Airbus erwartet, dass sich der weltweite Flugzeugbestand bis zum Jahr 2045 auf 45.550 Verkehrsflugzeuge über 100 Sitzen erhöht. Dieses jährliche Wachstum bedeute fast eine Flotten-Verdoppelung, die auch die weltweite Passagierzahl auf dann zehn Milliarden Fluggäste pro Jahr wachsen lassen werde. Entsprechend wüchsen auch die mit Flugzeugen zusammenhängenden, technischen Dienstleistungen mit 3,8 Prozent pro Jahr auf 422 Mrd. Dollar Umsatz im Jahr 2045, sagt der Hersteller in seinem am Mittwoch in Toulouse vorgestellten "Global Services Forecast" voraus.
Betreuung über ein gesamtes Flugzeugleben
Neben dem üblichen Kundendienst für die eigenen Produkte bietet Airbus als Extra auch noch ein wachsendes Portfolio von zusätzlichen Service-Dienstleistungen für Flugzeugbetreiber an. Dies umfasst die Wartung, darunter die sogenannte "On-Wing" und die "Off-Wing" Wartung größerer Komponenten, das Organisieren von Ersatzteilen, aber auch große Umbauten, etwa zum Frachter, große Wartungsereignisse und sogar die geordnete Zerlegung am Ende eines Flugzeuglebens, wobei man wertvolle Komponeten zur Weiternutzung gewinnen kann.
2,4 Millionen neue Luftfahrtjobs
Außerdem bietet Airbus die Personalschulung an. Hier müssen bis 2045 für die Branche 2,44 Mio. neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden und ausgebildet werden, darunter 660.000 Piloten, 730.000 Wartungstechniker und 1,05 Mio. Flugbegleiter. Dieser Trainingsmarkt wachse mit 3,1 Prozent im Jahr und bis 2045 auf einen Umsatz von 17 Mrd. Dollar, sagt Airbus voraus. Flugzeugmechaniker seien derzeit besonders knapp.
Training wird immer stärker maßgeschneidert
Für die wachsende Nachfrage nach Personalschulung seitens der Kunden hatte Airbus erst im Juni einen stark erweiterten Training Campus in Toulouse in Betrieb genommen. Dort befinden sich neben zwölf klassischen Full-Flight-Flugsimulatoren auch zahlreiche Verfahrenstrainer, Hörsäle und Lehrkabinette, in denen auf auf insgesamt 2000 Quadratmetern Klassenraumfläche Piloten und Mechaniker geschult werden können. Neu ist ein immer stärker kompetenzbasierter Ansatz der Ausbildungen, bei denen gemessen wird, wo der Schüler noch einzelne Schwachstellen hat, so dass diese durch gezieltes Zusatztraining ausgebügelt werden können, während schon sicher beherrschte Elemente nicht immer standardmäßig in vollem Umfang gelehrt werden müssen. Am Ende steht allerdings für alle Schüler eine einheitliche Prüfung und jeweilige Fach-Qualifikation. 650 Mitarbeiter kümmern sich hier um bis zu 10.000 Schüler pro Jahr. Weltweit qualifiziert Airbus im Jahr sogar 22.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kunden in eigenen Kursen.
Service-Abo macht Jets noch rentabler
Der am stärksten wachsende Services-Bereich seien aber digitale Dienstleistungen, die sich bis 2045 auf dann 27 Milliarden Dollar im Jahr verdreifachten, so Airbus. Schon heute können sich zum Beispiel beim Airbus-Projekt "Skywise" Airbus-Flugzeugbetreiber maßgeschneiderte Servicepakete mieten, bei denen der Hersteller aus einer Zentrale in Toulouse den Flugbetrieb und die technische Einsatzbereitschaft in Echtzeit und weltweit technisch fernüberwacht. Falls sich eine Störung anbahnen sollte, erkennt das System etwaige Unregelmäßigkeiten oft schon so früh, dass noch vor einer tatsächlichen Störung Reparaturtermine vereinbart und Ersatzteile bereit gestellt werden können. Daduch erreichen die betreuten Flugzeuge eine extrem hohe Einsatzzuverlässigkeit. Bisher werden 1800 Kundenflugzeuge mit den sogenannten "Flight Hour Services" betreut. Die Menge hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt.
Dienste wachsen schnell und bringen Umsatz
Airbus erwarte, im wachsenden Services-Markt noch schneller als der Markt zu wachsen, mit zweistelligen Zuwächsen im Jahr, sagte die Airbus-Vorständin für den Kundendienst, Cristina Aguilar Grieder in Toulouse. Im Jahr 2030 werde dieses Zusatzgeschäft die Umsatzgrenze von zehn Milliarden Dollar im Jahr übertreffen. Schon heute mache es elf Prozent des Umsatzes der Airbus-Verkehrsflugzeugsparte aus.





