Korruptionsverdacht bei kasachischer Fluggesellschaft Air Astana

Whistleblower erhebt Vorwürfe
Korruptionsverdacht bei Air Astana aus Kasachstan

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.01.2026
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Korruptionsverdacht bei Air Astana aus Kasachstan
Foto: AirTeamImages/Aerosaeed

Die kasachische Hauptverkehrsstaatsanwaltschaft hat eine Untersuchung gegen die Fluggesellschaften Air Astana und deren Tochter Fly Arystan eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaften mehreren kasachischen Medien auf Anfrage mitteilten. Führungskräfte sollen systematisch Flugtickets zu Sonderkonditionen an Familienangehörige und einflussreiche Personen vergeben haben.

Whistleblower erhebt schwere Vorwürfe

Ausgelöst wurde die Affäre durch Enthüllungen des früheren Managers Renat Abulchanow, der derzeit selbst strafrechtlich verfolgt wird, da er über seine Benutzerkennung verdächtige Ticketbuchungen durchgeführt haben soll, die zu finanziellen Schäden über 2 bis 2,5 Millionen Euro für die Airline führten. Er präsentierte umfangreiches Material, darunter WhatsApp-Nachrichten, die belegen sollen, dass Vergünstigungen an einen festen Personenkreis keine Einzelfälle waren, sondern zum internen Geschäftsgebaren gehörten.

Die Unterlagen wurden von Bekzat Kulmanow, einem Freund Abulchanows, veröffentlicht. "Mein Ziel ist es nicht, die Handlungen des Managements von JSC Air Astana in den sozialen Netzwerken zu beurteilen, sondern dafür zu sorgen, dass die Fakten überprüft werden können und die Geschichte nicht 'leise' vorbeigeht", schrieb Kulmanow bei der Veröffentlichung.

Den veröffentlichten Unterlagen zufolge profitierten unter anderem die Ehefrau des Unternehmenspräsidenten Peter Foster sowie deren Angehörige von stark reduzierten Tarifen. Bereits im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass Foster die Fluggesellschaft Ende März 2026 verlassen wird.

Auch Regierungsmitglieder, ein Verkehrsstaatsanwalt sowie mitreisende Beamte und Journalisten der Regierungspresse sollen entsprechende Vorteile erhalten haben. Abulchanow spricht von manuell freigeschalteten Billigtarifen für "die Eigenen", nicht für reguläre Fluggäste. In den Chat-Verläufen wird offenbar besprochen, wer privilegiert behandelt werden darf und wer nicht.

Airline weist Vorwürfe als Manipulation zurück

Air Astana reagierte mit einer ausführlichen Stellungnahme in verschiedenen sozialen Medien auf die Anschuldigungen. Das Unternehmen betont, dass gegen Abulchanow ein Strafverfahren laufe und man "im Rahmen der geltenden Gesetzgebung" handle sowie "die notwendige Unterstützung für die Ermittlungen" leiste.

Die Bewertung der Umstände und Schlussfolgerungen über Schuld oder Unschuld lägen ausschließlich in der Zuständigkeit des Gerichts. Die Behauptungen über angebliche Verfolgung wegen Weigerung, Anweisungen der Geschäftsführung bei der Vorbereitung des Börsengangs auszuführen, seien "nicht wahrheitsgemäß und stellen einen Versuch dar, die öffentliche Meinung zu manipulieren", heißt es in dem Statement weiter.

Falsche Umsatzzahlen für Investoren?

Zur Echtheit der veröffentlichten Chat-Verläufe äußert sich die Airline zurückhaltend. "Der Luftfahrtbetreiber bestätigt nicht die Verlässlichkeit, Vollständigkeit und Authentizität dieser Materialien." Eine Überprüfung sei nur im gesetzlich vorgesehenen Rahmen möglich.

Air Astana wertet die Veröffentlichungen als "Versuch, während des laufenden Verfahrens Druck auf die öffentliche Meinung auszuüben" und behält sich vor, "ihre rechtmäßigen Interessen mit rechtlichen Mitteln zu schützen". Die Fluggesellschaft appelliert an Medien und Öffentlichkeit, bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens von Schlussfolgerungen abzusehen.

Abulchanow behauptet, zum Problem für die Unternehmensführung geworden zu sein, als Air Astana den Börsengang vorbereitete. Man habe von ihm verlangt, unrealistische Umsatzzahlen zu kalkulieren, um Investoren anzulocken. Nach seiner Weigerung sei er ohne Begründung per Messenger freigestellt worden.

Eine Prüfung durch die Wirtschaftsprüfgesellschaft Ernst & Young soll ergeben haben, dass über zahlreiche Mitarbeiterkonten des Kundencenters zehntausende verdächtige Buchungen liefen, berichtete unter anderem der kasachische Anti-Korruptionsjournalist Mikhail Kozachkow. Strafrechtlich belangt wurde bislang jedoch ausschließlich Abulchanow.

Air Astana fordert nun die Beschlagnahmung von Immobilien nicht nur des Beschuldigten selbst, sondern auch seiner Ehefrau und Mutter, wie aus Dokumenten, die ebenfalls von Abulchanows Bekanntem Kulmanow veröffentlicht wurden, hervorgeht.

Das Unternehmen argumentiert, diese seien mit illegalen Geldern erworben worden. Die Verteidigung hält dem entgegen, sämtliche Wohnungen seien lange vor den inkriminierten Vorgängen gekauft worden und teilweise mit Pensionsgeldern und Hypotheken finanziert.