Emirates habe Slots für den Winterflugplan am Flughafen BER beantragt, hatte erstmals die Nachrichtenagentur Bloomberg Ende Januar unter Bezugnahme auf die betreffenden Unterlagen gemeldet. Ab Dezember plane die Fluggesellschaft demnach, die deutsche Hauptstadt mit ihrer Boeing 777-300ER täglich anzusteuern. In Berlin kursiert sogar das Gerücht, die Flüge hätten ursprünglich schon im Frühjahr 2026 aufgenommen werden sollen und nur der Flugzeugmangel bei Emirates, die auf ihre bestellten 777-9 wartet, habe den geplanten Start verzögert.
Drei Ziele in Deutschland, plus Hamburg
Ein Emirates-Sprecher erklärte auf Nachfrage der FLUG REVUE am Donnerstag, Emirates bemühe sich seit 1991 um zusätzliche Flugrechte nach Deutschland. Bisher sind der Airline drei deutsche Ziele nach eigener Wahl gestattet, bei denen sich Emirates derzeit für Frankfurt, München und Düsseldorf entschieden hat. Als milliardenschwerer Kunde bei Airbus erhielt Emirates zusätzlich auch die deutsche Erlaubnis, die Airbus-Stadt-Hamburg bedienen zu dürfen, somit dürfen vier deutsche Ziele bedient werden. Nach Informationen der FLUG REVUE geht die Zahl der 1987 vereinbarten, zulässigen Ziele ursprünglich auf Gegenseitigkeit zurück: Deutschland durfte drei Ziele in den Emiraten ansteuern, die Emirate umgekehrt drei Ziele in Deutschland.
Kriegt Ostdeutschland genug vom Kuchen ab?
Mittlerweile ballt sich das deutsche Langstreckenflugangebot aber einseitig an den beiden Drehkreuzflughäfen Frankfurt und München, und Emirates ist mit Dubai zum eigenen Global Player herangewachsen. Die Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer hatten sich kürzlich sogar beschwert, dass es fast keine deutschen Langstrecken aus Ostdeutschland gebe. Berlin, so Emirates, sei aus Airline-Sicht ein natürlicher Kandidat für die Bedienung mit Langstreckenflügen. Es sei Hauptstadt und ein wichtiges Geschäfts- und Politik-Drehkreuz und es wachse als touristisches Ziel. Eine DLR-Studie sei jüngst zu dem Ergebnis gekommen, dass ein täglicher Emirates-Flug nach Berlin rund 500 Arbeitsplätze schaffen könne, 140.000 Fluggäste im Jahr liefere und 55.000 Übernachtungen generiere.
Emirates will kein deutsches Ziel aufgeben
Der Emirates-Sprecher erklärte, die Airline wolle für Berlin kein anderes deutsches Ziel aufgeben, um stattdessen Berlin bedienen zu dürfen. Berlin solle ein zusätzliches Ziel werden. Alle bisher in Deutschland von Emirates angesteuerten Ziele liefen wirtschaftlich gut und erzeugten nennenswertes Passagier- und Frachtaufkommen. Ein Ziel Berlin würde dieses Angebot ergänzen, nicht ersetzen. Die Flüge könnten ausschließlich mit offizieller Genehmigung der Behörden Deutschlands und der Emirate stattfinden, verneinte der Sprecher eine Nachfrage der FLUG REVUE, ob man eventuell zusätzliche Emirates-Flüge nach Berlin auch unter der Flugnummer einer deutschen Airline rechtlich als "deutsche" Flüge außerhalb der Beschränkungen stattfinden lassen könnte. Ob neben der Boeing 777-300ER auch die A380 ein Kandidat für Berlin-Flüge sein könnte, wollte der Sprecher noch nicht verraten. Die jeweils eingesetzten Flugzeugmuster würden, falls eine Genehmigung erteilt werde, jeweils erst kurz vor einer Routenaufnahme anhand der Nachfrage, der betrieblichen Erfordernisse und der vorhandenen Infrastruktur festgelegt.
Kanzler will mehr Kooperation
Für die Erteilung der Genehmigungen und Verkehrsrechte sind die Verkehrsministerien beider Seiten zuständig. Die deutsche Seite dürfte dabei auch die Interessen von Lufthansa im Blick haben, die in Frankfurt und München eigene Drehkreuze betreibt, wo auch berliner Umsteiger nach Dubai abgefertigt werden. Die Lufthansa-Tochter Eurowings hatte zudem kürzlich eigene Dubai-Flüge ab Berlin mit dem Airbus A321 aufgenommen. Bei seiner derzeit laufenden Reihe von Nahost-Staatsbesuchen wirbt Bundeskanzler Friedrich Merz um Investitionen aus dem Nahen Osten in Deutschland, neue Abkommen zur Rohstoffversorgung und um deutsche Rüstungsexporte in die Golfregion. Deutschland suche strategische Partnerschaften mit den Nahost-Staaten und wolle die bilateralen Beziehungen ausbauen.





