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Taktisches Luftverteidigungssystem

MEADS für die Bundeswehr

In einer „Richtungsentscheidung“ hat sich die Bundeswehr für MEADS als Basis ihres neuen Luftverteidigungs- und Raketenabwehrsystem entschieden. Vier Milliarden Euro werden investiert.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen baute bei der Ankündigung der ersten großen Rüstungsentscheidung ihrer Amtszeit schon einmal vor. Man habe „in die Tiefe hinein geprüft“ und werde „innovative Elemente der Agenda Rüstung – wie Transparenz und dauerhaftes Risikomanagement konsequent umsetzen“. Bei „Nichteinhaltung vertraglicher Vereinbarungen“ werde „der Ausstieg möglich sein“. Immerhin geht es um nicht weniger als vier Milliarden Euro zur Entwicklung und Beschaffung des neuen TLVS (Taktisches Luftverteidigungssystem), das „bis zum Jahre 2025“ die Patriot-Einheiten der Luftwaffe ablösen soll.

Der Sieger des langwierigen Auswahlprozesses ist ein System, das MBDA Deutschland zusammen mit MBDA Italien und Lockheed Martin auf Grundlage der seit zehn Jahren laufenden MEADS-Entwicklung realisieren will. Diese wurde jüngst abgeschlossen, nachdem die staatlichen Mittel der Partnerländer – darunter einer Milliarde aus Deutschland – aufgebraucht waren. Insofern gibt es zwar Geräte wie Radare, Startfahrzeuge oder Kontrollzentralen und auch umfangreiche Daten von Systemtests und Schussversuchen liegen vor, doch von einer Serienreife ist man noch ein gutes Stück entfernt.

TLVS ist zudem mehr als MEADS (Medium Extended Air Defence System). Neben der „Robustifizierung“ für die Fertigung sind Anpassungen für die Integration eines zweiten, preisgünstigen Flugkörpers (Diehl IRIS-T SL) und die Anbindung an SAMOC (Surface to Air Missile Operation Center/Führungsgefechtsstand der Luftwaffe) notwendig. Entwicklungsrisiken gibt es also durchaus, aber offenbar überzeugte MEADS als zukunftssichere Lösung mit weiterem Verbesserungspotenzial. Die Stichworte sind hier 360-Grad-Abdeckung, Verlegbarkeit und offene Systemarchitektur mit der Möglichkeit, weitere Sensoren und Waffensysteme anzukoppeln. Auch die Betriebskosten lagen wohl deutlich günstiger als bei der Konkurrenz - einer Weiterentwicklung des Patriot-Systems von Raytheon.

Ein „sehr, sehr wichtiges“ Kriterium war laut Ministerium auch die „Arbeitsplätzesicherung in Deutschland“. Der BDLI begrüßte denn auch dass durch die Entscheidung für MEADS ein „wesentlicher Beitrag zum Kompetenz- und Kapazitätserhalt in Deutschland sowie zur Zukunftssicherung dieses außen- und sicherheitspolitisch bedeutsamen Industriezweigs“ geleistet werde. Thomas Hornberg, Geschäftsführer von MBDA Deutschland, sprach aber auch von „einer hohen Verantwortung und Verpflichtung, die notwendige industrielle Leistung“ abzuliefern – einen Flop wird man sich kaum leisten können.

FLUG REVUE Ausgabe 08/2015

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