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Patrick Zwerger

380 Millionen Euro Kredit

Condor erhält Hilfe - und sucht neuen Eigentümer

Condor kann vorerst weiterfliegen: Der Bund und das Land Hessen unterstützen den Ferienflieger nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Thomas Cook mit einem Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro. Derweil sieht sich Condor nach neuen Partnern um.

Die Zusage kam am Dienstagabend: Mit staatlicher Hilfe in Form einer 380 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft kann Condor auch nach dem Ende des britischen Reiseriesen Thomas Cook den Flugbetrieb aufrechterhalten. „Die Bundesregierung hat heute entschieden, der Condor Flugdienst GmbH mit Sitz in Hessen ein zu 100 Prozent vom Bund garantiertes KfW-Darlehen als Massedarlehen in Höhe von 380 Millionen zu gewähren“, teilte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit. Damit sei die Möglichkeit gegeben, viele der rund 5000 Stellen bei der traditionsreichen Ferien-Airline dauerhaft zu erhalten, so Altmaier weiter. Die hessische Landesregierung übernimmt dabei eine Bürgschaft über 190 Millionen Euro. Allerdings muss nun formal noch die EU der Kreditvergabe zustimmen.

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Teckentrup: Nicht mit Air Berlin vergleichbar

Bei Condor herrschte nach der abendlichen Bekanntgabe aus dem Wirtschaftsministerium dennoch Erleichterung: „Condor flieht weiter“, schrieb die Airline auf Twitter. „4900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Partner und Kunden von Condor danken der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung für ihre Zusage.“ Gegenüber Medienvertretern erklärte Condor-Chef Ralf Teckentrup: „Für den Markt, unsere Kunden, unsere Lieferanten und die 4900 Condorianer sind das gute Nachrichten.“ Es liege nun zwar eine Menge Arbeit vor allen Beteiligten. „Aber wir kriegen das hin.“ Ans Aufgeben jedenfalls denke Condor nicht, dafür stehe der Ferienflieger – vor allem im Vergleich zur 2017 Konkurs gegangenen Air Berlin – viel zu gut da: „Wir sind ein anderer Fall als Air Berlin. Wir sind ein operativ gesundes und profitables Unternehmen – und das seit 64 Jahren.“ Auch im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. September endet, werde man ein positives Ergebnis einfahren.

Den Großteil ihres Daseins verbrachte Condor als Tochter der Lufthansa. Kehrt der Ferienflieger bald wieder zum Kranich-Konzern zurück?

Wer wird Condor übernehmen?

Unabhängig davon ist man sich bei Condor allerdings sehr wohl bewusst, dass es ohne einen starken Partner im Rücken auf die Dauer nicht gehen wird. Eigenständig zu bleiben sei keine sinnvolle Lösung, betonte Teckentrup. „Wir werden uns einen neuen Eigentümer suchen.“ Einen Notverkauf gebe es deswegen aber nicht, stattdessen werde man in den nächsten Wochen in Ruhe mit Interessenten in Gespräche gehen. Dass diese am Ende positiv ausgehen, davon zeigte sich Teckentrup gestern Abend überzeugt: „Wir sind da guten Mutes.“ Erste Ansatzpunkte habe es bereits im Februar gegeben, als Thomas Cook seine Airlines erstmals zum Verkauf stellte. Deshalb beginne man in dieser Hinsicht nicht bei Null, sondern habe bereits intensive Kontakte geknüpft. Als heißer Kandidat für eine Übernahme wurde bereits im Frühjahr die Lufthansa gehandelt, zu der Condor schon einmal, von 1959 bis 1997, mehrheitlich gehörte. Laut Informationen des Handelsblatts hatte zuletzt aber auch die Tui-Gruppe Interesse an einer Partnerschaft mit Condor verkündet. Zudem soll es auch in Finanzinvestorenkreisen hohes Interesse geben.

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