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Schweizer Kampfjet-Wettbewerb

Air 2030: Alle Kandidaten im Überblick

Foto: VBS - J.Ming

Die Schweiz sucht wieder einmal ein neues Kampfflugzeug. Im Sommer wurde die Erprobung der Kandidaten in Payerne abgeschlossen. Das letzte Wort werden die Bürger bei einem Referendum haben, das diesmal vor der Typenwahl ansteht.

Sechs Milliarden Franken für mindestens 30 neue Kampfflugzeuge plus zwei Milliarden für die Erneuerung der bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv) umfasst das Programm Air2030, die „bisher umfassendste und größte Beschaffung der Schweizer Armee“. Sie lässt sich nicht auf die lange Bank schieben, denn „nach dem Nein der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zum Kauf des Kampfflugzeugs Gripen im Jahr 2014“ musste man eine derzeit laufende Nutzungsdauerverlängerung der F/A-18-Flotte von 5000 auf 6000 Stunden für jedes Flugzeug in Auftrag geben, um „die sich abzeichnende Fähigkeitslücke in der Luft bis 2030“ zu schließen, wie das Verteidigungsministerium in Bern feststellt.

Gesucht wird ein Nachfolger für die F/A-18C Hornet, die bereits rund 20 Jahre auf dem Buckel haben. Die ebenfalls noch eingesetzten F-5E Tiger II sind sogar gut doppelt so alt.

Ersatz älterer Muster „absolut nötig“

Der Beschaffungsprozess für neue Kampfjets dauert auch in der Schweiz viele Jahre. Er wurde vom VBS (Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport) nach dem Gripen-Schock mit einem im Mai 2017 vorgelegten Expertenbericht zur „Luftverteidigung der Zukunft“ vorsichtig wieder in Gang gesetzt. Da die sicherheitspolitische Lage in Europa und darüber hinaus sehr angespannt sei, ist laut VBS „die Einleitung des Ersatzes der rund 40-jährigen F-5 und der über 20-jährigen F/A-18 der Schweizer Luftwaffe absolut nötig. Die mit dem maximalen Finanzvolumen vereinbarte Menge entspricht nicht einer massiven Aufrüstung, sondern einem maßvollen Schritthalten mit der Entwicklung im Umfeld“, zumal „die neuen Bedrohungen (Terrorismus, Cyber-Angriffe) die älteren nicht verdrängt“ haben.

Es geht um 30 Kampfflugzeuge

Bei der „Bemessung der Mittel“ ist sich das VBS den Möglichkeiten der „relativ kleinen und neutralen“ Schweiz bewusst. „Eine mehrere Monate lange und völlig autonome Luftverteidigung gegen einen Angriff eines mächtigen Gegners[ist]in Bezug auf den Ressourcenbedarf nicht realistisch.“ Vielmehr müsse laut VBS eine Situation erhöhter Spannungen bewältigt werden, „die über einige Wochen anhalten kann. In einer solchen Lage muss die Luftwaffe den Luftraum permanent überwachen und bei Verletzungen des Luftraums unverzüglich mit Kampfflugzeugen eingreifen können.“

Foto: USAF
Die Lockheed-Martin F-35 ist das einzige Stealth-Muster im Wettbewerb.

Konkret wird gefordert, dass „die gesamte Flotte fähig sein sollte, während mindestens vier Wochen mit mindestens vier Flugzeugen permanent im Luftraum präsent zu sein“. Dieses rechnerische Szenario „erlaubt es, die zu evaluierenden Kampfflugzeuge mit unterschiedlichem Leistungsvermögen und unterschiedlichen Wartungsanforderungen miteinander zu vergleichen“. Bei zwei Doppelpatrouillen werden zwölf Flugzeuge direkt benötigt, plus vier in Reserve. Nimmt man die Verfügbarkeit und den Bedarf für Ausbildung und Training hinzu, kommt das VBS auf eine Mindestgröße der Flotte von rund 30 Kampfflugzeugen.

Technische Auswahlkriterien

Diese müssten, ganz allgemein gesprochen,hohe Steigleistungen haben, mindestens eine Stunde im Einsatzraum verweilen können und über allwettertaugliche Sensoren und Waffen verfügen, einschließlich weitreichender Luft-Luft-Lenkwaffen. Für einen Teil der Flotte sollen Aufklärungsbehälter beschafft werden. Auch die präzise Bekämpfung von Bodenzielen soll möglich sein, denn diese Fähigkeiten will die Luftwaffe wieder aufbauen.

Foto: VBS - J.Ming
Für die Tests in Payerne wurden britische Typhoons FGR4 genutzt.

Autonomie als zentraler Faktor

Ein wichtiger Aspekt für die Schweiz ist der autonome Betrieb des Systems. „Eine Vorgabe für die Bemessung des Logistikpakets neuer Kampfflugzeuge ist, dass bei geschlossenen Grenzen und nicht sichergestellter Ersatzteilbewirtschaftung vom und ins Ausland während rund sechs Monaten die Lufthoheit gewahrt und der Ausbildungs- und Trainingsbetrieb aufrechterhalten werden kann.“

Die Kandidaten im Überblick

Da russische oder chinesische Muster nicht in Frage kommen, sind die üblichen Kandidaten, die schon bei der letzten Ausschreibung von 2008 dabei waren, wieder im Wettbewerb: Eurofighter, Rafale und Gripen E. Dazu kommen die F/A-18 Super Hornet (Boeing verzichtete damals auf eine Teilnahme) und die Lockheed Martin F-35A.

Saab @Linus Svensson

Politische Auswahlkriterien

Der Evaluationsbericht stellt dem Gesamtnutzen die Kosten (Kauf und Betrieb) gegenüber und enthält eine umfassende Risikoanalyse je Kandidat. „Er empfiehlt der Chefin VBS das für die Schweiz am besten geeignete Kampfflugzeug.“ Nur eine Handvoll Leute sind an der Erstellung des Evaluationsberichts beteiligt. „Neben militärisch-technischen und operationellen Anforderungen können auch kommerzielle, umweltrelevante, logistische und rüstungspolitische Aspekte berücksichtigt werden“, heißt es. Auf politischer Ebene können immer noch finanz- und außenpolitische Gesichtspunkte dazukommen, bevor der Bundesrat seine Entscheidung trifft. Ob dies bis Ende 2020/Anfang 2021 der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Wie schnell sich die Lage ändern kann, zeigte sich nämlich Mitte Juni, als die Saab Gripen E aus dem Evaluationsprozess ausschied. „Seit der Einreichung des Angebots im Januar haben sich die Erwartungen der armasuisse an die Flugtests so entwickelt, dass die Teilnahme von im Einsatz stehenden Flugzeugen erwartet wird“, so Saab.

Die Dassault Rafale ging beim Vergleich 2008 angeblich als Sieger hervor. Zu einer Beschaffung kam es damals nicht, weil die Bürger per Volksentscheid dagegen votierten.

Da die Gripen E noch in der Flugerprobung ist, hatte Saab Lösungen für die Durchführung der Schweizer Flugtests im Jahr 2019 vorgeschlagen. Ein Angebot, das Gripen-E-Testflugzeug mit einer operationellen Gripen C für die Flugtests im Juni zu ergänzen, wurde von armasuisse jedoch nicht angenommen. Für Saab verwunderlich, denn die Wettbewerber haben aktuelle Flugzeuge vorgeführt, die sich ebenfalls von den zur Auslieferung angebotenen Versionen unterscheiden.

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