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Pluto

Die NASA-Sonde New Horizons

Bisher kannten wir den Pluto nur als verwaschenen Fleck im Teleskop. Endlich sollen wir jetzt erfahren, wie der eisige Nicht-mehr-Planet tatsächlich aussieht.

Die NASA-Tiefraumsonde New Horizons passierte am 14. Juli 2015 den Kleinplaneten Pluto und schickte Bilder und Daten von der Oberfläche, der Atmosphäre und den Monden zur Erde. Wegen der hohen Relativgeschwindigkeit des Flugkörpers zum Planeten stehen nur zwei Wochen Beobachtungszeit zur Verfügung, in denen die sieben wissenschaftlichen Instrumente an Bord bis an ihre Leistungsgrenze geführt werden, denn einen zweiten Besuch so weit draußen im Sonnensystem wird es in absehbarer Zeit nicht geben.

Warum aber lässt man sich dann nicht mehr Zeit für die Beobachtung und führt die Sonde in eine Umlaufbahn um den Mini-Planeten und seine vier Monde? Dann hätte man doch mehr Zeit für die Forschung. Bei Dawn oder Rosetta hat das schließlich auch geklappt, doch „das war nie das Ziel der Mission“, sagt Professor Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin. „New Horizons verfügt nur über kleine Triebwerke, die nach dem Erreichen der Marschgeschwindigkeit höchstens für kleinere Kurskorrekturen taugen. Für eine Abbremsung und das Einschwenken in einen Orbit braucht man aber weit mehr Energie, als die 77 Kilogramm Hydrazin in den Tanks bereitstellen könnten.“

Außenstehende finden kaum Unterschiede in den bisherigen Hubble-Bildern und denen von New Horizons, aber das ändert sich schnell. So konnten am 14. April erstmals Farben, vor allem Brauntöne, erkannt werden. Foto und Copyright: NASA

Hinzu kommt aufgrund der enormen Entfernung zwischen der Erde und der Raumsonde eine Gesamtlaufzeit von mehr als zehn Stunden für die Signale, sodass sich Kommandos für solch komplizierte Manöver von selbst verbieten, „und schließlich würde man mit der gewählten Konfiguration von New Horizons, hätte man denn eine Pluto-Umlaufbahn erreicht, nie wieder aus dieser herauskommen. Das wollen wir aber, denn hinter der Pluto-Bahn beginnt der Kuiper-Gürtel aus Milliarden unterschiedlich großer Brocken aus Eis oder Fels, und die sind wissenschaftlich höchst interessant!“

Seit dem Ende der 80er Jahre sind sich die Wissenschaftler über die Existenz dieser ringförmigen Struktur einig. Man schätzt dort die Existenz von rund 70 000 Objekten mit mehr als 100 Kilometern Durchmesser sowie zahlloser kleinerer Trümmer aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems, und seit Pluto im Jahre 2006 der Status des neunten Planeten und damit des Außenpostens aberkannt worden ist , will man mehr über die Gegend so weit draußen wissen.

New Horizons nun bietet genau diese Möglichkeit, denn während die Sonde am Pluto vorbeirast und anschließend im Verlauf von Monaten alle Daten zur Erde überträgt, richtet sich ihr Blick schon wieder nach vorn. In den Jahren 2018/2019 will man sich einem solchen Kuiper-Objekt mit 30 bis 55 Kilometern Durchmesser nähern; drei Kandidaten dafür gibt es bereits. Bis Ende 2016 soll die endgültige Auswahl des Zielobjekts getroffen sein. Dann muss die allmähliche Bahnkorrektur beginnen. Die Mission bleibt weiter äußerst spannend.

FLUG REVUE Ausgabe 08/2015

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