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Patrick Zwerger

Lauda-Flugbegleiter als Geldboten

„Nimm das mal mit nach Palma“ Lauda-Flugbegleiter als Geldboten

Die Ryanair-Tochter Lauda hat Flugpersonal laut einem Medienbericht als Geldboten eingesetzt. Bareinnahmen aus Bordverkäufen wurden demnach "in kleinen Häufchen" zwischen Stationen in Europa verteilt.

"Nimm das mal mit nach Palma": Lauda hat Flugbegleiter mit verplombten Geldtaschen quer durch Europa geschickt. Dies deckt eine gemeinsame Recherche des Magazins Profil, der Zeitung "Welt", des ORF-Formats "Report" und des Südwestrundfunk auf. Ryanair und Lauda wiegeln ab. Einzelne Mitarbeiter fragten sich dagegen schnell, ob die Praxis legal war.

Geld in kleinen Häufchen

In den feuerroten "Cash Bags" gingen demnach Bareinnahmen aus Bordverkäufen auf Reise von Station zu Station, im Einzelfall bis zu 60.000 Euro pro Flug. "Das Geld wurde immer in bar eingezahlt in unseren Tresor in Düsseldorf", beschreibt ein Flugbegleiter das Procedere. "Und dort waren dann Leute abgestellt, die dieses Geld in kleine Häufchen packen. Das heißt Pakete mit knapp unter 10.000 Euro packen. Und sie wurden dann von den Crews mitgenommen in andere Stationen."

Airbus von Lauda Motion in Düsseldorf
Flughafen Düsseldorf
Die deutschen Laudamotion-Basen Stuttgart und Düsseldorf (Foto) wurden inzwischen geschlossen.

"Es hieß, dass wir es tun müssen"

Auf Flügen nach Spanien gilt auch innerhalb der EU eine anmeldefreie Höchstgrenze von 10.000 Euro. Ziel der roten Geldtaschen war am Ende des Tages laut dem Bericht aber stets Dublin, Sitz des Lauda-Eigners Ryanair. "Es hieß immer, dass das Ganze legal (...) wäre (...) und vor allem, dass wir es tun müssen", sagte ein weiterer Flugbegleiter. "Auf einem Flug, das waren vier Flugbegleiter und zwei Piloten, wurden bis zu 60.000 Euro auf diese Weise transportiert." Einige Beschäftigte beschlich bei den Geldtransporten ein ungutes Gefühl. Vida hat bestätigt, dass mehrere Kollegen rechtlichen Rat bei der Gewerkschaft suchten. Die Praxis ist zumindest unüblich – die meisten Airlines beauftragen für den Transport größerer Summen Sicherheitsunternehmen.

Wo wurde das Geld versteuert?

Erlöse aus Bordverkäufen sind nach den Umsatzsteuersätzen des Abflugortes abgabenpflichtig. In der EU reicht die Spanne der regulären Sätze von 17 bis 25 Prozent, der ermäßigten Sätze von 0 in Irland bis 25 Prozent in Dänemark. Ryanair hat sich gegenüber den Medien nicht zur Frage der Versteuerung geäußert. Wortkarge und wortgleiche Stellungnahme der Zentralen in Dublin und Wien im Zuge der Recherchen: "Die beiden deutschen Basen von Laudamotion werden zum 24. Oktober (Düsseldorf) und 30. Oktober (Stuttgart) geschlossen. Die Behauptungen verärgerter ehemaliger Mitarbeiter entsprechen nicht der Wahrheit."