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Lockheed Martin C-130J

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Die Hercules wurde schon immer für viele Aufgaben eingesetzt. Auch vom aktuellen Modell C-130J haben die US-Streitkräfte nun über ein halbes Dutzend Sonderausführungen im Einsatz.

Mit fast 2500 gebauten Flugzeugen ist die Lockheed Martin C-130 seit sechs Jahrzehnten der Klassiker unter den Militärtransportern. Neben den routinemäßigen Frachtflügen hat die Hercules aber schon immer vielfältige Aufgaben erfüllt, von der Luftbetankung über die elektronische Aufklärung bis hin zu Kampfeinsätzen mit seitlich feuernden Kanonen. Für die verschiedenen Anforderungen der Militärs hat der Hersteller mehr als 70 Versionen des Turboprop-Musters entwickelt. Die Tradition wird auch beim aktuellen Grundmodell C-130J fortgesetzt.

Diese mit neuen Rolls-Royce-Triebwerken (AE2100D3 mit Achtblattpropeller) und aktueller Avionik (große Bildschirme und Head-up-Display im Cockpit) entwickelte Version startete am 5. April 1996 zum Erstflug, doch wegen diverser technischer Probleme verlief die Truppeneinführung zunächst zäh. So dauerte es seine Zeit, bis die amerikanischen Streitkräfte auch Sonderausführungen der „Super Hercules“ ins Beschaffungsprogramm aufnahmen. Inzwischen wurde von der J-Version aber über ein halbes Dutzend Varianten abgeleitet. Sie ersetzen nach und nach ihre in die Jahre gekommenen Vorgänger, die auf den Hercules-Baureihen E und H basieren.

AC-130J GHOSTRIDER

Die aktuellste Entwicklung betrifft die AC-130J, die als vierte Generation des „Gunship“ alternde AC-130H/U/W des Air Force Special Operations Command ersetzen soll. Ein Prototyp wurde auf der Eglin Air Force Base in Florida entsprechend ausgerüstet. Er hat am 31. Januar 2014 seinen Erstflug absolviert, der rund dreieinhalb Stunden dauerte. Eine zweite Maschine befindet sich derzeit in der Umrüstung. Nach der Truppenerprobung, die im Sommer 2015 beginnen soll, wird die Einsatzbereitschaft des Ghostrider für 2017 angestrebt. Als Erstes soll der 27th Special Operations Wing in Cannon AFB ausgerüstet werden. Derzeit ist die Beschaffung von 32 fliegenden Kanonenbooten vorgesehen, wofür Kosten von 2,4 Milliarden Dollar (1,85 Mrd. Euro) veranschlagt werden.

Technisch gesehen basiert die AC-130J auf der MC-130J Commando II. Diese ist mit dem sogenannten Precision Strike Package (PSP) ausgerüstet, das bereits für die AC-130W Stinger II entwickelt wurde. Zum PSP gehören eine Bedienkonsole, zusätzliche Funksysteme und Avionik für die Waffensteuerung. Zwei Sensorbehälter mit TV und Infrotkameras sorgen bei Tag und Nacht für den Überblick. Als Bewaffnung ist eine seitlich feuernde 30-mm-Bushmaster-Kanone eingebaut. Dazu kommen Präzisionsbomben des Typs GBU-39 (GPS-Steuerung) sowie die kleine, knapp 20 Kilogramm schwere Lenkwaffe AGM-176 Griffin von Raytheon und eventuell die Hellfire.

So ausgerüstet, soll die AC-130J für die ausdauernde Luftnahunterstützung, für die Begleitung von Konvois oder für Überwachungsaufgaben und Angriffe auf vorgeplante Ziele eingesetzt werden. Auch in besiedelten Gebieten sei der Ghostrider brauchbar, so die USAF.

EC-130J COMMANDO SOLO

Während die AC-130J noch in Entwicklung ist, steht die EC-130J bereits seit September 2004 bei der 193rd Special Operations Squadron der Pennsylvania Air National Guard im Einsatz. Sieben Commando Solo wurden beschafft. Sie sind mit großen Antennen unter den Tragflächen und am Seitenleitwerk bestückt, um auf verschiedenen Frequenzen Fernseh- und Radiosendungen abstrahlen zu können. Unter dem unverfänglichen Titel „Military Information Support Operation“ erlauben sie die psychologische Kampfführung im Einsatzgebiet, wie zum Beispiel bei der Operation in Libyen im Jahr 2011. Darüber hinaus werden die EC-130J auch für das Absetzen von Fallschirmjägern und den Lastenabwurf verwendet.

HC-130J

Bei der US-Küstenwache war die neue Hercules ab Oktober 2003 zunächst als Transporter im Einsatz. Im Februar 2008 wurde dann das erste mit einem Missionssystem ausgestattete Flugzeug übernommen. Zur Ausrüstung gehören nun zwei Bedienkonsolen hinter den Piloten, ein Sensorbehälter unter der Nase (FLIR System Star Safire III mit TV und Infrarot) und ein Seeüberwachungsradar Elta EL/M2022 unter dem Rumpf. Damit ist die HC-130J für Such- und Rettungsaufgaben ebenso gerüstet wie für Eispatrouillen oder die Suche nach Schmugglerbooten im Pazifik.

Die derzeit sechs HC-130J sind alle in Elizabeth City, North Carolina, stationiert. Drei weitere Flugzeuge wurden im Oktober 2012 bestellt. Sie sollen 2016 geliefert werden und sind für die Station in Barbers Point auf Hawaii vorgesehen. Insgesamt will die Coast Guard bis Mitte der 2020er Jahre 22 Maschinen beschaffen, um alle 23 HC-130H zu ersetzen, die noch im Dienst stehen. 

HC-130J COMBAT KING II

Ebenfalls unter der Bezeichnung HC-130J läuft eine Hercules-Version der US Air Force, die für die Rettung von abgeschossenen Crews aus dem Kampfgebiet vorgesehen ist. Dazu kann sie entweder auf unvorbereiteten Pisten landen oder als Tanker Rettungshubschrauber wie die HH-60G Pave Hawk ins Zielgebiet begleiten. Auch Lastenabwürfe sind möglich. Ihre gefährlichen Aufgaben erledigen die Combat Kings vornehmlich nachts. Deshalb sind sie unter anderem mit einem FLIR-Sensor unter der Nase ausgerüstet. Auch dem Selbstschutz wird hohe Priorität beigemessen. 

Die HC-130J startete am 29. Juli 2010 zum Erstflug. Nach dem Testprogramm bei Lockheed Martin in Marietta begannen die Lieferungen nach Davis-Monthan AFB im September 2011. Ab 2012 war die 79th Rescue Squadron einsatzbereit. Langfristig sollen etwa 75 Combat King II beschafft werden, um die   HC-130P/N zu ersetzen.

Weitere Versionen

KC-130J

Neben der Air Force hat auch das US Marine Corps die Erneuerung seiner Hercules-Flotte in Angriff genommen. Hier geht es um den Ersatz der Tankerversionen KC-130F/R/T. Die KC-130J flog bereits am 9. Juni 2000 zum ersten Mal. Fortdauernde Probleme mit den Mk-32B-Schlauchbehältern von Flight Refuellling erforderten jedoch eine Umstellung auf die bewährten Behälter von Sargent Fletcher, so dass die Einsatzbereitschaft erst im September 2004 erreicht wurde. Ab Februar 2005 war die KC-130J dann im Irak im Einsatz.

Die KC-130J werden bei den Marines nicht nur als Tanker, sondern auch für den Soldaten- und Frachttransport verwendet und sind deshalb für die Versorgung von Marine Expeditionary Units (MEU) unverzichtbar. Dies führt zu einem hohen Einsatztempo der Staffeln und hat die Planer bewogen, die Zahl der langfristig benötigten Flugzeuge von 51 auf über 100 zu erhöhen.

Zehn ihrer KC-130J hat das Marine Corps unter dem Progammnamen „Harvest HAWK“ (Hercules Airborne Weapon Kit) für Kampfaufgaben modifiziert. Dafür sind zusätzliche Verkabelungen nötig, die die Aufnahme einer Konsole für zwei Bediener ermöglichen. Als Sensor wird ein AN/AAQ-30-TSS-Behälter am rechten Zusatztank montiert. Außerdem wird der Außenlastträger links außen für die Aufnahme von bis zu vier Hellfire-Lenkwaffen umgebaut (er trägt sonst einen Zusatztank). Hinzu kommt in der Kabine ein Starter für die AGM-175 Griffin. Nach einem schnellen Entwicklungsprogramm wurde die Harvest HAWK von Oktober 2010 bis Februar 2011 in Afghanistan eingesetzt. Die VMGR-352 flog dabei 95 Missionen und feuerte 74 Hellfires und 13 Griffins ab. Die zehnte Harvest HAWK ging am 5. Juni an das US Marine Corps.

LC-130J

Diese Bezeichnung gilt für Hercules, die mit Skiern am Fahrwerk ausgerüstet sind, um Versorgungsflüge in der Antarktis durchzuführen. Verwendet werden sie vom 109th Airlift Wing der Air National Guard in Scotia, New York.

MC-130J COMMANDO II

Die MC-130J ist ein Tanker für die US Air Force, deren Aufgabe vor allem in der Unterstützung von Spezialkräften besteht. Dafür wird vornehmlich nachts geflogen, um Hubschrauber und die CV-22 Osprey zu betanken. Die Ausrüstung entspricht in etwa der der HC-130J. Entsprechend den gegenwärtigen Plänen sollen 37 MC-130J beschafft werden, um MC-130E/P zu ersetzen. Das erste Flugzeug hob am 20. April 2011 ab, und die Lieferungen begannen am 29. September 2011 an die 522nd Special Operations Squadron in Cannon AFB, New Mexico.

WC-130J

Die „Hurricane Hunters“ der 53rd Weather Reconnaissance Squadron in Keesler AFB, Mississippi, gehörten zu den ersten militärischen Nutzern der J-Version. Sie erhielten ihre WC-130J ab September 1999 und haben inzwischen zehn Flugzeuge im Bestand. Mit ihnen fliegen sie bei Bedarf in Höhen zwischen 150 und 3000 Metern direkt in Hurricanes und Winterstürme vor der amerikanischen Küste, um genauere Informationen über die Stärke und Zugrichtung zu erhalten. Die Missionen können bis zu 18 Stunden dauern. Dafür gibt es neben den zwei Tanks unter den Flügeln einen Zusatztank im Laderaum (6480 l).

Die fünfköpfige Besatzung, zu der zwei Wetterspezialisten gehören, setzen für die Datenerfassung kleine Sonden ein. Diese schweben am Fallschirm zu Boden und liefern per Funk Informationen zu Temperatur, Feuchtigkeit, Druck und Windstärke. Ab Mai 2007 wurden die WC-130J zudem mit einem Mikrowellen-Radiometer ausgerüstet.

Die J-Version ist also dabei, alle wichtigen Aufgaben von ihren Vorgängerversionen zu übernehmen. Nach den Unterlagen des Pentagon wurden bisher 21,1 Milliarden Dollar (16,3 Mrd. Euro) investiert, um fast 250 J-Modelle zu beschaffen. In der mittelfristigen Planung sind weitere 7,9 Milliarden Dollar für 23 C-130, 47 HC/MC-130J und sechs KC-130J eingestellt. Langfristig sollen noch einmal 12,8 Milliarden Dollar für 16 C-130J, 21 HC/MC-130J und 46 KC-130J ausgegeben werden. Die Fertigung der Hercules würde damit bis etwa 2030 laufen – schon heute ist der Frachter das Militärflugzeug mit der längsten ununterbrochenen Fertigungszeit.

Kunden der C-130J

Australien
Royal Australian Air Force 
(12 C-130J-30)

Dänemark
Kongelige Danske Flyvevåben 
(4 C-130J-30)

Großbritannien
Royal Air Force 
(10 C-130J, 15 x C-130J-30)

Indien
Indian Air Force
(12 C-130J-30)

Irak
Luftstreitkräfte
(6 C-130J-30)

Israel
Luftstreitkräfte
(4 C-130J-30)

Italien
Aeronautica Militare 
(12 C-130J, 10 C-130J-30)

Kanada
Royal Canadian Air Force 
(17 C-130J-30)

Katar
Qatar Emiri Air Force 
(4 C-130J-30)

Kuwait
Luftstreitkräfte
(3 KC-130J)

Norwegen
Royal Norwegian Air Force 
(4 C-130J-30)

Oman
Royal Air Force of Oman 
(3 C-130J-30)

Saudi-Arabien
Royal Saudi Air Force 
(2 KC-130J)

Südkorea
Republic of Korea Air Force 
(4 C-130J-30)

Tunesien
Al Quwwat al-Jawwiya al-Jamahiriyah At’Tunisia
(2 C-130J-30)

USA
US Air Force
(10 C-130J, 96 C-130J-30, 7 EC-130J, 15 HC-130J, 27 MC-130J (davon 3 AC-130J-Umbauten), 10 WC-130J)

US Marine Corps
(52 KC-130J)

Coast Guard
(9 HC-130J)

FLUG REVUE Ausgabe 11/2014

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