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Russlands neuer Allzweck-Fighter

Suchoi T-50 im Testprogramm

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Mit dem Erstflug der Suchoi T-50-5 Ende Oktober 2013 nahm das Testprogramm des russischen Kampfjets der fünften Generation weiter Fahrt auf. Mit Stealth-Eigenschaften, Supercruise und neuer Avionik gehört der extrem wendige Fighter zur Topklasse.

Am 28. Oktober 2013 hob der Testpilot erster Klasse Roman Kondratjew in Komsomolsk am Amur mit dem fünften Prototyp der T-50 zum Erstflug ab. Nach 50 Minuten, in denen der Testplan ohne Probleme abgearbeitet worden war, landete die Maschine wieder auf dem Flugplatz Dzemgi des nach Juri Gagarin benannten Flugzeugwerks KnAAZ (früher KnAAPO). Wie die anderen vier T-50 machte sich auch die Nummer fünf nach einigen Überprüfungsflügen auf den Weg zum Testzentrum Schukowski bei Moskau, wo Suchoi den Hauptteil des Versuchsprogramms mit dem PAK FA (Perspektivnyj Aviatsionnyj Kompleks Frontowoj Aviazij = künftiger taktischer Kampfflugzeugkomplex) abwickelt.

Wie auch bei amerikanischen Entwicklungsprogrammen ist der Zeitplan seit dem Erstflug am 29. Januar 2010 etwas ins Rutschen geraten. Dazu trugen unter anderem Probleme mit der Struktur bei. Der erste Prototyp, T-50-1, war zum Beispiel lange am Boden, damit Verstärkungen im Flügel eingearbeitet werden konnten. Inzwischen sind laut Suchoi aber 450 Flüge geschafft. Ein sechstes Flugzeug soll 2014 fliegen.

Sorgen um die Zukunft der T-50 braucht sich Suchoi jedenfalls nicht zu machen, denn seit das Unternehmen im April 2002 für die PAK-FA-Entwicklung ausgewählt wurde, ist klar, dass Russlands Luftstreitkräfte voll auf den Entwurf setzen, um endlich auch über einen Fighter der sogenannten fünften Generation zu verfügen. PAK FA ist insofern ein Gegenstück zur amerikanischen F-22. Das Konstruktionsteam unter Führung von Alexander Davidenko setzte allerdings einige andere Schwerpunkte.

Weil die Russen keinen Jagdbomber à la F-35 haben, ist die T-50 von Anfang an für einen flexiblen Einsatz und die Bekämpfung von Luft- und Bodenzielen aller Art ausgelegt. Dies zeigt sich unter anderem in den zwei großen Waffenschächten im Rumpf (je 4,6 x 1 m), die jeweils zwei bis zu 700 kg schwere Flugkörper oder Bomben aufnehmen können. Geplant sind vier K-77M (Luft-Luft-Lenkwaffen mittlerer Reichweite von Wympel), Ch-58USchk oder Ch-36 (Lenkwaffen zur Radarbekämpfung) und Ch-38M oder KAB-250 (lasergelenkte Präzisionsbomben).

Unter den Flügelwurzeln befinden sich zudem zwei kleine Waffenschächte für Luft-Luft-Lenkwaffen mit Infrarotsuchkopf wie die K-74M2. Bei Einsätzen, die keine Stealth-Eigenschaften erfordern, können zusätzliche Waffen an vier Unterflügelstationen mitgeführt werden.

Für den präzisen Waffeneinsatz und die umfassende Übersicht über das Gefechtsfeld erhält die T-50 komplett neu entwickelte Sensoren. Das Radarsystem Sch121 von Tichimirow NIPP setzt – heute selbstverständlich – auf Antennen mit elektronischer Strahlschwenkung (AESA). In der Nase ist die Antenne des N036-1-01 installiert, die etwa 90 mal 70 Zentimeter misst und über 1552 Sende-/Empfangsmodule verfügt. Sie wird ergänzt durch zwei seitlich unter dem Cockpit montierte N036B-1-01, die je rund 400 Module erhalten. Mit ihnen wird die horizontale Abdeckung auf +/-135 Grad erhöht. Außerdem sind sie dafür gedacht, Radarkarten zu erstellen. Zu den drei X-Band-Antennen kommen noch zwei L-Band-Systeme in der Flügelvorderkante. Das Freund-Feind-Kennungssystem N036Sch Pokosnik ist integriert. Für die elektronische Kampführung ist das L402 Gimalai des KNIRTI-Instituts an Bord.

Das elektro-optische System (101KS Atoll) ist entsprechend russischer Tradition ebenfalls umfangreich. Zu ihm gehören ein IR-Sensor (101KS-V) vor dem Cockpit sowie ein IR-Störsender auf dem Rumpfrücken (101KS-O). Für die Warnung vor anfliegenden Lenkwaffen sind vier Infrarotsensoren (101KS-U/01 und 02) eingebaut. Außerdem befindet sich noch ein Zielsuchbehälter (101KS-N) in der Entwicklung.

Herausragende Wendigkeit als unverzichtbare Basis

Bei allen Bemühungen um modernste Ausrüstung hat Suchoi eine herausragende Wendigkeit als unverzichtbare Basis für einen Fighter nicht vernachlässigt. Die T-50 ist dabei eine Adaption der bewährten Auslegung der „Flanker“-Familie unter Berücksichtigung von Anforderungen bezüglich der Stealth-Eigenschaften zumindest im vorderen Bereich. Flügel und Rumpf gehen sanft ineinander über und sorgen zusammen für den Auftrieb.

Steuerflächen für die sichere Kontrolle des Fighters bei jedem noch so exotischen Flugmanöver gibt es jede Menge. Die Seitenleitwerke sind kleiner als bisher, aber leicht V-förmig und voll beweglich. Sie agieren auch als Bremsklappen. Die Höhenleitwerke sind wie gehabt voll beweglich und können für Rolleingaben auch entgegengesetzt ausschlagen. Sie ergänzen somit die Querruder. Vorflügel sind ebenso vorhanden wie Landeklappen. Besonders interessant sind die vorgezogenen Flügelwurzeln mit ihren flexiblen Klappen über den Lufteinläufen. Sie bewirken, dass der Druckpunkt weit vor dem Schwerpunkt liegt. Je aerodynamisch instabiler ein Flugzeug, desto rapider reagiert es auf Steuereingaben. Vor allem im Überschallbereich soll die T-50 viel manövrierfähiger sein als aktuelle Kampfflugzeuge.

Natürlich ist die T-50 in der Lage, ohne Nachbrenner über Mach 1.0 zu fliegen (Supercruise). Für den nötigen Schub sorgen derzeit zwei Saturn AL41F-1 (Izdelije 117), die mit Nachbrenner 148 kN liefern. Sie verfügen über Schubvektordüsen. Da diese recht weit auseinander liegen erlauben sie nicht nur Steuerinputs um die Querachse sondern auch Rollmanöver bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Bis gegen Ende des Jahrzehnts soll die T-50 ein völlig neu entwickeltes Triebwerk erhalten. Das Izdelije 30 von NPO Saturn befindet sich seit 2011 in der Entwicklung. Es verspricht eine höhere Leistung bei niedrigerem Gewicht sowie eine einfachere Herstellung und Wartung. So weit bekannt, wird das Izdelije 30 mit einem dreistufigen Niederdruckverdichter, einem fünfstufigen Hochdruckverdichter sowie jeweils nur einer Stufe für die Hoch- und Niederdruckturbinen auskommen. Der Schub ohne Nachbrenner wird mit 118 Kilonewton angegeben, die maximale Schubleistung mit 168 Kilonewton. Dies soll sich in Parametern wie der Beschleunigung bemerkbar machen.

Wie eingangs erwähnt, haben die T-50 bisher über 450 Flüge absolviert. Es gibt also noch viel zu tun, insbesondere hinsichtlich der Systementwicklung. Nach russischen Informationen, die aber wohl zu viel Optimismus zeigen, soll das sechste Flugzeug 2014 fertig werden. Es dürfte viele der notwendigen Änderungen aufweisen. Danach geht es wohl mit einer Vorserie von vier Flugzeugen weiter, die für staatliche Abnahmetests und die anfängliche Truppenerprobung vorgesehen sind.

Die russischen Rüstungspläne bis 2020 sehen die Beschaffung von 60 PAK FA vor, wobei die Serienfertigung 2016 anlaufen könnte. Neben den russischen Luftstreitkräften will Indien eine Ableitung der T-50 kaufen. Im Dezember 2010 vereinbarten die beiden Länder eine gemeinsame Vorentwurfsphase, an der sich derzeit rund 30 indische Ingenieure bei Suchoi in Moskau beteiligen. Es geht vermutlich vor allem um die Systemausstattung.

Ein für 2013 erwarteter Vertrag über eine Intensivierung der Arbeiten wird sich vermutlich auf 2014 verschieben, da es zuletzt Spekulationen über Differenzen bezüglich der Finanzierung gab. Die Erfahrung mit indischen Flugzeugprojekten zeigt, dass Geduld gefragt ist. Vielleicht 2017 könnte es einen angepassten Prototyp geben. Im Gespräch war zuletzt die Beschaffung von 144 Flugzeugen.

Die Prototypen

T-50-1: Erstflug (47 Minuten) am 29. Januar 2010 in Komsomolsk am Amur mit Sergej Bogdan. Wurde am 10. April 2010 mit einer Antonow An-124 nach Schukowski gebracht. Im August 2011 traten Risse in der Zelle auf, die eine einjährige Reparatur erforderten. Keine Systemausrüstung; ist für die aerodynamische Erprobung vorgesehen.

T-50-2: Erstflug (44 Minuten) am 3. März 2011 in Komsomolsk am Amur mit Sergej Bogdan. Keine Systemausrüstung. Tests mit hohen Anstellwinkeln. Öffnen der Waffenschachtklappen. Machte am 3. August 2012 die ersten Luftbetankungsversuche hinter einer Il-78.

T-50-3: Erstflug (60 Minuten) am 22. November 2011 in Komsomolsk am Amur mit Sergej Bogdan. Mit Teilen des Radarsystems ausgerüstet. Erste Radarversuche im Flug am 24. Juli 2012. Hat Täuschkörperwerfer UV-50 im Heckausleger installiert.

T-50-4: Erstflug (40 Minuten) am 12. Dezember 2012 in Komsomolsk am Amur. Leicht ergänzte Systemausrüstung mit anderen IR-Sensoren und eventuell Teilen des EloKa-Systems. Überführungsflug mit mehreren Zwischenstopps von KnAAZ nach Schukowski am 17. Januar 2013.

T-50-5: Erstflug (50 Minuten) am 27. Oktober 2013 in Komsomolsk am Amur mit Roman Kondratjew. Erstmals wurden wohl auch die seitlichen Antennen des Radarsystems installiert.

FLUG REVUE Ausgabe 01/2014

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