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Wizz Air

Wizz Air beklagt "kriminelle" Slot-Blockade

IATA schlägt 50/50-Regel vor Wizz Air beklagt „kriminelle“ Slot-Blockade

Wizz Air sieht sich zu einer "schnellen Erholung" in der Lage – und pocht auf eine Neuvergabe nicht ausgelasteter Slots von Wettbewerbern. Andere Airlines fordern, den Nutzungszwang für Start- und Landezeiten auch 2021 auszusetzen. Findet die IATA einen Kompromiss?

Vor der Krise heiß umkämpfte Start- und Landerechte liegen brach. Die 80/20-Regel ist in der Luftfahrtkrise vielerorts außer Kraft – Airlines verlieren ihre Slots nicht, selbst wenn auf ihnen gerade keine Flüge stattfinden. Das schmeckt nicht allen Wettbewerbern: Billigflieger Wizz Air drängt seit Monaten auf eine Freigabe vakanter Slotpaare für den Sommer 2021. "Wir können wieder und wieder Covid-19 ins Feld führen, aber Tatsache ist, dass es Fluggesellschaften gibt, die zu einer schnellen Erholung in der Lage sind", sagte Wizz Air-Chef József Varadi laut der Nachrichtenagentur "Reuters".

Wizz Air will in Gatwick ausbauen

Andere Fluggesellschaften werden die Krise laut Varadi hingegen nicht überstehen – und blockieren wertvolle Slots. "Es ist beinahe kriminell, sich an Slots zu klammern, für die keinerlei Absicht zur Nutzung besteht", sagte der Manager. Wizz Air scharrt am Flughafen London-Gatwick mit den Hufen – der Billigflieger will die Basis deutlich ausbauen und könnte nach eigenen Angaben "jeden fünften Slot" in Gatwick mit Flügen füllen. Viele Gatwick-Slots liegen derzeit noch in den Händen von Norwegian – die schwer angezählte Airline hat letzte Woche Gläubigerschutz für zwei zentrale Tochterfirmen in Irland beantrag und siich bisher nicht zu ihren Flugplänen im nächsten Jahr geäußert.

Wizz Air
Wizz Air ist Ungarns größte Airline und war im Zuge der Corona-Krise zeitweise der umtriebigste Carrier in ganz Europa.

"Netzwerk würde zusammenbrechen"

Auch Ryanair – die in der Krise selbst von der ausgesetzten 80/20-Regel profitierte – drängt inzwischen auf eine Rückkehr zur alten Vergabepraxis. Der Linienluftfahrtverband IATA warnt Regierungen hingegen davor, das Slot-Karussell vorschnell wieder anzuwerfen: "Wenn Airlines jetzt Slots verlieren, wird das globale Netzwerk zusammenbrechen", warnt die IATA. Die 80/20-Regel besagt, dass Airlines Slots zu mindestens 80 Prozent befliegen müssen – andernfalls droht ein Entzug der Start- und Landerechte. Die Regel ist wegen der Corona-Krise mindestens noch bis zur nächsten Sommersaison ausgesetzt, um Leerflüge auf eigentlich verwaisten Slotpaaren zu vermeiden.

Airbus
Seit Oktober 2020 betreibt Wizz Air auch einen A330-Frachter für die ungarische Regierung. Der Zweistrahler stand davor bei Qatar Airways im Dienst.

IATA schlägt 50/50-Regel vor

Die IATA schlägt jetzt vor, die Nutzungsschwelle zur Erhaltung von Slots 2021 auf eine "50/50-Regel" herabzusetzen. "Alle Beteiligten stimmen darin überein, dass die normale Schwelle von 80/20 durch eine niedrigere Schwelle ersetzt werden sollte", heißt es in einem Positionspapier des Verbands. Airlines sollen Slots zudem an Wettbewerber ausleihen können, ohne sie auf Dauer zu verlieren. "Die Slot-Regeln waren nie für den Fall eines längeren Zusammenbruchs der Branche konzipiert", argumentiert der Verband. Ryanair und Wizz Air tragen den Vorstoß bislang nicht mit.