Seit Mitte Februar operieren vier Eurofighter der Bundeswehr vom isländischen Stützpunkt Keflavik aus über dem Nordatlantik. Sie sind die sichtbarste deutsche Beteiligung an einer neuen NATO-Mission, die das Bündnis in einer der politisch heikelsten Regionen der Welt aufstellt.
Vier Eurofighter und eine fliegende Tankstelle
Am 13. Februar startete die Mission offiziell unter dem Namen "Arctic Sentry". Deutschland ist mit dabei: Vier Eurofighter-Kampfjets verlegten an diesem Tag nach Keflavik auf Island, dem westlichsten Vorposten des Bündnisses im Nordatlantik. Auch ein Transportflugzeug vom Typ A400M, das in der Luft als Tankstelle für andere Maschinen dient und damit die Reichweite alliierter Verbände erheblich ausweitet, schickte die Luftwaffe nach Island.
Die Eurofighter übernehmen in Keflavik die Luftraumüberwachung über dem Nordatlantik und der Arktis. Sie kontrollieren, wer sich wann und wohin bewegt und können im Ernstfall eingreifen. Verteidigungsminister Pistorius hatte das deutsche Engagement bereits im Januar angekündigt. Weitere Kräfte aus anderen Teilstreitkräften sollen in den kommenden Monaten folgen. Die Mission ist zunächst auf ein Jahr ausgelegt.
Geführt wird die Mission vom NATO-Hauptquartier im amerikanischen Norfolk, das bereits für den gesamten Atlantikraum sowie für Island, Norwegen und Großbritannien zuständig ist und zuletzt auch die Neumitglieder Schweden und Finnland in seinen Verantwortungsbereich aufgenommen hat.
Mit Norwegen, Dänemark und Kanada bestehen bereits enge Sicherheitspartnerschaften, gemeinsame U-Boot-Projekte befinden sich in Planung, und arktische Manöver gehören für die Bundeswehr zum Trainingsalltag.
Schmelzendes Eis, wachsende Spannung
Der Klimawandel gibt neue Schifffahrtsrouten und gewaltige Rohstofflager in der Arktis frei. Geopolitisch wächst daher die Bedeutung der Region immer weiter und offenbart neue Spannungen, auch innerhalb der NATO.
US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Wochen mit unverhohlenen Drohungen versucht, Dänemark zur Abgabe Grönlands zu zwingen. Ohne amerikanische Kontrolle sei das Territorium weder vor russischem noch vor chinesischem Einfluss sicher, so Trump.
Eine verstärkte Militärpräsenz im Norden, getragen vom gesamten Bündnis, wie jetzt bei Arctic Sentry, sollte Trumps Sicherheitsbedenken auffangen und gleichzeitig Dänemark entlasten. Die Idee dazu kam maßgeblich von London. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos trafen Trump und NATO-Generalsekretär Mark Rutte schließlich aufeinander.

Vier deutsche Eurofighter sind im Rahmen der Mission auf Island stationiert.
Danach war von einem Rahmenwerk die Rede, das Washington künftig mehr militärische Handlungsspielräume auf Grönland einräumen und möglicherweise sogar ein Mitspracherecht bei wirtschaftlichen Investitionen in Grönland verschaffen könnte.
Was der Grönland-Streit hinterlässt, ist mehr als ein diplomatischer Kratzer. Analysten des Londoner Thinktanks Chatham House sprechen davon, dass die Episode die Vorstellung zerstört hat, dass innerhalb des westlichen Bündnisses wirtschaftlicher und militärischer Druck kein legitimes Druckmittel sei.
Trump habe gezeigt, dass Nötigung unterhalb der Schwelle militärischer Gewalt jederzeit angewendet, dosiert und wieder zurückgezogen werden kann. Für Europa sei das keine Entwarnung, sondern eine Warnung.
Frankreichs Präsident Macron mahnte in Davos, Europa müsse eigenständiger und stärker werden, der belgische Premier De Wever warnte drastisch davor, zum Spielball amerikanischer Interessen zu werden.





