Russische Entwickler wollen im März mit Testflügen einer neuen unbemannten Drohne beginnen, die als fliegende Kommunikationsplattform fungiert, wie die russischen Medien Iswestija und TASS berichten. Das Projekt von Stratolink trägt den Namen Argus und soll Feldtruppen sowie andere Nutzer mit schnellem Internetzugang versorgen, ähnlich wie kommerzielle Satellitensysteme.
Die Drohne soll in einer Höhe von 15 bis 24 Kilometern operieren und damit in die Stratosphäre vordringen. Projektleiter Nikolas Oksman erklärte gegenüber der Tageszeitung Iswestija die Funktionen der Argus. Sie könne hochauflösende Videos übertragen, die Kommunikation an vordersten Linien im Kriegsfall unterstützen und auch andere Drohnen steuern.
Solarantrieb für unbegrenzte Flugdauer
Der Solarantrieb kann der Drohne theoretisch eine nahezu unbegrenzte Flugdauer ermöglichen soll. Im Gegensatz zu Satelliten bietet die Argus den Vorteil, dass sie gezielt in ein bestimmtes Gebiet fliegen und dort über längere Zeit verharren könnte.
Oksman betonte gegenüber der Zeitung auch einen wirtschaftlichen Aspekt mit militärischer Komponente. Zum Abschuss der Drohne wären Luftabwehrsysteme wie Patriot oder die S-300 erforderlich. Da die Kosten für entsprechende Flugabwehrraketen ein Vielfaches des Drohnenpreises betragen würden, entstehe bereits aus ökonomischer Perspektive ein Vorteil für die Drohnenbetreiber.
Zusätzlich könnte die Argus als Störsender für Satellitennavigation und -kommunikation eingesetzt werden, ein potenziell wichtiger Faktor, da viele Waffensysteme stark auf solche Technologien angewiesen sind. Das Projekt wird zudem mit zivilen Anwendungen wie der Überwachung von Eisbedingungen in der Arktis und der Datenerfassung für die Landwirtschaft begründet.
Neben Argus arbeitet Stratolink an einer Reihe von unbemannten Flugobjekten, darunter Luftschiffe und Luftüberwachungsdrohnen zur Überwachung von Gaspipelines. Mit Stratosphärenballons, ausgestattet mit Hyperspektralkameras, soll in Zukunft beispielsweise die Erdoberfläche analysiert werden können. Durch die geringere Flughöhe im Vergleich zu Satelliten sollen sich chemische Zusammensetzungen von Böden und Vegetation präziser erfassen lassen.
Anfällige Technologie
An HAPS (High-Altitude Platform System) wie der russischen Argus wird auch in Europa und den USA geforscht. Allerdings gab es bei der Technik bisher noch keinen wirklichen Durchbruch. Die Airbus-Tochter AALTO, BAE Systems, Northrop Grumman, Boeing und auch die US-Firma Skydweller in Zusammenarbeit mit Leonardo arbeiten an ähnlichen Plattformen.
Die Airbus Zephyr S flog über 25 Tage kontinuierlich nur mit Sonnenergie und PHASA-35, hergestellt von BAE Systems, absolvierte bereits einen Stratosphärenflug.
Was den vergleichsweise leichten Systemen derzeit noch im Weg steht, sind vor allem Wetterempfindlichkeit für starke Winde und Turbulenzen, sowie die hohen Temperaturschwankungen in der Stratosphäre.





