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Atlas Air

Kündigungen: Warum Atlas Air die Piloten davonlaufen

Kündigungswelle Warum Atlas Air die Piloten davonlaufen

US-Fluggesellschaften beenden den Krisenmodus – und stellen nun wieder in großem Stil Piloten ein. Der ACMI-Spezialist Atlas Air spürt diesen Aufschwung ebenfalls, allerdings nicht im positiven Sinne: Piloten kehren der Airline in Scharen den Rücken.

1.000 Piloten bei Delta Air Lines bis Sommer 2022, 1.350 Piloten bei American Airlines bis Ende 2022 und 1.100 Cockpit-Neueinstellungen pro Jahr bei United: die großen US-Flugkonzerne suchen wieder Flugpersonal. Passagier- und Geschäftszahlen ziehen bei fast allen Airlines in den USA wieder deutlich an. Die Schubumkehr vom Krisen- auf Angriffsmodus sorgt dafür, dass berufserfahrene Piloten mit FAA-Lizenz wieder gesuchte Arbeitnehmer sind.

Kündigungswelle im Juli

Die überraschend schwunghaft einsetzende Erholung auf dem Arbeitsmarkt hat Atlas Air offenbar auf dem falschen Fuß erwischt. Nach Informationen des Portals "Aero Crew News" reichten bei der auf Fracht- und Truppenflüge spezialisierten Charterairline allein im Juli 70 Piloten ihre Kündigung ein, nachdem im Vormonat bereits 61 Piloten Atlas Air verlassen hatten. Und für Atlas Air kam es noch dicker: von 30 im Juli neu eingestellten Piloten traten laut "Aero Crew News" 23 erst gar nicht zum Dienst an – oder haben ihre Arbeitsverträge direkt wieder aufgelöst.

Atlas Air
Atlas Air fliegt vorrangig Fracht, besitzt aber auch einige Boeing 747-400 mit Passagierkabine, die vor allem für Truppentransporte herangezogen werden.

Extrem niedriges Einstiegsgehalt

Hauptgrund dafür dürfte eine mickrige Bezahlung sein. Nach Angaben des Portals bietet Atlas Air neuen Piloten in einer viermonatigen Einarbeitungs- und Trainingsphase ein Grundgehalt von lediglich 1.600 US-Dollar pro Monat. Verhandlungen über neue Gehaltstabellen ziehen sich bei Atlas Air inzwischen über fünf Jahre hin. Viele Atlas-Air-Piloten sollen in den letzten Monaten zu FedEx oder UPS gewechselt sein. Atlas Air hatte 2020 vom weltweiten Luftfrachtboom profitiert und das erste Quartal 2021 mit einem Operativergebnis von 181,3 Millionen US-Dollar ebenfalls deutlich über Vorjahr abgeschlossen.

In Europa blieb die Lage am Piloten-Arbeitsmarkt zuletzt angespannt. Ryanair hatte im Juli allerdings angekündigt, über die nächsten drei Jahre 2.000 neue Piloten einzustellen.