Anfang des Monats waren Spekulationen über die Verlegung russischer Su-57 in den Fernen Osten Russlands aufgekommen. 15 Maschinen waren auf Satellitenbildern auf dem Luftwaffenstützpunkt Dschemgi in der Region Chabarowsk zu sehen gewesen. Generalmajor der Luftwaffe Sergej Lipowoi teilte der Nachrichtenseite NEWS.ru nun mit, dass die Aktion lediglich Teil routinemäßiger Vorgänge sei.
Planmäßige Flottenmodernisierung
Nach Aussage von Lipowoi dient die Verlegung der Superfighter auf mehrere Flugplätze nahe dem Japanischen Meer hauptsächlich der Flugzeugflottenerneuerung. "Zum einen läuft eine planmäßige Arbeit zum Austausch veralteter Kampfflugzeuge durch neue", erklärte der General gegenüber NEWS.ru. Was er damit genau meinte, bleibt allerdings nebulös. Auch um welche Flugplätze es konkret geht, sagte er nicht.
Der Militär betonte, dass das Timing der Verlegung zu Beginn des Jahres kein Zufall sei. "Dass die Verlegung von Su-57 gerade jetzt, zu Jahresbeginn, durchgeführt wird, erklärt sich durch die Vorbereitung auf die intensiven Frühlings- und Sommermonate des Trainings", sagte Lipowoi. Nach Angaben des Generals absolvieren die russischen Luft- und Weltraumkräfte derzeit auch Schulungsmaßnahmen. "Es laufen planmäßige Flüge. Es findet eine Schulung des Flugpersonals für die Sommersaison statt", erläuterte Lipowoi.
"Aufgaben, über die man nicht laut spricht"
Der Generalmajor wies darauf hin, dass parallel zu diesen offiziellen Aktivitäten auch weitere Aufgaben erfüllt werden könnten. "Gleichzeitig ist es durchaus möglich, dass zusätzliche Aufgaben erfüllt werden, über die man nicht laut spricht", ergänzte er. Hierzu machte er gegenüber News.ru keine näheren Angaben.
Allerdings warnte er vor Überinterpretation: "Unsere Luft- und Weltraumkräfte verrichten Kampfschulung nach Plan. Und hier sollte man nichts Besonderes erblicken, was sowohl uns als auch unsere Nachbarn beunruhigen könnte".
Vermutungen über Schutzmaßnahmen
Damit reagiert Lipowoi auf mehrere US-amerikanische Medienberichte. "The War Zone" berichtete Anfang Februar von einer Konzentration von Su-57-Kampfflugzeugen auf dem Luftwaffenstützpunkt Dschemgi am Japanischen Meer. Das Magazin schrieb von mindestens 15 dieser Flugzeuge, die auf dem Flugplatz beobachtet worden seien.
Auch "The National Interest" hatte berichtet, dass russische Kampfflugzeuge des Typs Su-57 auf einen abgelegenen Flugplatz verlegt worden seien. Nach Einschätzung des Portals sollte dies dazu dienen, die Flugzeuge vor möglichen Angriffen in der Zone des russisch-ukrainischen Krieges zu schützen.
Modernisierung älterer Su-57?
Tatsächlich befindet sich das Flugzeugwerk Komsomolsk am Amur, das neben anderen Kampfjets auch die Su-57 herstellt, unweit des Flugplatzes Dschemgi und nutzt diesen zu Testzwecken. Daher liegt es nahe, dass an den Jets Wartungsarbeiten vorgenommen werden. Das Werk lieferte erst kürzlich eine "große Charge" neu gebauter Su-57 aus, die gegenüber älteren Exemplaren mit diversen Modifikationen aufwarten. Primär geht es dabei um verbesserte Sensorik, insbesondere verbesserte Selbstschutzmaßnahmen. Möglich also, dass die jetzt im Fernen Osten konzentrierten Su-57 auf den neuen Standard aufgerüstet werden sollen.
Auf dem Luftwaffenstützpunkt sollen außerdem (ältere) Su-35S stationiert sein, die dort Russlands Ostflanke schützen. Es ist grundsätzlich auch denkbar, dass die neuen Su-57 künftig diese Aufgabe übernehmen werden.
Wegen der Nähe zu Japan, Südkorea und Taiwan, wo die USA jeweils mehrere Stützpunkte betreiben, sichert Russland die Region im Südosten des Landes auch mit mehreren Abfangjägern. Dass nun Russlands modernste Kampfjets dort trainieren und eventuell dauerhaft stationiert sein werden, scheint wenig überraschend.





