"Ich werde jetzt etwas sagen, das ich eigentlich nie sagen sollte", kündigte Gijs Tuinman im niederländischen Podcast Boekestijn & De Wijk des Senders BNR Nieuwsradio an. Der niederländische Staatssekretär für Verteidigung behauptete anschließend, man könne einen F-35-Kampfjet "jailbreaken, genauso wie ein iPhone". Das heißt, den Jet mit eigener Software entsperren und unabhängig von amerikanischen Updates und Einschränkungen betreiben.
Die Aussage kam nicht aus dem Nichts. Im Hintergrund steht eine zunehmend nervöse Debatte innerhalb der NATO darüber, was mit europäischen Waffensystemen geschehen sollte, sollten sich die Vereinigten Staaten als verlässlicher Partner zurückziehen. Die F-35-Kampfjets, die mehrere europäische Länder, so auch die Niederlande, betreiben, sind für ihre Einsatzfähigkeit auf regelmäßige Softwareaktualisierungen aus den USA angewiesen. Eine Abhängigkeit, die im aktuellen geopolitischen Klima als strategische Verwundbarkeit gilt.
Tuinman nutzte den Podcast-Auftritt auch, um die Verteidigungsplanung der Niederlande vorzustellen. Bis Ende 2028, so erklärte er, wolle das Land militärisch vollständig auf einen möglichen großangelegten russischen Angriff auf NATO-Gebiet vorbereitet sein. Zu den erwarteten Lieferungen gehörten unter anderem neue Kampfpanzer, weitere F-35-Maschinen, Tomahawk-Marschflugkörper sowie Artilleriesysteme. Einzelne Bestellungen würden zwar erst nach 2030 eintreffen, doch habe man Übergangslösungen beschafft, um die Abschreckungsfähigkeit in der Zwischenzeit aufrechtzuerhalten.
Fatale US-Abhängigkeit
Tuinman skizziert ein Szenario, in dem die NATO zwar formal fortbesteht, die Europäer jedoch militärisch zunehmend auf eigenen Beinen stehen müssen. Die F-35 ist der einzige Kampfjet, den die Niederlande nutzen. Gerade unter diesem Aspekt wäre eine vollständige Abhängigkeit von den USA fatal.
Technische Details gab es nicht
Trotz der Dramatik der Aussage blieb Tuinman konkrete Belege schuldig. Weder erläuterte er, auf welchem technischen Weg ein solcher Eingriff in die Steuerungssoftware des Tarnkappenjets möglich wäre, noch verwies er auf bekannte Sicherheitslücken des Systems.
Allerdings ist die Aussage in erster Linie politisch. Ein offizieller Eingriff in die proprietäre Software der F-35 würde wohl vor allem diplomatische Konsequenzen haben. Das Verhältnis zu Washington könnte erheblich belastet werden – mit dem realen Risiko, dass die USA Ersatzteillieferungen und technischen Support für die F-35 einstellen. Die Folge wäre eine rasche Einschränkung der Einsatzfähigkeit der Maschinen.
Nachweisen lassen sich Tuinmans Behauptungen ohne spezifisches Herstellerwissen und tiefgreifende technische Kenntnis der Plattform nicht. Fraglich ist allerdings, ob die Niederlande, selbst wenn eine Überwindung der Softwareeinschränkungen möglich ist, ihre F-35-Flotte tatsächlich mit eigener Software ausstatten würden oder könnten.
Israel als einzige Ausnahme
Bislang ist Israel das einzige Land weltweit, dem die USA das Recht eingeräumt haben, eigene Software auf der F-35 zu installieren. Dieser strategische Sonderstatus erlaubt es der israelischen Regierung zudem, schwere Wartungsarbeiten vollständig in Eigenregie durchzuführen. Das ist ein Privileg, das keiner anderen Betreibernation gewährt wurde.





