Die spanischen Streitkräfte haben sich für ein türkisches Kampfflugzeug zur Ausbildung ihrer Piloten entschieden. Das Verteidigungsministerium in Madrid vergab den Auftrag zur Modernisierung des Trainingssystems an ein Konsortium unter Führung von Airbus Defence and Space und dem türkischen Luftfahrtkonzern Turkish Aerospace. Airbus übernimmt dabei die Rolle des nationalen Koordinators für Spanien.
Der Vertrag sieht die Beschaffung von 30 Exemplaren des türkischen Schulungsflugzeugs Hürjet vor. Diese sollen die betagten F-5-Maschinen ersetzen, die derzeit noch für die fortgeschrittene Pilotenausbildung genutzt werden. Das Gesamtvolumen des Projekts beläuft sich nach Angaben des Präsidenten der Verteidigungsindustrie der Türkei, Haluk Görgün, auf 2,6 Milliarden Euro.
Zunächst liefert Turkish Aerospace die Trainingsflugzeuge in ihrer Basiskonfiguration aus, so Airbus. Nach der Zertifizierung in Spanien sollen diese zwischen 2028 und 2029 an die Luftstreitkräfte übergeben werden.
Die Maschinen werden später mit spanischer Technologie nachgerüstet und den spezifischen Anforderungen der Spanier angepasst. Diese Arbeiten erstrecken sich voraussichtlich von der zweiten Jahreshälfte 2031 bis 2035. Während die ersten beiden Flugzeuge in den Airbus-Werken in Getafe umgebaut werden, entsteht für die verbleibenden 28 Maschinen ein eigenes Umrüstungszentrum auf spanischem Boden.
Umfangreiche Beteiligung spanischer Industrie
Die nationale Luftfahrt- und Rüstungsbranche wird intensiv in das Vorhaben eingebunden. Spanische Unternehmen entwickeln und liefern zentrale Komponenten für Missionssysteme, Fernschnittstellen, Audiosteuerung, Avionikrechner sowie Aufzeichnungs- und Waffensimulationssysteme.
Jean-Brice Dumont, bei Airbus Defence and Space verantwortlich für den Bereich Luftstreitkräfte, erklärte: "Dieses ambitionierte Programm zielt darauf ab, ein hochmodernes Kampfausbildungssystem in Spanien zu schaffen, das den unmittelbaren Bedürfnissen der Luft- und Weltraumstreitkräfte gerecht wird. Es wird auch die Beteiligung der nationalen Industrie, die Investitionsrendite und die Fähigkeitsentwicklung fördern und dabei die spanische Souveränität während des gesamten Prozesses gewährleisten."
Zusätzlich zu den Flugzeugen entsteht auf dem Luftwaffenstützpunkt Talavera la Real in der Extremadura ein modernes bodengestütztes Trainingszentrum. Die Anlage umfasst verschiedene Simulationsstufen, darunter zwei Missionssimulatoren, Virtual-Reality-Systeme, computergestützte Schulungsmodule und Mehrzweckräume. 2028 soll der Bau abgeschlossen sein.
Durchbruch für türkische Luftfahrtindustrie
Für die Türkei markiert der Auftrag einen bedeutenden Exporterfolg. Der Hürjet ist das erste national entwickelte Strahltrainingsflugzeug des Landes. Mehmet Demiroğlu, Vorstandsvorsitzender von Turkish Aerospace, zeigte sich stolz auf X: "Wir sind glücklich, wir sind stolz. TUSAŞs Kronjuwel, das erste nationale Strahltrainingsflugzeug unseres Landes Hürjet, wurde heute offiziell als Teil des neuen integrierten fortgeschrittenen Flugausbildungssystems der spanischen Luft- und Weltraumstreitkräfte ausgewählt."
Haluk Görgün, Leiter der türkischen Rüstungsindustrie, betonte wie wichtig der Auftrag für die türkische Industrie sei: "Die Tatsache, dass ein mit nationalen Fähigkeiten entworfenes und produziertes Strahltrainingsflugzeug in das Inventar eines europäischen und NATO-Mitgliedslandes aufgenommen wird, zeigt deutlich das Niveau, das unsere Verteidigungsindustrie in den Bereichen Design, Produktion, Systemintegration, Zertifizierung und Nachhaltigkeit erreicht hat."





