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Mädchen für alles

Marinehubschrauber: Auf großer Fahrt

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Ob Fregatte oder Flugzeugträger – Hubschrauber gehören zur Ausstattung vieler Schiffe. Dank flexibler Ausrüstung können sie für die U-Boot- und Schiffsbekämpfung genauso wie für Transportaufgaben eingesetzt werden.

Bordhubschrauber haben sich im Laufe der Zeit zu „Mädchen für alles“ entwickelt. Bei ihrer Suche nach einem Nachfolger für die von Fregatten aus eingesetzte Westland Sea Lynx Mk 88A hat die Marine denn auch eine lange Liste von Fähigkeiten definiert, die notwendig sind, damit das Schiff und seine flie-genden Komponente den Anforderungen in den vielfältigen Einsatzszenarien gewachsen bleiben. So muss der Helikopter als in das Gesamtsystem integrierter „Sensor“ und „Effektor“ natürlich nach wie vor die komplexe Ausstattung für die Bekämpfung von U-Booten aufnehmen können.

Dazu kommt die Befähigung zum Angriff auf Schiffe aller Art mit Lenkwaffen. Auch das Absetzen von Board-ingteams zur Kontrolle von verdächtigen Schiffen oder die Bekämpfung von Schmugglerbooten mit einem in der Kabine montierten, beweglichen MG sind Aufgaben, deren Bedeutung in den letzten Jahren gewachsen ist. Ganz praktisch sollte das neue Muster in der Lage sein, Personal und Material zum Schiff zu transportieren und im Bedarfsfall auch Außenlasten aufzunehmen. Bei all dem dürfen Bordhubschrauber nicht zu groß und schwer werden, denn sie müssen auf oft kleinen Decks landen und in die Schiffshangars passen.

Da werden die Unterbringung und Integration der umfangreichen Systeme schon zur schwierigen Aufgabe. Gerade für die U-Boot-Jagd ist nämlich eine ganze Palette von Sensoren erforderlich, wie zum Beispiel ein 250 bis 350 Kilogramm schweres Tauchsonar, das an einem Seil unter dem Rumpf bis zu 750 Meter tief ins Wasser gelassen wird. Dort entfaltet sich ein Mikrofon-Messfeld, das zum Beispiel im niedrigen Frequenzbereich (3 bis 5 Kilohertz) die Geräusche von U-Booten aufspüren soll. Für die Suche nach U-Booten kommen außerdem aktive und passive Sonarbojen in Frage; sie senden ihre Daten per Funk an den Helikopter. Alle akustischen Sensoren erfordern entsprechende Auswertesysteme, die meist beide Quellen nutzen können.

Als weiterer Sensor für das Aufspüren von U-Booten kommt noch ein Magnetfelddetektor in Betracht. Im Fall von Bordhubschraubern wird die Sonde oft an einem Seil in einigem Abstand hinterhergezogen, um Störungen zu vermeiden. Einmal gefunden, soll das gegnerische U-Boot auch gleich bekämpft werden. Dafür gibt es Torpedos, die aus niedriger Höhe abgeworfen werden. Sie sind wie das britische Modell Sting Ray Mod 1 um die 270 Kilogramm schwer und 3,5 Meter lang, sodass nur ein oder zwei Exemplare mitgeführt werden.

Torpedos lassen sich natürlich auch gegen Überwasserschiffe einsetzen, doch hier werden vom Hubschrauber aus Lenkwaffen bevorzugt. Die Palette reicht von der Penguin aus Norwegen (2,95 m lang und 330 kg schwer, Reichweite zirka 30 km) bis zur MBDA Exocet (4,7 m lang, 670 kg schwer, Reichweite über 70 km). Auch kleinere Flugkörper wie die Hellfire, mit denen sich Boote von Schmugglern bekämpfen lassen, gehören neuerdings zum Arsenal. Für die Suche nach Schiffen wird im Übrigen ein Rundsichtradar verwendet, das meist in einem flachen Radom unter dem Rumpf untergebracht ist. Modelle wie das Leonardo Seaspray 7400E in der Wildcat HMA2 verfügen inzwischen über Antennen mit elek-tronischer Strahlschwenkung.

Zur Standardausrüstung von Bordhubschraubern gehören elektrooptische Sensoren in einem beweglichen Behälter. Dazu zählen Farb-TV-Kameras ebenso wie Infrarotkameras und ein Laser-Zielbeleuchter. Die Daten aller Sensoren laufen in der Bedienerkonsole zusammen, die in der Kabine untergebracht ist. Dort sind ein oder zwei Crewmitglieder damit beschäftigt, sich ein Lagebild zu verschaffen und den Einsatz entsprechend zu steuern sowie die Informationen über Datenlink an das Mutterschiff weiterzugeben.

Kamow Ka-27 wird modernisiert

Ein vielfältig verwendbarer Marinehubschrauber ist also ein höchst komplexes Fluggerät, dessen Entwicklung weltweit nur wenige Firmen beherrschen. Eine davon ist Lockheed Martin. Schon vor dem Aufkauf von Sikorsky war sie für die Ausstattung der bei der US Navy und zahlreichen Exportkunden eingesetzten Seahawks zuständig. Dabei werden die ursprünglich ab Mitte der 1980er Jahre eingeführten Modelle SH-60B/SH-60F inzwischen von der MH-60R abgelöst, die auf derselben Zelle basiert, aber eine komplett neue Ausstattung unter anderem mit Bildschirmcockpit erhält. Die Lieferung der MH-60R begannen 2005. Insgesamt plant die US Navy die Beschaffung von 291 Hubschraubern. Dazu kommen 275 einfacher ausgestattete MH-60S vorrangig für Transportaufgaben.

Sikorsky hat auch eine Marineversion seiner ursprünglich für zivile Aufgaben konstruierten S-92 im Angebot. Einziger Kunde bisher ist Kanada, das mit der Beschaffung der CH-148 Cyclone allerdings erheblichen Ärger hat. Nach der Auswahl des Musters im November 2004 gab es endlose Verzögerungen aufgrund technischer Probleme. Nachdem die kanadische Regierung einige Zugeständnisse gemacht hatte, wurden im Juni 2015 zunächst sechs Maschinen in einem vorläufigen Standard übergeben, um mit dem Pilotentraining beginnen zu können. Voll einsatztaugliche Cyclones werden nicht vor 2018 erwartet.

Auch die Kunden der Marineversion des europäischen NH90 können ein Lied von Pleiten, Pech und Pannen singen. Die Niederlande erhielten ihre ersten NFH (NATO Frigate Helicopter) jedenfalls erst mit großer Verspätung 2010. Nach ersten Einsatzerfahrungen zum Beispiel bei einer Fahrt mit der HNLMS „De Ruyter“ zur Piratenbekämpfung vor Somalia im April 2013 gab es erhebliche Beschwerden über Mängel, unter anderem Korrosion. Anschließend weigerte sich die Regierung einige Monate lang, Hubschrauber abzunehmen, bevor nicht Lösungen für die Mängel definiert waren. Der NH90 wird von einem Konsortium unter Beteiligung von Leonardo Helicopters (früher AgustaWestland) entwickelt. Darüber hinaus hat der italienische Konzern zwei weitere Marinehelikopter im Angebot. Die Royal Navy fliegt die Merlin seit Juni 2000. 44 Hubschrauber wurden bestellt, von denen 30 bis Juli 2016 bei Lockheed Martin UK ein Modernisierungsprogramm auf die Version HM2 durchlaufen haben. Dabei ging es vor allem um den Ersatz von vielen Systemen, für die kaum noch Ersatzteile verfügbar waren. Im Cockpit dominieren nun große Farbbildschirme, auch die Bedienkonsole wurde modernisiert und der Automatisierungsgrad erhöht.

Als Ergänzung des U-Boot-Jägers Merlin führt die Royal Navy auch die AW159 Wildcat ein, eine Weiterentwicklung der Sea Lynx. In diesem Fall wurde auch die Zelle weiterentwickelt und mit dem CTS800-4N ein neues Triebwerk eingebaut. 28 Helikopter werden beschafft. Sie stellen dann Flights für die Einschiffung auf den Fregatten. Exportverkäufe gelangen bisher an Südkorea (8) und die Philippinen (2).

Schließlich gilt es noch den russischen Hersteller Kamow zu erwähnen, dessen Ka-27 (NATO-Code „Helix“) nach wie vor bei der Marine des Landes im Dienst ist. Etwa 60 Maschinen für die U-Boot-Jagd sollen zur Verfügung stehen. Im Dezember 2016 begann das Werk in Kumertau mit der Lieferung von grundüberholten und modernisierten Ka-27M. Bei ihnen wird das komplette Missionssystem ausgetauscht. Unter anderem ist nun ein Kopjo-A-Radar mit AESA-Antenne installiert. Bisher liegen Bestellungen für die Umrüstung von 22 Hubschraubern vor.

FLUG REVUE Ausgabe 06/2017

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