Die NASA hat die entscheidende Betankungsprobe für ihre Artemis-II-Mondrakete um mehrere Tage nach vorn verlegt. Statt wie ursprünglich geplant spätestens am 2. Februar soll die "Wet Dress Rehearsal" nun bereits am Samstag, 31. Januar, über die Bühne gehen.
"Die Ingenieure liegen im Zeitplan oder sogar voraus", teilte die NASA am Montag mit. Im besten Fall könnte die erste bemannte Mondmission seit über 50 Jahren schon am 6. Februar abheben.
Generalprobe mit 2,6 Millionen Liter Raketentreibstoff
Was genau ist die "Wet Dress Rehearsal"? Der Begriff stammt aus der Raumfahrt-Pionierzeit und meint eine Generalprobe unter möglichst realistischen Bedingungen – inklusive echter Betankung der Rakete, daher "wet" (nass).
Über zwei Tage hinweg simulieren die Startteams den kompletten Ablauf eines Raketenstarts. Kontrollzentren in Florida, Houston und Alabama werden besetzt, Hunderte Systeme hochgefahren, Checklisten abgearbeitet. Mehr als 2,6 Millionen Liter tiefgekühlter Treibstoff werden in die beiden Hauptstufen der 98 Meter hohen Space Launch System (SLS)-Rakete gepumpt. Vollgetankt bringt das Monstrum dann 2,6 Millionen Kilogramm auf die Waage.
Der Countdown läuft bis auf 33 Sekunden vor dem fiktiven Start herunter – jener Moment, in dem bei einem echten Versuch der Bordcomputer übernehmen würde. Dann wird zurückgesetzt, und das Ganze beginnt von vorn. Die Teams üben, den Countdown anzuhalten, fortzusetzen, zurückzudrehen. Im Ernstfall kann dies das Leben der Crew retten.
Ein wenig erinnern die Bedingungen des Tests an das Challenger-Unglück vor 40 Jahren, als extrem kalte Temperaturen zu einer Fehlfunktion an einem der Booster der Rakete sorgten. Denn für diese Woche sind ungewöhnlich niedrige Temperaturen in Florida angesagt. Daher mussten Techniker sicherstellen, dass die Klimakontrollsysteme für Rakete und Raumschiff der Kälte trotzen. In der Raumfahrt ist eben nichts trivial.
Letzte Hürde vor dem Mond
Während auf der Startrampe getestet und kontrolliert wird, sitzen die vier Artemis-II-Astronauten seit dem 23. Januar in Quarantäne in Houston. Niemand soll eine Erkältung oder Grippe mit an Bord bringen.
Sollte die Generalprobe am Samstag gelingen, ist die SLS-Rakete bereit für ihren ersten bemannten Flug. Die NASA behält sich allerdings vor, das Gespann noch einmal in die Montagehalle zurückzubringen, falls zusätzliche Arbeiten nötig werden. Gerade deutet allerdings alles auf einen pünktlichen Start kommende Woche hin.





