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Boeing 777F von Lufthansa Cargo startet in Frankfurt. Lufthansa Cargo
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Lufthansa Cargo: Techniker gefeuert - Piloten rebellieren

Lufthansa Cargo Techniker gefeuert - Piloten rebellieren

Sensoren nicht angeschlossen: Piloten von Lufthansa Cargo gerieten im Oktober 2020 durch eine Wartungspanne in Bedrängnis. Der Fehler kostete die verantwortlichen Mitarbeiter der LH Technik den Job. Mit dieser drastischen Folge sind die Piloten nicht einverstanden.

Frankfurt, 10. Oktober 2020: Lufthansa-Cargo-Flug 8402 verlässt die Basis mit Ziel Shanghai. Minuten später setzen die Piloten einen Notruf ab. "Nach dem Start bemerkte die Cockpitbesatzung unzuverlässige Werte der Anzeigeinstrumente für die Fluggeschwindigkeit", rekonstruiert die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) den als "schwere Störung" eingestufen Vorfall. "Nach der Landung wurde festgestellt, dass die Sensoren des linken und des rechten Statik-Systems nicht angeschlossen waren."

Lufthansa Cargo (Oliver Roesler)
Lufthansa Cargo besitzt insgesamt neun Boeing 777F.

Techniker mussten gehen

Lufthansa Technik zog personelle Konsequenzen. "Wie wir vernehmen mussten, führte dieser Zwischenfall bereits zu Beginn der Untersuchungen zur Entlassung zweier Mitarbeiter der Lufthansa Technik, welche die Arbeiten ausgeführt hatten", heißt es in einem offenen Brief Dutzender Piloten von Lufthansa Cargo, der aero.de vorliegt. Die Piloten fordern Lufthansa Technik auf, "die Kündigung der beiden Techniker zurückzunehmen" – denn: "Eine belastbare und hochwertige Fehlerkultur (...) ist ein hohes Gut. Eine Entlassung der betreffenden Mitarbeiter kann nur als disziplinarische Maßnahme / Strafe verstanden werden, welche diese Kultur hemmt und keinerlei Verbesserung schafft."

Airlines

"Just Culture"

Ein "offener und vor allem non-punitiver Umgang mit Fehlern" sei "die beste Methode, Fehler in der Zukunft zu vermeiden" und eine lückenlose Aufklärung von Zwischenfällen sicherzustellen. Die Piloten verweisen auf die sonst in den Flugbetrieben der Lufthansa "gelebte" Just Culture. Der Vorfall selbst endete glimpflich. In einer Schleife über Hessen ließen die Piloten Treibstoff ab und landen rund eine Stunde nach Start wieder sicher in Frankfurt. Die D-ALFG hatte sich laut Flugdatenportalen vor dem geplanten Asien-Umlauf rund sechs Tage zu einem Check in Frankfurt befunden.