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Müde Piloten bei Qatar Airways Beim Landeanflug „einfach die Augen zugefallen“

Piloten von Qatar Airways klagen über extremes Flugpensum und Müdigkeit im Cockpit. Darunter leidet die Performance – und im Zweifel die Sicherheit. Ein Whistleblower-Bericht ruft jetzt womöglich die Aufsicht auf den Plan. Qatar wiegelt ab.

Fliegen am Limit und eine zweifelhafte Dokumentation von Flugstunden: Piloten erheben gegenüber der "Thomson Reuters Foundation" schwere Vorwürfe gegen ihren Arbeitgeber Qatar Airways. Die haben es in sich: Ihm seien bei einem Landeanflug auf Doha mit 400 Passagieren an Bord schon einmal "einfach die Augen zugefallen", räumte etwa ein Pilot in dem Bericht ein.

Arbeitszeiten falsch erfasst?

Hat die Airline Dienstpläne überdehnt – und Ermüdung von Crews in Kauf genommen? Zumindest dürfte sich Qatar Airways eines latenten Fatigue-Problems unter ihren Piloten gewahr sein. Immerhin hat die Airline 2020 selbst eine hausinterne Umfrage zu dem heiklen Thema durchgeführt. Qatar will jetzt mit "dem strengsten Prozess zum Risikomanagement bei Erschöpfung" gegensteuern und "sicherstellen, dass Dienstpläne und Ruhezeiten unserer Flugbesatzungen mit betrieblichen Anforderungen (...) in Einklang gebracht werden", teilte die Airline der "Thomson Reuters Foundation" mit.

Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass die Grenze zwischen Dienst- und Ruhezeiten in der nachträglichen Erfassung bisweilen offenbar verschwamm. "Vor nicht allzu langer Zeit war ich der dritte Pilot – meine Aufgabe war es, die Kollegen zu überwachen, also war ich zu 100 Prozent aktiv", sagte der Pilot aus. "Die Flugzeit betrug eine Stunde und 33 Minuten." Weil Qatar Airways "anders zählt", habe das System nach dem Flug "nur drei Minuten" auf sein aktives Flugzeitkonto gebucht.

EASA: "Gehen allen Bedenken nach"

Die katarische Luftfahrtaufsicht QCAA hält sich zu den Vorwürfen bedeckt. In Europa wird sich Qatar Airways aber möglicherweise bald erklären müssen – die europäische Luftfahrtaufsicht EASA wird nach dem Bericht hellhörig. "Im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Zulassung von Betreibern aus Drittstaaten geht die EASA allen Bedenken nach, die ihr zur Kenntnis gebracht werden -  unabhängig davon, ob es sich um eine mögliche Ermüdung der Besatzung oder ein anderes Problem handelt", sagte eine EASA-Sprecherin unserem Redaktionspartner aero.de. Die EASA sei gleichwohl nicht befugt, "zu konkreten Fällen Stellung zu nehmen,  (...) die gegebenenfalls einer internen Bewertung unterzogen werden".

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