Der Fokus liegt aus Sicht der Kunden auf dem Geschmack, nicht auf der Sicherheit. Dabei kann ausgerechnet das, was so genussvoll daherkommt, zur Bedrohung werden. Catering ist nicht nur eine Frage des Stils, sondern ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Ein trauriges Beispiel hierfür ist der Flugzeugabsturz im Jahr 2015 über der ägyptischen Halbinsel Sinai. Damals wurde in einer Getränkedose eine Bombe an Bord des Flugzeugs geschmuggelt. In der Luftfahrt ist Sicherheit das höchste Gut. Was jedoch viele vergessen: Sie endet nicht am Gate und beginnt nicht erst im Cockpit. Beim Catering zieht sie sich wie ein roter Faden durch die Lieferkette, vom Bauernhof bis auf den Serviertisch an Bord. Ein Caterer, der nicht vom Luftfahrt-Bundesamt als "reglementierter Lieferant" zugelassen ist, kann keine Sicherheit garantieren. Das ist keine Formalität, sondern ein Schutzschild gegen Manipulation, Sabotage oder Kontamination. Betreiber, die die Vorschriften mit Blick auf eine vermeintliche Kostenersparnis umgehen, spielen mit dem Leben von Passagieren und Crews. Denn eines der größten Verkaufsargumente, neben Flexibilität und Komfort, ist die Sicherheit, die der Flug im Business Jet bietet. Dazu gehört auch das Catering.

Martin Henschel versorgt seine Kunden mit leckerem Essen, bei dem Sicherheit garantiert ist.
Regeln für den Genuss
Das Catering für die Luftfahrt unterliegt strengen Sicherheitsstandards, die in der EU unter anderem durch die Verordnung (EU) 2015/1998 geregelt werden. Diese Vorschriften legen fest, unter welchen Bedingungen Caterer als "reglementierte Lieferanten von Bordvorräten" anerkannt werden können – ein Status, der Grundvoraussetzung fürs Catering an Bord von Flugzeugen ist und die sogenannte sichere Lieferkette garantiert. Ob Fleisch, Brötchen oder Wein: Alles, was an Bord kommt, muss Teil der sicheren Lieferkette sein. Das bedeutet, dass vom Erzeuger über die Verarbeitung bis zum Transport jede Stufe klaren Sicherheitskontrollen unterliegt. Ein reglementierter Caterer überprüft seine Lieferanten regelmäßig, kontrolliert eingehende Ware mit geschultem Personal und dokumentiert jeden einzelnen Schritt. Verdächtige Verpackungen oder beschädigte Produkte werden aussortiert und gemeldet. Selbst der Transport ist ein kritischer Moment. Fahrzeuge müssen gesichert, versiegelt und überwacht werden, denn eine auf dem Weg zum Flugzeug manipulierte Mahlzeit kann fatale Folgen haben. Ein reglementierter Caterer muss nachweisen, woher jede Zutat stammt, sowie wann und von wem sie verarbeitet wurde.
Risiken im Verborgenen
Natürlich ist die Verlockung groß, beim Lieblingsrestaurant eine tolle Trüffelpasta zum unschlagbaren Preis zu ordern. Warum nicht zuschlagen? Ganz einfach: Weil sich im Preis ein Sicherheitsrisiko verbirgt, denn solche nicht reglementierte Lieferanten werden nicht kontrolliert. Dort gibt es keine garantierte Kontrolle darüber, wer Zugang zu den Lebensmitteln hatte, ob diese unbeaufsichtigt waren oder ob sie manipuliert wurden. Wenn etwas passiert – eine Kontamination, eine Manipulation –, lässt sich der Ursprung kaum mehr nachverfolgen. Anders gesagt: Im Falle einer Sicherheitslücke oder eines Verdachts auf Manipulation lässt sich nicht nachvollziehen, wo und wann das Risiko entstand. In der General Aviation, wo Vorstände, Politiker oder andere Personen mit besonderem Sicherheitsbedarf fliegen, darf es solche Lücken nicht geben. Es geht hier nicht um Bürokratie, sondern um Menschenleben. Ich habe Caterer gesehen, die ihr Essen ohne Kühlfahrzeuge transportieren oder unversiegelt übergeben. Wer so arbeitet, gefährdet nicht nur den guten Geschmack des Essens, sondern die gesamte Crew. Betreiber oder Dispatcher, die solche Unternehmen beauftragen, verletzen die Grundregeln der Luftsicherheit.

Feinstes Catering – hier an Bord einer Legacy 650 von VistaJet – ist das Aushängeschild vieler Betreiber.
Nicht selten kommt es vor, dass Besatzungen bei Online-Lieferdiensten bestellen oder an der Tankstelle nebenan einkaufen. In diesem Fall kommt das Risiko der Lebensmittelsicherheit dazu. Der Transport von warmem Essen ist heikel, gerade wenn man die Speisen erst Stunden später genießt. Im Temperaturbereich von 20 bis 40 Grad fühlen sich Bakterien besonders wohl, was die Gefahr einer Lebensmittelvergiftung erhöht. Professionelle Aviation-Caterer nutzen daher Schnellkühler bei der Produktion. Die Speisen werden nach dem Kochen sofort auf zwei bis vier Grad Celsius heruntergekühlt, was die Bakterienbildung stoppt. Zertifizierte Caterer liefern deshalb alle Speisen kalt an. Erst an Bord werden diese kurz vor dem Servieren wieder erhitzt. Es steckt also ein immenser Aufwand dahinter, um das Catering an Bord sicher zu machen. Selbst das modernste Screening-Gerät am Flughafen erkennt keine Gifte oder toxischen Substanzen im Essen. Nur ein Caterer mit geschultem und auf Zuverlässigkeit geprüftem Personal kann dank klarer Prozesse Manipulationen verhindern.
Sicherheit geht vor Geiz
Durch nicht reglementierte Lieferanten besteht ein hohes Risiko für die Luftsicherheit. Die Branche muss aufhören, über die billigste Option zu diskutieren, und anfangen, über die sicherste zu sprechen. Jeder, der in der Business Aviation Verantwortung trägt, sollte sich dessen bewusst sein: Luftsicherheit beginnt lange vor dem Start und endet nicht bei der Gepäckkontrolle. Zudem ist das Thema Sicherheit in der General Aviation auch ein sehr gutes Verkaufsargument, womit man den potenziellen Passagier überzeugen kann. Wer bei der Wahl des Caterers spart, spart an der falschen Stelle. Sicherheit kostet. Aber Unsicherheit kostet Reputation und im schlimmsten Fall Leben.





