Rocket Lab verschiebt Neutron-Erstflug auf 2027

Neue mittelschwere Trägerrakete
Rocket Lab verschiebt Neutron-Erstflug auf 2027

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.10.2026
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Rocket Lab verschiebt Neutron-Erstflug auf 2027
Foto: Rocket Lab

Rocket Lab muss den ersten Start seiner Neutron-Trägerrakete auf ein unbestimmtes Datum 2027 verschieben. Das teilte das amerikanisch-neuseeländische Raumfahrtunternehmen am 14. Oktober mit. Zuvor war der Erstflug für das vierte Quartal 2026 geplant. Als Grund nannte Rocket-Lab-Chef Peter Beck Probleme im Produktionsprozess von Kohlefaserteilen, insbesondere des Doms des Treibstofftanks der ersten Stufe.

Der Treibsttofftank hatte bereits zuvor Probleme bereitet. Bei einem hydrostatischen Drucktest im Januar in Wallops, Virginia war ein Demonstrator geborsten. Das Kohlefasergewebe dieses Tanks war von einer anderen Firma manuell gelegt worden. Daraufhin stellte Rocket Lab auf den längerfristig geplanten Produktionsprozess mit automatisiertem Faserlegen um. Man habe dabei gleichzeitig auch einige Designverbesserungen umsetzen können, so Beck.

"Wir haben kürzlich ein Problem bei der Herstellung des Treibstoffdoms festgestellt. Das hat uns dazu veranlasst, die Produktion zu verzögern und die Angelegenheit weiter zu untersuchen", sagte Beck. Aufgrund der Größe der einzelnen Bauteile habe man neue autoklavfreie Verfahren entwickeln müssen, darunter maßgeschneiderte Aushärtungszyklen. Wenn diese Verfahren nicht perfekt funktionieren, können Defekte auftreten. "Und ein solcher Defekt ist die Bildung von Hohlräumen oder winzigen Luftblasen zwischen den Kohlefaserschichten", so Beck. Das wiederum beeinträchtige Festigkeit, Lebensdauer und Zuverlässigkeit des Bauteils.

Problem gelöst

Bei einer Inspektion des vorderen Doms habe man kürzlich einige solcher Hohlräume entdeckt. "Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Dom im Flug versagen würde. Aber unser Grundsatz ist, ers dann fortzufahren, wenn wir sicher sind, dass das System über die entsprechenden Sicherheitsreserven verfügt", sagte Beck.

Rocket Lab hat die Ursachen für die Defekte untersucht. Nach der Qualifizierung der ersten Stufe Anfang des Jahres habe man eine kleine Designänderung durchgeführt, bei der Verbindungsstellen wegfielen und die Dicke des Kohlefaserverbundmaterials an einigen Stellen erhöht wurde. Genau in diesen dickeren Stellen haben sich laut Beck die Hohlräume gebildet. Bei Tests konnte das Problem nachgestellt werden, nun wurden Anpassungen im Produktionsprozess vorgenommen. Man habe bereits den hinteren Dom des Treibstofftanks mit dem veränderten Verfahren hergestellt und die höchste Qualität erzielt. "Wir haben das Problem gelöst", sagte Beck.

Der Tank der ersten Stufe soll im ersten Quartal 2027 endmontiert und getestet werden. Danach könne man ein Startdatum nennen.

Rocket Lab machte seine Pläne für die Entwicklung einer mittelschweren Trägerrakete aus Kohlefaser im März 2021 öffentlich. Die Neutron ist eine zweistufige Rakete mit einer geplanten Nutzlastkapazität von 13 Tonnen in einen niedrigen Erdorbit. Die erste Stufe ist wiederverwendbar, sie soll am Ende der Mission wieder zur Erde zurückkehren und auf einer schwimmenden Plattform landen. Eine Besonderheit der Neutron ist die Nutzlastverkleidung: Ihre beiden Hälften sind mit Scharnieren an der Erststufe befestigt. Sie öffnen sich im Weltraum und lassen die in die Erststufe eingehängte Oberstufe mit Nutzlast frei.