten am 29. September und 30. Oktober 1990 zu ihren Jungfernflügen. Sie waren mit YF120- beziehungsweise YF119-Triebwerken bestückt und absolvierten ein umfangreiches Flugtestprogramm inklusive dem Verschuss von Lenkwaffen. Am 23. April 1991 gab das Pentagon schließlich die F-22 als Sieger des Wettbewerbs bekannt. Ein Entwicklungsvertrag für die mit diversen Verfeinerungen versehene Serienversion wurde am 2. August unterzeichnet und umfasste neun Prototypen. Der erste hatte im April 1997 in Marietta sein Roll-out und flog, mit Paul Metz im Cockpit, am 7. September zum ersten Mal. Wegen technischer Probleme kam die Erprobung zunächst nicht auf Touren, doch 2004 wurden dann fast 2000 Stunden geflogen.

F-22 Raptor Foto: US Air Force
Mittels großer Klappen kann die F-22A den Schubstrahl der beiden F119-Triebwerke nach oben und unten ablenken. Das verschafft ihr herausragende Manövrierleistungen.

Vollständig einsatzbereit

Die Lieferung von Serienflugzeugen begann im September 2003. Sie gingen an die Ausbildungsstaffel in Tyndall und wurden für die verzögerte Truppenerprobung verwendet, die man im Herbst 2004 abschloss. Erster Einsatzverband des Raptor war der 1st Fighter Wing in Langley AFB, er erhielt seine F-22A ab Mai 2005. Der Verband erreichte seine vorläufige Einsatzbereitschaft im Dezember 2005 und die volle Einsatzbereitschaft am 12. Dezember 2007.

Hickam F-22 Arrival Foto: US Air Force
Mit Zusatztanks fliegt die F-22A etwa 3000 Kilometer weit. Für Kampfeinsätze wird sie nur selten herangezogen.

Horrende Kosten sorgen für Ärger

Ursprünglich wollte die US Air Force 750 ATF beschaffen, doch die Stückzahl schrumpfte angesichts der hohen Kosten (Stückpreis mindestens 143 Mio. Dollar) im Laufe der Jahre immer mehr zusammen. Der Streit um die weitere Produktion kostete 2009 sogar den Chief of Staff der USAF sein Amt. Verteidigungsminister Robert Gates begrenzte am 6. April 2009 die Beschaffung auf 187 Flugzeuge (ohne Prototypen). Die Gesamtkosten für das Programm wurden Ende 2010 mit 67 Milliarden Dollar (59 Mrd. Euro) kalkuliert.

Foto: US Air Force
Über Syrien flog die F-22A am 23. September 2014 ihren ersten scharfen Einsatz - mehr als zehn Jahre nach ihrer Indienststellung.

Startet die Serienfertigung wieder?

Die Lieferung der F-22A endete am 2. Mai 2012 mit der offiziellen Übergabe der „10-4195“ im Werk Marietta, Georgia. Auf Exportkunden konnte Lockheed Martin nie wirklich hoffen, da die Ausfuhr des Raptors vom US-Kongress untersagt wurde. Neuerdings gibt es allerdings Vorschläge des Unternehmens, die F-22 als Basis eines neuen Stealth-Fighters für Japan zu nutzen. In diesem Zusammenhang wird wohl auch versucht, der US Air Force eine Wiederaufnahme der Produktion schmackhaft zu machen. Natürlich würden die neuen Raptors bessere Systeme, insbesondere der F-35, nutzen, und auch die Schwachpunkte von Zelle und Stealth-Beschichtung würden reduziert. Ob es dazu kommt, ist aber ungewiss.

Red Flag 11-3 Foto: US Air Force
Auf die Entwicklung eines Raptor-Doppelsitzers wurde verzichtet. Es gibt allerdings immer wieder Bestrebungen, die Produktion der F-22A wiederaufzunehmen.

Technische Daten der Lockheed Martin F-22A Raptor

Hersteller: Lockheed Martin, Marietta, Georgia, USA
Besatzung: 1
Antrieb: 2 x Pratt & Whitney F119-PW-100
Schub: 2 x 155 kN mit Nachbrenner

Länge: 18,92 m
Höhe: 5,08 m
Spannweite: 13,56 m
Flügelfläche: 78 m²

Leermasse: 19660 kg
Kraftstoffkapazität: 8165 kg
Zusatztanks: 4 x 2270 l
Außenlasten: 9070 kg
max. Startmasse: 37875 kg

max. Fluggeschwindigkeit: Mach 2.0
max. Geschwindigkeit ohne Nachbrennereinsatz: Mach 1.58
Dienstgipfelhöhe: über 15000 m
Einsatzradius: ca. 1110 km
Überführungsreichweite: 2975 km
Lastvielfache: + 9 g

525 FS drops big bombs Foto: US Air Force
Der Waffenschacht im Rumpf nimmt zwei JDAM-Bomben und vier AIM-120 AMRAAM auf. Extern kann die F-22 mit AIM-9M Sidewinder und weiteren AMRAAMS bestückt werden.

Bewaffnung:
Die F-22 hat eine 20-mm-RevolverkanoneGeneral Electric M61A2 mit 480 Schuss. Interne Waffenschächte gibt es unten im Rumpf und seitlich am Lufteinlauf. Dazu kommen vier Außenlastträger. Typische Waffenkombinationen sind – im Luftüberlegenheitseinsatz: 2 x AIM-9M oder AIM-9X Sidewinder und 6 x AIM-120C AMRAAM; im Luft-Boden-Einsatz: 2 x AIM-9M oder AIM-9X Sidewinder und 2 x AIM-120C plus 2 x GBU-32 JDAM (450-kg-Lenkbombe) beziehungsweise 8 x SDB (Small Diameter Bomb, je 113 kg); mit Außenlasten: 2 x AIM-9M Sidewinder und 10 x AIM-120C plus 2 Tanks (je 2270 l)

Kunden:
US Air Force – 177 Serienmaschinen plus 18 Versuchsflugzeuge (EMD und PRTV) sowie 2 YF-22

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